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Ein Jahr nach dem Erdrutsch von Nachterstedt: Erdbeben könnte Unglück verursacht haben

Ein Jahr nach dem Erdrutsch von Nachterstedt: Erdbeben könnte Unglück verursacht haben

Nachterstedt. Die Ursache des gigantischen Erdrutsches von Nachterstedt mit drei Toten vor einem Jahr bleibt noch längere Zeit im Dunkeln.

Grund sei, dass aus Sicherheitsgründen Experten bislang noch nicht an die Unglücksstelle in Sachsen-Anhalt gelangen konnten, sagte Mahmut Kuyumcu, Vorstand des zuständigen Bergbausanierers LMBV, am Donnerstag in Nachterstedt. Er hoffe, dass die Stelle vom Concordia-See aus im Oktober erreicht werden könne. Dann soll mit umfangreichen Erkundungen begonnen werden.

Am 18. Juli 2009 waren 2,8 Millionen Kubikmeter Böschungsmasse herabgestürzt und hatten ein Doppelhaus und eine Haushälfte in die Tiefe gerissen. 40 Menschen verloren ihr Heim. „Das Leid und der Schmerz der Hinterbliebenen und der betroffenen Anwohner, die ihr zu Hause aufgeben mussten, war für uns, besonders die LMBV, eine schmerzliche Erfahrung“, sagte Kuyumcu. Am Sonntag, wenn sich das Unglück zum ersten Mal jährt, planen die Nachterstedter ein Gedenken.

Das Unglück hatte nicht nur die Anwohner, sondern auch Gewerbetreibende getroffen, die auf den aufblühenden Tourismus setzten. Einige von ihnen klagten über zu langsam fließende Hilfsgelder. Das Wirtschaftsministerium in Magdeburg wies die Kritik am Donnerstag zurück. „Gelder aus dem Nothilfefonds für Unternehmen wurden schnellstmöglichst ausgezahlt“, teilte das Ministerium mit. Die Verhandlungen mit dem Bund seien erst Ende März abgeschlossen worden. Bis 2012 sollen 42 Millionen Euro fließen - davon sei eine Million Euro eine Überbrückungshilfe für vom Unglück betroffene Firmen.

Vier der 20 Antragsteller hätten bereits Hilfe erhalten, mit weiteren fünf sollten an diesem Donnerstag Vereinbarungen unterzeichnet werden, hieß es weiter aus dem Ministerium. Einige Fälle konnten noch nicht entschieden werden, da die Unternehmen ihre Ansprüche pauschal gestellt hätten, ohne notwendige Unterlagen vorzulegen, wie das Ministerium erklärte. Wesentliches Kriterium für die Vergabe finanzieller Mittel sei der Nachweis des unmittelbaren Zusammenhangs zwischen Unglück und wirtschaftlicher Beeinträchtigung. Das Ministerium erwartet, dass bis Ende Juli über alle Anträge entschieden werden wird.   

Wie es zu dem Erdrutsch kam, lässt sich bislang nur vermuten: Fest steht aus Sicht von Kuyumcu, dass es nicht nur eine einzige Ursache gibt. „Es haben offenbar mehrere Einflussfaktoren gleichzeitig - aber in uns noch unbekannter Form und Art - zusammengewirkt.“ Ein Expertenteam um Rolf Katzenbach von der Technischen Universität Darmstadt hat Erkenntnisse zu einem kleinen Erdbeben der Stärke 1,8, das dem Erdrutsch vorausgegangen sei. Wie es zu dem seismischen Ereignis kam, muss aber noch geklärt werden, wie es hieß. Möglicherweise gebe es Zusammenhänge zum Altbergbau.   

Bisherige Überwachungen der Erdoberfläche am Rutschhang haben laut LMBV gezeigt, dass weder die steile Böschung noch der Seegrund sich in der Form nach dem Unglück weiter verändert hätten. Es war ein umfangreiches Beobachtungssystem zur Überwachung möglicher Erdbewegungen oder sonstiger Veränderungen installiert worden.

Der weitere Zeitplan des Bergbausanierers LMBV sieht vor, mit der Neugestaltung des Gebietes im Juli 2011 zu beginnen. Sie soll bis 2015 dauern. „Der Concordia-See wird wie geplant hergestellt“, versicherte Kuyumcu. Dazu gebe es technisch keine Alternative. Allerdings sei die LMBV dabei durch das Unglück vier bis fünf Jahre zurückgeworfen worden. 

Dörthe Hein und Sabine Fuchs, dpa

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