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Ein Jahr nach dem Tornado durch Großenhain und Mühlberg - „Wunden heilen“

Ein Jahr nach dem Tornado durch Großenhain und Mühlberg - „Wunden heilen“

Mühlberg/Großenhain. Der Tornado schlug nur wenige Minuten zu, aber die Schäden waren beträchtlich. Als der Wirbelsturm vor einem Jahr die Städte Mühlberg im Süden Brandenburgs und Großenhain in Sachsen heimsuchte, hinterließ er eine Spur der Zerstörung.

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Ein stark beschädigtes Dach ist am 25. Mai 2010 in Walda-Kleinthiemig bei Großenhain zu sehen. Unwetter mit Tornados hatten am Pfingstmontag in Brandenburg und Sachsen schwere Schäden angerichtet.

Quelle: dpa

An jenem 24. Mai wurden Dächer abgedeckt, Hauswände eingedrückt und mehr als tausend Bäume in der Region wie Streichhölzer umgeknickt oder entwurzelt.

Noch nicht verheilt sind die Wunden in den Seelen vieler Bewohner, die das Drama miterleben mussten. In Großenhain starb damals ein sechsjähriges Mädchen, als es in einem Auto unter einem umstürzenden Baum begraben wurde, rund 50 Menschen wurden verletzt. Auch in Mühlberg, das mit einem Verletzten davonkam, denken etliche Bewohner noch mit Schrecken an die hier seltene Naturkatastrophe.

Wer jetzt die Wunden sehen will, die der Tornado in beiden Städten sowie einigen Ortsteilen gerissen hat, muss schon sehr genau hinschauen. Nur an einigen wenigen Fassaden und Dächern ist noch zu erahnen, mit welcher Macht der Sturm am Pfingstmontag des vergangenen Jahres durch die Straßen fegte.

„Alle beschädigten städtischen und viele private Gebäude und die Infrastruktur sind wiederhergestellt und nutzbar“, sagt der Oberbürgermeister der 20 000-Einwohner-Stadt Großenhain, Burkhard Müller (CDU). „Was uns vor allem beschäftigt, ist die zeit- und kostenaufwendige Wiederherstellung unserer Park- und Grünanlagen.“ Ähnlich sieht es in Mühlberg an der Elbe aus, wo 2300 Menschen wohnen.

„Bei uns waren etwa 80 Prozent der Dächer beschädigt, und alle sind repariert“, berichtet die Bürgermeisterin Hannelore Brendel (parteilos). Das Land Brandenburg habe Mühlberg mit einem zinslosen Darlehen von 400 000 Euro geholfen. „Das Geld haben wir unter anderem dafür genutzt, Schäden an Straßenbäumen auszugleichen, die Kanalisation zu reparieren und bestimmte Leistungen zu bezahlen, die von den Versicherungen nicht übernommen wurden“, erzählt die Rathaus-Chefin. Das Infrastrukturministerium unterstützte Betroffene bei der Beseitigung von Bauschäden.

Auf rund 100 Millionen Euro hat die Verwaltung die Tornado-Schäden im Landkreis Meißen beziffert - mehr als 80 Prozent davon waren allein in Großenhain zu verzeichnen. Die damaligen Sturmschäden in der Gegend um Mühlberg gab die Kreisverwaltung mit 20 Millionen Euro an. Eine Schlussrechnung liegt genauso wenig vor wie  eine endgültige Regulierung der Schäden durch die Versicherungen. „Alles soll wiederaufgebaut werden“, kündigt Bürgermeisterin Brendel an. Auch die Deutsche Stiftung für Denkmalschutz und private Spender helfen dabei.

Einiges ist noch zu tun. So sind an der Elbbrücke in Mühlberg noch immer nicht die vom Sturm zerstörten Plastikscheiben ersetzt. Im verwüsteten Friedhofspark mit einst uralten Bäumen pflanzten Mitglieder der evangelischen Kirchengemeinde vor Ostern fast 90 Bäume. „Noch einmal so viele sollen später hinzukommen“, kündigt die Pfarrerin Kerstin Höpner-Miech an. Dafür seien aber weitere Spendengelder erforderlich. Der Architekt Onno Folkerts schätzt die Schäden allein an Klosterkirche, Friedhofskapelle und Probstei auf eine Million Euro. „Im nächsten Jahr soll der von der Klosterkirche herabgestürzte Dachreiter wieder aufgebaut werden.“

Der Tornado habe seine Stadt verändert, betont Oberbürgermeister Müller. „Die Großenhainer sind beim Wiederaufbau unserer Stadt zusammengerückt.“ Es gebe große Dankbarkeit all jenen gegenüber, die geholfen hätten - Freistaat, Landkreis und viele private Spender. „Die Wunden heilen schrittweise“, schätzt Brendel ein. „Wir machen das Beste draus.“

Mühlberg ist Kummer mit Naturgewalten gewöhnt. In den Jahren 2002 und 2006 machte das Elbehochwasser den Menschen zu schaffen; Mitte August 2002 entging die Stadt bei einem Pegelstand von knapp zehn Metern nur knapp der Überflutung. Bei dem Wirbelsturm vor einem Jahr blieb zwar ein Wunder aus, es hätte aber auch alles noch schlimmer kommen können.

Peter Jähnel und Nico Esch, dpa

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