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Elbe führt so wenig Wasser wie seit 51 Jahren nicht

„Extreme Lage“ Elbe führt so wenig Wasser wie seit 51 Jahren nicht

Die Elbe wird flacher und flacher. Nur noch 55 Zentimeter werden in Dresden gemessen. Auch wenn der Fluss jetzt harmlos erscheint: Experten warnen davor, die Elbe zu durchqueren.

So wenig Wasser wie derzeit führte die Elbe ein halbes Jahrhundert lang nicht.

Quelle: dpa

Dresden. Mitten in der Elbe ragen Steine aus dem Fluss. Dort, wo normalerweise das Wasser durchrauscht, haben sich kleine Inseln gebildet. Jugendliche sitzen auf den steinigen Flecken, genießen den Blick auf die Dresdner Altstadt, halten die Füße ins Wasser. Andere haben die Hosen hochgekrempelt und waten weit hinein in den Fluss. Am Donnerstag lag der Pegelstand in der Landeshauptstadt bei gerade einmal 55 Zentimetern. Tendenz fallend. Normal sind etwa zwei Meter. Uwe Höhne, der Leiter des Landeshochwasserzentrums in Sachsen, spricht von einer „extremen Lage“ und „einem außergewöhnlichen Niedrigwasser - vor allem über so einen langen Zeitraum hinweg“.

Die Elbe erlebt in diesen Tagen eine der größten Durststrecken ihrer Geschichte – wortwörtlich. Seit einem halben Jahrhundert gab es am Pegel Dresden nicht mehr so niedrige Werte wie in diesem Sommer. Rund 60 Zentimeter wurden gestern am Pegel Dresden gemessen – Tendenz fallend.

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Zum letzten Mal hat die Elbe vor 51 Jahren so wenig Wasser wie heute geführt. Anfang August 1964 lag der Pegelstand bei 47 Zentimetern. Allerdings lassen sich die Pegelstände nur bedingt vergleichen, weil die Elbe seither ausgebaggert wurde und sich die Gewässerstruktur über die Jahre verändert hat. Die Hydrologen vergleichen daher die Durchflüsse. 1964 waren es 55,7 Kubikmeter Wasser pro Sekunde, aktuell sind es 65,8 Kubikmeter. Normal sind 340. Immer wieder ist der Wasserstand der Elbe in den vergangenen Jahrzehnten rapide gefallen: Im August 1947 und 1952 waren es gerade einmal 21 Zentimeter.

Den niedrigsten Stand erreichte die Elbe allerdings nicht im Sommer, sondern im Januar 1954: Mit gerade einmal fünf Zentimetern schlug der Wasserstand der zugefrorenen Elbe in Dresden zu Buche. In der Erinnerung der Dresdner gilt allerdings der Sommer 1904 als außergewöhnlich - obwohl 69 Zentimeter gemessen wurden. Damals war die Elbe so ausgetrocknet, dass viele Dresdner in dem Flussbett spazieren gingen. Höhne warnt heute vor einem Durchqueren der Elbe. „Was die Öffentlichkeit wahrnimmt, sind die Wasserstände, das ist das Gefährliche.“ Die Fahrrinne sei aber bis zu einem Meter tiefer als das Wasser am Rand - dort konzentriere sich das Wasser auf engstem Raum. „Die Strömungsgeschwindigkeit ist entsprechend hoch.“

Talsperren sind nahezu erschöpft

Ganz austrocknen wird der Fluss nach Einschätzung des Experten aber nicht - auch wenn Hitze und Trockenheit in den nächsten Tagen anhalten. Noch helfen die tschechischen Behörden, indem sie Wasser aus ihren Talsperren in die Elbe leiten. „Aber die Talsperren sind nahezu erschöpft“, erklärt Höhne. Nicht nur die Elbe sei betroffen, auch kleine Flüsse in Sachsen seien vom Austrocknen bedroht. „Fische und Pflanzen bekommen dann richtig Stress.“

Das ungewöhnlich langanhaltende Niedrigwasser bremst die Binnenschifffahrt bereits seit Wochen aus. Die Sächsische Binnenhäfen Oberelbe GmbH meldet Verluste von Hunderttausenden Euro, die Sächsische Dampfschiffahrt hat den Betrieb mittlerweile eingestellt. Das Unternehmen rechnet durch das Niedrigwasser mit Einbußen von etwa 20 Prozent. Das Einzugsgebiet der Elbe liegt in Tschechien. Laut Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) ist es für den Elbpegel in Dresden entscheidend, ob es dort regnet. „Dass wir überhaupt noch 55 Zentimeter haben, ist der Steuerung aus Tschechien zu verdanken“, erklärt LfULG-Sprecherin Karin Bernhardt. „Sonst wäre die Situation noch viel drastischer.“ Um die Wasserstraße fast ganzjährig schiffbar zu halten, regulieren die Behörden dort den Elbe-Wasserstand über 24 Staustufen.

Entspannung würde nur langanhaltender Regen bringen. Der sei aber nicht in Sicht. Heftige und kurze Niederschläge, wie sie für das kommende Wochenende vorausgesagt sind, brächten nur eine kurze Entspannung - „und lösen das Problem nicht“.

LVZ

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