Volltextsuche über das Angebot:

15 ° / 10 ° Regen

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Empörung über Arzneimitteltests an Patienten in der DDR: Ostbeauftragter will Aufklärung

Empörung über Arzneimitteltests an Patienten in der DDR: Ostbeauftragter will Aufklärung

Die umstrittenen Medikamententests westdeutscher Pharmafirmen an DDR-Patienten sollen nach dem Willen der Bundesregierung umfassend untersucht werden. „Die vorliegenden Fakten müssen rückhaltlos untersucht und die Hintergründe aufgeklärt werden“, sagte der Ostbeauftragte der Bundesregierung, Christoph Bergner (CDU) am Montag.

Voriger Artikel
Prozess gegen Jugendpfarrer König fortgesetzt – Verteidiger beantragt Ulbig als Zeugen
Nächster Artikel
Wieder Warnstreiks der sächsischen Metaller – VW in Chemnitz und Zwickau betroffen

Christoph Bergner (CDU), Ostbeauftragter der Bundesregierung.

Quelle: dpa

Berlin. Die Bundesregierung habe Kontakt zu Gruppen, die die Vorwürfe wissenschaftlich untersuchen wollen, und es seien die Finanzierungsmöglichkeiten geprüft worden. „Unabhängige Untersuchungen müssen jetzt in Gang kommen“, forderte Bergner.

An einer weitgehenden Aufklärung habe auch die Behörde des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen ein großes Interesse, bekräftigte Sprecherin Dagmar Hovestädt am Montag. Auch der Thüringer Wissenschaftsminister Christoph Matschie (SPD) sprach sich für eine umfassende Aufarbeitung aus. In Berlin hat der Charité-Historiker Volker Hess bereits am Wochenende angekündigt, die Vorgänge zu untersuchen.

Die Grünen im Bundestag beantragten eine Aktuelle Stunde. „Das systematische Unterlaufen ethischer und rechtlicher Standards bei Medikamentenversuche durch bundesdeutsche Pharmafirmen in der DDR muss rückhaltlos aufgeklärt werden“, forderte ihr Parlamentarischer Geschäftsführer Volker Beck. Er verlangte zudem eine Entschädigung der Opfer durch die beteiligten Firmen. Dies hatten zuvor bereits die Thüringer Linken ins Gespräch gebracht.

dpa054d8b28e31366713022.jpg

Risiken und Nebenwirkungen?

Quelle: Matthias Hiekel

Der Verband der forschenden Pharmaunternehmen (vfa) erklärte, die Tests hätten damals allgemein üblichen Standards für klinische Studien entsprochen. Hauptgeschäftsführerin Birgit Fischer betonte:

„Das DDR-Recht machte Vorgaben für die Durchführung klinischer Prüfungen, die denen westlicher Staaten und auch der USA vergleichbar waren.“ Zudem seien viele der Studien nach dem DDR-Prüfplan parallel in westlichen Ländern durchgeführt worden.

Die Stasi-Landesbeauftragten verabredeten umfangreiche Recherchen zu den umstrittenen Medikamententests. Dafür sollten Experten bemüht werden, sagte Sachsens Landesbeauftragter für die Stasiunterlagen, Lutz Rathenow, der Nachrichtenagentur dpa. Bis auf Thüringen gebe es aus seiner Sicht derzeit keine Recherchen, auch für Sachsen lägen keine Auskünfte dazu vor. „Die erste Forderung an die entsprechenden Ministerien ist, dass jegliche Vernichtung von Krankenakten unbedingt gestoppt wird.“

Am Wochenende hatte der „Spiegel“ berichtet, das Ausmaß der Arzneimittel-Tests sei vermutlich größer als bisher bekannt. In mehr als 50 Kliniken sollen über 600 Medikamentenstudien in Auftrag gegeben worden sein. Mehr als 50 000 Menschen sollen als Testpatienten gedient haben. Für einzelne Studien seien viele hunderttausend D-Mark gezahlt worden. Nach ersten Erkenntnissen waren in Thüringen und Brandenburg jeweils sechs Kliniken betroffen.

dpa

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus News
  • Leipzig Wiederentdeckt
    Leipzig Wiederentdeckt

    Die 13 Filme schildern eine einzigartige Zeitreise durchs 20. Jahrhundert der Stadt Leipzig – von den Anfängen des Films bis zur Wendezeit. Mit bis... mehr

  • Leipzig-Album
    Leipzig-Album

    Welche Ereignisse sind den Bürgern der Messestadt besonders in Erinnerung geblieben, welche Orte oder Gebäude sind verschwunden oder haben sich gew... mehr

  • E-Paper
    E-Paper

    Mit unserem E-Paper-Abo können Sie die LVZ in digitaler Form täglich im Original-Layout im Web oder auf Ihrem Tablet lesen. mehr

  • Magicpaper
    Magicpaper

    Wenn Sie an Beiträgen in der gedruckten LVZ das Handy-Symbol entdecken, stehen ab sofort mithilfe der Magicpaper App zusätzliche digitale Inhalte f... mehr

  • Digital Abo

    "LVZ Digital Abo" heißt das Online-Premiumangebot der Leipziger Volkszeitung, das Sie überall auf der Welt und rund um die Uhr nutzen kön... mehr

  • Touristik & Caravaning
    Themen, Tickets, Öffnungszeiten: Die wichtigsten Infos zur Messe Touristik & Caravaning (TC) 2017 im Special auf LVZ.de

    Urlaubsstimmung im Novembergrau: Alle Infos und News zur Reisemesse Touristik & Caravaning (TC) 2017 in unserem Special. mehr

  • Lachmesse Leipzig 2017

    Vom 15. bis 20. Oktober 2017 werden in Leipzig wieder massiv die Lachmuskeln gereizt. Über 180 Künstler kommen zur Lachmesse. mehr

  • Lichtfest Leipzig 2017

    Alljährlich am 9. Oktober erinnert das Lichtfest Leipzig auf dem Augustusplatz an die Ereignisse im Herbst 1989. Hier gibt es alle Infos. mehr

  • Schau! Das Leipziger Museumsportal
    Schau! Das Leipziger Museumsportal

    Alle Informationen zu den Museen in Leipzig, ihren Ausstellungen und Events auf einen Blick im Special der LVZ. mehr