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Empörung wegen Arzneimittel-Tests in DDR - Untersuchung verlangt

Empörung wegen Arzneimittel-Tests in DDR - Untersuchung verlangt

Das Ausmaß der Arzneimitteltests westdeutscher Pharmaunternehmen in DDR-Kliniken ist nach Informationen des Nachrichtenmagazins „Spiegel“ offenbar größer als bisher bekannt.

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Tests hinter verschlossenen Türen: Die West-Pharmaindustrie testete in der DDR ihre Medikamente, wie hier an der Berliner Charité.

Quelle: dpa

Berlin. In mehr als 50 Kliniken sollen über 600 Medikamentenstudien in Auftrag gegeben worden sein. Mehr als 50 000 Menschen sollen - teils unwissentlich - als Testpatienten gedient haben. Für einzelne Studien sollen viele hunderttausend D-Mark gezahlt worden sein.

Am Wochenende wurden Forderungen laut, die Bundesregierung und die Pharmabranche sollen die Aufklärung der Vorgänge vorantreiben. Wissenschaftler an der Berliner Charité wollen die Vorwürfe nun untersuchen. Berichte über Medikamententests in DDR-Krankenhäusern sind nicht neu. Die Stasi-Landesbeauftragten in Ostdeutschland hatten bereits Ende April eine umfassende Studie gefordert.

Im Jahr 1991 hatte eine Kommission „Arzneimittelprüfungen am Menschen“ in den Kliniken Ost-Berlins untersucht, wie das Bundesgesundheitsministerium mitteilte. Ende 2012 war in Medienberichten von rund 165 Medikamentenstudien die Rede.

Der „Spiegel“ schreibt nun, dass mehrere Testreihen wegen Todesfällen abgebrochen werden mussten und verweist auf Akten des DDR-Gesundheitsministeriums, der Stasi und des Instituts für Arzneimittelwesen der DDR.

Der Bericht löste am Wochenende Empörung aus.  „Die deutsch-deutschen Pharma-Tests zeigen, dass die Aufarbeitung der SED-Diktatur ein gesamtdeutsches Anliegen ist“, sagte der Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Roland Jahn. Die westdeutsche Pharmaindustrie habe sich die autoritären Bedingungen der SED-Diktatur zunutze gemacht. Eine Sprecherin der Jahn-Behörde sagte zudem, es gehe ausführliche Dokumente darüber, dass die Stasi die Beziehungen westdeutscher Pharmafirmen mit dem DDR-Gesundheitssektor sorgfältig im Blick gehabt habe, da es um Devisen gegangen sei.

Der Direktor der Stasiopfer-Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, Hubertus Knabe, sieht die Bundesregierung und die Pharmakonzerne in der Pflicht. „Wer Menschen, die sich nicht wehren können, als Versuchskaninchen missbraucht, handelt inhuman“, sagte Knabe. Sollten tatsächlich mehr  als 50 000 Menschen als Testpatienten gedient haben, sei das einer der größten Medizinskandale der Nachkriegsgeschichte. Die Organisation DDR-Opfer-Hilfe kritisierte, es sei „ein Skandal, dass ethische Grundsätze gegen Westgeld offenbar planmäßig über Bord geworfen wurden“.

Der Charité-Historiker Volker Hess will die Vorgänge untersuchen und warnte davor, vorauseilend zu skandalisieren. „Ich würde nie von Menschenversuchen sprechen, das ist eine andere Kategorie.“ Es handele sich um klinische Arzneimittelversuche, die nach gängigen Regeln durchgeführt wurden, sagte der Leiter des Instituts für Geschichte der Medizin der Charité, Hess. Eine der nun zu klärenden Fragen sei, ob und wie beide Seiten von den Tests ökonomisch profitiert hätten. Die Idee seines Forschungsprojekts sei es, alle Beteiligten - also auch die Pharmaunternehmen - einzubinden.  „Wir wollen prüfen, ob alles mit rechten Dingen zuging.“

dpa

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