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Entführtes Baby wieder bei Mutter in Potsdam

Nach Hannover verschleppt Entführtes Baby wieder bei Mutter in Potsdam

Das aus Potsdam entführte Baby ist wieder in zu Hause. Die Mutter des Kindes hatte ein Hilfsangebot einer 19-Jährigen angenommen, die mit dem Baby nach Hannover geflüchtet war.

Die in Brandenburg lebende Mutter zeigt ein Bild ihres Babys.

Quelle: Julian Stähle

Potsdam. Es ist schwer zu verstehen. „Wer macht denn sowas?“, fragt sich Grace T. immer wieder. Mehr als 24 Stunden lang war sie von ihrer vier Monate alten Tochter Lanie getrennt – was als freundliches Hilfsangebot einer Unbekannten begann, endete als Kindesentziehung. Ein Baby, verschleppt vom brandenburgischen Potsdam nach Hannover in Niedersachsen. Am Freitagabend konnte Grace T. ihr Kind wieder in die Arme schließen. „Ich bin so froh“, sagt die 35-Jährige.

Was war passiert? Der Säugling war am vorigen Donnerstag kurz vor 16 Uhr vor Grace T.s Wohnhaus im Potsdamer Stadtteil Zentrum Ost von einer 19-Jährigen mitgenommen worden. Grace T. war mit ihren drei Kindern auf dem Heimweg vom Einkaufen im nahen Supermarkt. Die junge Frau half ihr beim Tragen und schlug vor, mit der Tochter im Kinderwagen spazieren zu gehen, während die Mutter den Jungs Essen macht. „Sie war freundlich und wollte mir helfen. Ich war überrascht, denn es kommt nicht oft vor, dass mir jemand Unterstützung anbietet.“ Grace T. stammt aus Kenia, seit acht Jahren lebt sie in Potsdam.

Die 19-Jährige verschwand mit dem Baby

Das Hilfsangebot der 19-Jährigen nahm sie gerne an – und sieht das jetzt als großen Fehler an, der fast zu einer Tragödie geführt hätte. „Ich wollte ihre Handynummer, aber sie sagte, wir sehen uns ja gleich wieder.“ Nach etwa 20 Minuten hatte Grace T. ein unangenehmes Gefühl und wollte nach Tochter und Babysitterin sehen. „Sie waren beide verschwunden. Ich geriet in Panik.“ Gegen 17.30 Uhr informierte sie schließlich die Polizei. Und um 20.20 Uhr konnte die 19-Jährige mit dem Kind in einem Einkaufsmarkt in der Innenstadt von Hannover festgenommen werden – 250 Kilometer entfernt. „Das ist so ein Glück“, sagt Grace T., die noch zwei vier und sechs Jahre alte Jungen hat.

Mehr als 100 Beamte hatten in Brandenburg nach der Vermisstenmeldung weiträumig die Region abgesucht, Nachbarn sowie Anwohner befragt, ein nahes Einkaufszentrum am Potsdamer Hauptbahnhof durchstreift. „In Fällen von Kindesentzug müssen wir sehr schnell handeln, solange es noch mögliche Spuren gibt“, so Heiko Schmidt, Sprecher der Polizeidirektion Potsdam-West.

Polizei ortete die Frau über Handy

Der 19-Jährigen wird Kindesentzug zur Last gelegt und keine Kindesentführung, weil sie keine Forderungen zur Freilassung, etwa nach Lösegeld, gestellt hat. Zum Zeitpunkt der Suche hatte die Frau die Stadt mit dem Baby womöglich bereits verlassen. Der Polizei gelang es aber, das Handy der Gesuchten im Raum Hannover zu orten, nachdem diese sich noch einmal überraschend bei Grace T. gemeldet hatte.

Zur Beschuldigten machen die Behörden nur wenige Angaben, weil sie als Heranwachsende (bis 21 Jahre) noch unter das Jugendstrafrecht fällt. „Nach unseren Erkenntnissen ist sie ohne festen Wohnsitz und hat sich mal hier und mal dort aufgehalten“, so der Sprecher der Staatsanwaltschaft Potsdam, Christoph Lange. Laut LVZ-Informationen stammt sie aus Mecklenburg-Vorpommern. Sie soll länger in Berlin gelebt haben und gilt als psychisch auffällig.

Die Staatsanwaltschaft Hannover hatte die Ermittlungen an die Potsdamer Anklagebehörde übergeben. Die mutmaßliche Kindesentzieherin wurde nach Potsdam überstellt, wo gegen sie am Sonnabend Haftbefehl erlassen wurde. Inzwischen wird die junge Frau auf mögliche psychische Leiden untersucht. „Es wird nun geprüft, ob eine psychische Erkrankung vorliegt“, sagte gestern Staatsanwaltssprecher Lange.

Ähnliche Fälle von Kindesentzug gab es in der Vergangenheit immer wieder. So wurde eine Frau im Spätsommer 2015 in Bad Cannstatt (Baden-Württemberg) zu knapp drei Jahren Gefängnis verurteilt, weil sie ein Baby aus der Entbindungsstation eines Stuttgarter Krankenhauses entführt hatte.

Volker Krause

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