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Entlassungswelle bei Porzellan-Manufaktur Meissen - 180 Mitarbeiter müssen gehen

Entlassungswelle bei Porzellan-Manufaktur Meissen - 180 Mitarbeiter müssen gehen

Meißen. Von einem Wandel vom behüteten Staatsbetrieb zum wettbewerbsfähigen Wirtschaftsunternehmen spricht Geschäftsführer Christian Kurtzke.

Und dieser Wandel ist hart, vor allem für die Mitarbeiter. 180 von 784 Stellen werden in den kommenden Monaten gestrichen, die übrigen 604 Beschäftigten müssen für mindestens zwei Jahre auf ihr Urlaubs- und Weihnachtsgeld verzichten. Schon im August sollen die ersten betriebsbedingten Kündigungen ausgesprochen werden.

Die jahrelange Talfahrt beim Porzellan-Umsatz hat Kurtzke, der Ende 2008 als Sanierer nach Meißen kam, im Jubiläumsjahr 2010 immerhin schon gestoppt. Für das erste Halbjahr weist die Bilanz ein Plus von 15 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum aus. Doch das allein reicht nicht. Die Personalkosten seien viel zu hoch, sagte Kurtzke am Dienstag, nachdem er die Belegschaft über die Streichpläne informiert hatte. „Das nimmt einem die Luft zum Atmen. Würden wir nichts tun, würde dem Unternehmen das Geld ausgehen.“

Um den Weg aus der Krise zu finden, habe das Unternehmen daher erstmals in seiner Geschichte konkrete Umsatzziele formuliert und die dafür notwendige Beschäftigtenzahl berechnet, erklärte der Geschäftsführer. „Die ganz bittere Erkenntnis: Wir haben 250 Mitarbeiter zu viel an Bord.“ 180 davon müssen nun tatsächlich gehen, vor allem aus den zentralen Bereichen und der Verwaltung. Das künstlerische Personal soll mit einem blauen Auge davonkommen.

Wen es am Ende trifft, soll sich schon in den kommenden Tagen entscheiden. „Es ist wichtig, dass wir jetzt schnell Klarheit schaffen“, sagte der Vorsitzende des Betriebsrates, Peter Kohl. Trotz eines Sozialplans müssten voraussichtlich auch viele ältere Kollegen gehen, da das Unternehmen seinen ohnehin hohen Altersdurchschnitt von 47 Jahren sonst noch weiter in die Höhe treibe. Viele seien schon so lange dabei, dass ihre Kündigungsfrist inzwischen bei sieben Monaten liege. Die Belegschaft unterstütze den Sanierungskurs, sagte Kohl. „Aber es tut natürlich weh.“

Die Frage, an der nun alles hängt, formulierte Geschäftsführer Kurtzke am Dienstag gleich selbst: Markiert das positive erste Halbjahr 2010 die Trendwende oder ist es doch nur ein Einmaleffekt im 300. Jahr des Bestehens - wie früher schon einmal, als die Eröffnung des Besucherzentrums in der Manufaktur und der Rummel nach der Weihe der Dresdner Frauenkirche kurzzeitig für einen Aufschwung sorgten.

„Wir planen ein nachhaltiges Wachstum ein“, stellte Kurtzke deswegen klar. Für 2011 werde ein Porzellan-Umsatz von 35,5 Millionen Euro anvisiert - das sei in etwa das Niveau von 2003. 2009 waren es rund 31,5 Millionen Euro. Um das Ziel zu erreichen, hat Kurtzke das Unternehmen drastisch umgebaut. Die einzelnen Bereiche wie Architektur, Schmuck oder Kunsthandwerk sind künftig stärker voneinander abgegrenzt. Jeder für sich soll unternehmerisch geführt werden. Neu ist „Meissen Individuell“, eine Auftragsproduktion, die nichts anderes als exklusive Sonderwünsche bearbeitet.

Wenn alles so läuft wie geplant, könne die Manufaktur auf diesem Weg frühestens 2011 wieder schwarze Zahlen schreiben, sagte Kurtzke. „Aber das ist gar nicht so entscheidend“, betonte er. „Entscheidend ist, dass es jetzt stabil bleibt.“

Nico Esch, dpa

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