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Entsetzen nach Sprengsatz-Attacke auf Polizisten in Berlin

Entsetzen nach Sprengsatz-Attacke auf Polizisten in Berlin

Bei einer Großdemonstration in Berlin sind Polizisten mit einer Splitterbombe angegriffen worden. Der von Unbekannten aus einem Autonomen-Block geworfene Sprengsatz verletzte zwei Beamte schwer.

Berlin. Auch 13 weitere Polizisten erlitten am Samstag bei der Zündung während eines Protestmarsches gegen Sozialabbau Schnittwunden und Knalltraumata. Sie wurden aber nur ambulant behandelt.

Nach Angaben eines Polizeisprechers vom Sonntag handelte es sich offenbar um einen selbst gebauten Sprengsatz, der möglicherweise mit Nägeln oder Glasscherben gefüllt war. Seinen Worten zufolge wurden den beiden schwer verletzten Beamten verschiedene „Gegenstände“ herausoperiert. Der für politische Straftaten zuständige Staatsschutz-Abteilung der Polizei ermittelt wegen versuchten Totschlags.

 

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) berichtete, die herumfliegenden Splitter hätten sogar die Schutzkleidung der Einsatzkräfte durchschlagen. Bei zwei Polizisten gebe es mehrere Zentimeter breite Fleischwunden an den Beinen. Der GdP-Vorsitzende Konrad Freiberg sprach von einem „Mordversuch“.

Die Berliner Landesregierung zeigte sich entsetzt und verurteilte den Angriff. „Es kann und darf für Angriffe auf Polizeibeamte keinerlei politische Legitimation geben“, sagte der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD). Innensenator Ehrhart Körting (SPD) kritisierte, Teilen des autonomen Spektrums diene Politik nur noch als Vorwand, um Menschen zu verletzen. „Hier handelt es sich um eine neue Brutalität.“ Justizsenatorin Gisela von der Aue (SPD) sprach von einem „kriminellen Akt, der mit dem Grundrecht auf Demonstrationsfreiheit nichts mehr zu tun hat“.

Der Protestmarsch mit bis zu 20 000 Teilnehmern war zunächst weitgehend friedlich verlaufen - bis aus dem „antikapitalistischen Block“ heraus der Sprengsatz gezündet wurde. Auf einem Video, das im Internet kursiert, ist ein extrem lauter Knall zu hören und anschließend eine riesige Qualmwolke zu sehen.

Drei Demonstranten wurden unter dem Verdacht festgenommen, die Splitterbombe geworfen zu haben. Sie kamen in der Nacht zum Sonntag aber wieder auf freien Fuß.

Einem Bericht von „Spiegel online“ zufolge handelte es sich bei dem Sprengsatz vermutlich um einen umgebauten „Polenböller“, einen illegal aus Polen eingeführten Feuerwerkskörper. Ein Polizeisprecher wird mit den Worten zitiert: „Mit denen kann man locker eine Telefonzelle zerlegen.“ Die Pressestelle der Berliner Polizei konnte die Informationen allerdings nicht bestätigen.

Einer der beiden Schwerverletzten wird nach Polizeiangaben noch einige Tage in der Klinik bleiben müssen. Der andere kann das Krankenhaus voraussichtlich in Kürze wieder verlassen.

Straftaten aus dem linksextremen Spektrum sind in Berlin seit längerem an der Tagesordnung. So werden seit einigen Jahren regelmäßig Autos angezündet, meist handelt es sich um Luxuskarossen. Immer häufiger werden aber auch gezielt Polizisten attackiert. Im vergangenen Jahr wurden laut Senatsinnenverwaltung 3175 Polizisten verletzt - davon 397 bei Demonstrationen.

Axel Hofmann, dpa

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