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Entspannung und Bangen in Sachsens Hochwasserregionen

Entspannung und Bangen in Sachsens Hochwasserregionen

Dresden. Der Hochwasserscheitel der Neiße ist in Bad Muskau angekommen. Das teilte das sächsische Landeshochwasserzentrum am Montag in Dresden mit.

Gegen Mittag werde er voraussichtlich Brandenburg erreichen. Zum genauen Wasserstand in Bad Muskau, dessen Fürst-Pückler-Park zum Unesco-Welterbe gehört, gab es zunächst keine Angaben. Im Ort gibt es keinen Messpegel. Es werde erwartet, dass der Wasserstand der Neiße 4,50 Meter höher als üblich ist, sagte ein Sprecher des Katastrophenschutzstabes im Landkreis Görlitz. Zu den aktuellen Auswirkungen konnte er noch keine Angaben machen.

In den anderen vom Hochwasser betroffenen Regionen konnten die Menschen dagegen wieder vorsichtig aufatmen. Durch die Blitz-Flut im Dreiländereck Deutschland-Tschechien-Polen kamen am Wochenende mindestens neun Menschen ums Leben. 

Nach Angaben des Landeshochwasserzentrums gingen die Pegelstände in den schwer getroffenen sächsischen Städten wie Görlitz oder Zittau in der Nacht zum Montag weiter zurück. Dort konnten viele Menschen auch in ihre Häuser zurückkehren. 

Die Görlitzer Altstadtbrücke ist seit Montag allerdings wieder gesperrt. Sie verbindet normalerweise Görlitz und die polnische Schwesterstadt Zgorzelec. An beiden Zugängen der Brücke über die Neiße standen am Vormittag Polizeifahrzeuge. In den vergangenen Hochwassertagen war die Brücke zum Ärger von Bewohnern und Hilfskräften von Katastrophentouristen bevölkert worden. Normalerweise kann sie von Fußgängern und Radfahrern genutzt werden.

Schon am Sonntagabend hatte Bad Muskau stellenweise „Land unter“ gemeldet. Der Versuch, eine Bundesstraße mit Sandsäcken zu schützen, wurde abgebrochen.

Der ursprünglich schon für den Sonntagnachmittag erwartete Höchststand des Wassers ließ jedoch auf sich warten und stellte die Nerven der Anwohner und Helfer damit auf die Probe. Mehrfach wurden die Prognosen korrigiert. Dass die befürchtete Welle sich verzögert habe, sei nicht als Entwarnung zu sehen, stellte Gerlind Walter vom Katastrophenschutzstab klar. „Das Wasser ist ja immer noch da“, sagte sie.

Auf etwa 6,50 Meter könne die Neiße in der Stadt anschwellen. Normal sei etwa ein Meter. Man hoffe aber, den Marktplatz und das Schloss weitgehend schützen zu können. „Alles, was möglich war, wurde gemacht“, sagte sie. Nun könnten die Helfer nur noch abwarten. Der Pückler-Park werde wohl trotz allem überflutet werden. Auch Dammbrüche seien nicht auszuschließen. Aus den besonders tief liegenden Gegenden waren die Menschen schon am Abend in Sicherheit gebracht worden.   

Die Neiße war in der Nacht zum Sonntag nach einem Dammbruch in Polen rasend schnell angestiegen, der Pegel in Görlitz binnen drei Stunden um vier Meter geklettert. In der Sächsischen Schweiz waren kleinere Flüsse aus den Bergen über die Ufer getreten, es gab massive Überschwemmungen in einzelnen Orten. Der daraufhin ausgelöste Katastrophenalarm wurde inzwischen nach und nach wieder aufgehoben, bestand in einigen Regionen aber auch in der Nacht zum Montag noch.   

Die reißenden Fluten hinterließen erhebliche Zerstörungen, das Ausmaß der Schäden ist noch unbekannt. Teilweise fielen Strom und Wasser aus, der Schulunterricht in den betroffenen Gegenden wurde abgesagt. Bahnstrecken wurden unterbrochen, sollten teilweise am Montagmorgen aber wieder befahren werden.

 

In Polen war die 18 000-Einwohner-Stadt Bogatynia besonders schwer betroffen. Mehrere Häuser stürzten dort ein. Auch in Teilen von Zgorzelec, der Nachbarstadt von Görlitz, stand das Wasser zwischen den Häusern. In Tschechien mussten ebenfalls tausende Menschen am Wochenende in Notquartieren übernachten, nachdem mehrere Ortschaften überflutet worden waren.

Etliche wurden mit Hubschraubern von den Dächern ihrer Häuser gerettet und in Sicherheit gebracht - unter anderem von Luftrettern aus Deutschland. Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) kündigte für Montag einen Besuch in Bautzen an, wo er sich ein Bild von der Lage machen will.

Sachsens Regierungschef Stanislaw Tillich, Innenminister Markus Ulbig und Umweltminister Frank Kupfer (alle CDU) waren schon am Sonntag in die betroffenen Regionen gefahren, um sich persönlich zu informieren. Der Freistaat Sachsen und das Rote Kreuz richteten Spendenkonten ein.

Das Hochwasser hat Brandenburg am Montag langsamer als erwartet erreicht. Der Grund dafür sind offenbar größere Überschwemmungen in Sachsen, sagte Wolfgang Genehr, Leiter der Regionalabteilung Süd des Landesumweltamtes. Dies bremse die Flut zunächst. Am Montagabend oder frühen Dienstag dürfte dann aber die höchste Alarmstufe 4 gelten.

Das Wasser könne so hoch steigen wie seit Jahrzehnten nicht mehr, sagte Matthias Freude, Präsident des Landesumweltamtes im Inforadio des RBB. „Das haben wir lange nicht mehr an der Neiße gesehen.“ 1981 waren die Ufer überschwemmt worden. Allerdings sorgt der neue Spremberger Stausee laut Freude an der Spree für Entspannung.  

dpa

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