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Entstalinisierung an der Oder - vor 50 Jahren wurde Eisenhüttenstadt umbenannt

Entstalinisierung an der Oder - vor 50 Jahren wurde Eisenhüttenstadt umbenannt

Signalgelb und ziemlich ramponiert ist das Schmuckstück der Dauerausstellung: Das offizielle Stadtschild von „Stalinstadt“ wurde erst 2006 diskret im Städtischen Museum Eisenhüttenstadt (Oder-Spree) abgegeben.

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Jutta Zur Nieden vom Städtischen Museum in Eisenhüttenstadt (Oder-Spree) zeigt das ehemalige Ortseingangsschild von Stalinstadt dem heutigen Eisenhüttenstadt.

Quelle: dpa

Eisenhüttenstadt. „Das ist damals geklaut worden“, sagt Museumsleiter Hartmut Preuß. Bis zum 13. November 1961 hieß die Stadt südlich von Frankfurt (Oder) nach dem Diktator aus dem Kreml.

Am 14. November 1961 meldete das „Neue Deutschland“ dann auf der Titelseite: Dem Antrag auf die „Vereinigung der Städte Stalinstadt und Fürstenberg (Oder) zum Stadtkreis Eisenhüttenstadt“ sei zugestimmt worden. Damit war die Bezeichnung „Stalinstadt“ auf elegante Art und Weise Geschichte. Ein paar Plakate und ein alter Stadtplan zeugen im Museum noch davon - ansonsten gibt es kaum Relikte des alten Namens.

In der Stadt ist der 50-jährige Jahrestag laut deren Sprecherin kein Thema: Es gibt weder eine Gedenkstunde noch eine Sonderausstellung. Und die Räumlichkeiten des Städtischen Museum werden bis Dezember renoviert, sodass auch das Ortseingangsschild derzeit nicht besichtigt werden kann. Die ab 1950 aus dem Boden gestampfte Siedlung südlich von Frankfurt (Oder) war ein Prestigeobjekt des sozialistischen Aufbaus. Errichtet wurde sie als Wohnstadt des parallel entstehenden Stahlwerks - und als erste sozialistische Musterstadt. Sie bot nicht nur ein Theater, sondern auch Kinderkrippen und Wohnkomplexe mit Balkonen und Grünflächen.

1953 taufte SED-Chef Walter Ulbricht das Vorzeigeobjekt persönlich auf den Namen Stalin, gemeinsam mit dem gleichnamigen Eisenhüttenkombinat Ost (EKO). Drei Jahre später wurden die Verbrechen Stalins in der Sowjetunion erstmals benannt, erst auf dem 22. Parteitag im Herbst 1961 aber beschloss Moskau die Umbenennung zahlreicher Stalinstädte und -straßen. Die DDR zog nach: In der Nacht vom 13. zum 14. November 1961 sollten alle stalinistischen Erinnerungen demontiert werden. In Berlin-Friedrichshain bauten Soldaten das Stalindenkmal ab, der U-Bahnhof Stalinallee wurde zur Frankfurter Allee.

Und auch „Stalinstadt“ an der Oder war nicht mehr tragbar. Selbst private Post wurde anschließend akribisch „entstalinisiert“, wie eine private Sammlung im Besitz des ehemaligen Eisenhüttenstädters Ben Kaden zeigt: Säuberlich mit Lila überstempelt ist auf einer Postkarte mit einer Stadtansicht von 1960 die Ortsbezeichnung „Stalinstadt“. Daneben prangt dick der Schriftzug „Eisenhüttenstadt“. Die Karte sei 1962 nach Berlin verschickt worden, vermutet der Sammler.

An den Schulen scheint die Beschäftigung mit diesem Teil der Stadtgeschichte vom Zufall abzuhängen. Der Direktor der Heine-Oberschule sagt, seine Schüler seien mit ihren Berufspraktika schon ausgelastet. Zwölftklässler des Oberstufenzentrums Leibniz wiederum haben 2010 einen Stadtspaziergang in Buchform erstellt, der auch auf die Umbennenung verweist.

Antje Scherer, dpa

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