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Erinnerung an ermordete Ägypterin in Dresden

Erinnerung an ermordete Ägypterin in Dresden

Dresden. Ein Jahr nach dem Mord an der Ägypterin Marwa El- Sherbini hat Sachsen am Donnerstag mit einer bewegenden Feier an die fremdenfeindliche Tat erinnert.

Im Dresdner Landgericht, dem damaligen Tatort, wurde eine Gedenktafel für das Opfer enthüllt. „Die Tat hat uns alle schockiert und einen dunklen Schatten auf die Justiz und auf Deutschland geworfen", sagte Justizminister Jürgen Martens (FDP). Zur Feierstunde waren mehr als 200 Menschen gekommen, darunter Vertreter des Zentralrates der Muslime in Deutschland. Viele legten weiße Rosen nieder. Das Verbrechen habe Menschen in Dresden, in Deutschland und der ganzen Welt erschüttert, sagte Martens. „Durch den Mord an Marwa El- Sherbini verlor ein kleiner Junge seine Mutter, ein Ehemann seine schwangere Ehefrau - und wir alle verloren eine lebensfrohe, engagierte Mitbürgerin." Die Tat sei nicht nur ein Angriff auf eine wehrlose junge Frau gewesen, sondern auch gegen eine Frau muslimischen Glaubens. Der Mörder habe ihr das Recht abgesprochen, hier zu leben. „Diese Tat entsprang dem Hass auf alles Fremde wie auch auf Menschen anderen Glaubens.“ „Fremdenhass und Islamfeindlichkeit sind Haltungen, denen manche Menschen dennoch weiter anhängen und die von Rechtsextremisten - leider auch hier in Sachsen - weiter geschürt werden“, betonte der Minister. „Vor einem Jahr musste jeder erkennen, welch tödliche Logik Ausländerhass haben kann.

Auch die in Dresden lebenden Muslime setzten ein Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit und für Toleranz und Weltoffenheit: In Dresden sei ein Verein dabei, ein Kultur- und Bildungszentrum mit dem Namen Marwa El-Sherbini zu bauen. „Über die Trauer hinaus nehmen wir von hier auch einen Auftrag mit: Den Auftrag, überall und jederzeit einzutreten gegen Fremdenhass und für Toleranz. Das schulden wir als Bürger der Demokratie und dem Rechtsstaat, das schulden wir als Deutsche allen ausländischen Mitbürgern und das schulden wir als Menschen Marwa El-Sherbini“, schloss der Minister seine Ansprache. Die Gedenktafel im Foyer des Gerichtes würdigt El-Sherbini auf Deutsch und Arabisch. „Wir verneigen uns vor dem Opfer dieser schrecklichen und unfassbaren Tat und trauern mit ihrer Familie“, heißt es unter anderem.   Ayyub Axel Köhler, Präsident des Zentralrates der Muslime, fand am Rande der Veranstaltung auch kritische Töne. Die Muslime vermissten in der Bundespolitik und der Politik einzelner Bundesländer noch immer das Bewusstsein gegen Islamfeindlichkeit. Es sei zu beklagen, dass dies bis jetzt noch nicht auf der politischen Agenda stehe. „Islamfeindlichkeit schadet unserem Lande im Ausland außerordentlich“, sagte Köhler. Am späten Nachmittag trafen sich rund 150 Menschen vor dem Dresdner Rathaus zu einer Kundgebung. Neben Dresdens Oberbürgermeisterin Helma Orosz (CDU) sprach unter anderem auch Justizminister Martens zu den Anwesenden, die anschließend zum Landgericht zogen. Die 31-jährige El-Sherbini hatte am 1. Juli bei einer Berufungsverhandlung als Zeugin ausgesagt. Danach war die Schwangere noch im Gerichtssaal von dem Angeklagten mit zahlreichen Messerstichen getötet worden. Ihr Mann wurde lebensgefährlich verletzt und mit einer Notoperation gerettet. Die Tat löste Proteste in der islamischen Welt aus. Der Täter, ein Russlanddeutscher, wurde im November 2009 zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt.  

dpa

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