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„Erschießt sie“: Wirbel um Äußerung von Pegida-Frontfrau in britischer Zeitung

Rechtspopulisten „Erschießt sie“: Wirbel um Äußerung von Pegida-Frontfrau in britischer Zeitung

Pegida-Frontfrau Tatjana Festerling hat der britischen Zeitung Daily Mail ein Interview gegeben und soll darin unter anderem erklärt haben, dass illegale Einwanderer zu erschießen seien, falls sie nicht verhaftet werden können.

Tatjana Festerling bei einer Pegida-Veranstaltung im Frühjahr 2015.
 

Quelle: dpa-Zentralbild

Leipzig.  Laut britischer Medienberichte plädiert Pegida-Frontfrau Tatjana Festerling dafür, Flüchtlinge beim illegalen Grenzübertritt unter Umständen auch erschießen zu lassen. In einem Interview mit der Daily Mail soll die Rechtspopulistin wortwörtlich gesagt haben: „If they keep crossing the border and you can’t arrest them, shoot them.” (“Wenn sie weiter die Grenze überqueren und man sie nicht verhaften kann, erschießt sie“).

Zudem empfindet Festerling laut Daily Mail die aktuelle Situation als Rebellion gegen einen „Nippel-Sozialismus“, der Frauen und Muslime unterstützte und dadurch zu einem Krieg der weißen Männer führen würde. Deutschland sei eine Freiluft-Psychiatrie mit der psychischen Erkrankung „Politische Korrektheit“. Nicht zuletzt zollt Festerling im Gespräch mit dem britischen Medium auch erneut den Fußball-Hooligans ihren Respekt, die Pegida-Aufmärsche gegen brutale Linke beschützen würden.

Zum kompletten Text in der Daily Mail: www.dailymail.co.uk

Festerling reagiert – Homann fordert VS-Beobachtung

Nach Berichten am Mittwoch auch in Deutschland über die Äußerungen, erklärte die 51-Jährige via Facebook, sie sei falsch zitiert und das Gesagte aus dem Zusammenhang gerissen worden. Sie habe gegenüber dem britischen Journalisten lediglich erklärt, der Schusswaffengebrauch sei als letztes Mittel einzusetzen.

Unklar blieb zunächst, ob die Aussagen Ermittlungen nach sich ziehen. Die Staatsanwaltschaft Dresden kündigte einen Prüfvorgang an. Bei ihr wurden in diesem Jahr in anderen Fällen bereits drei Anzeigen gegen Festerling eingereicht - wegen Volksverhetzung, öffentlicher Aufforderung zu Straftaten und übler Nachrede. Drei weitere Anzeigen stammen aus dem Vorjahr, teilte die Behörde mit. In drei Fällen werde ermittelt. Bei der Staatsanwaltschaft Leipzig liegen vier Anzeigen gegen Festerling vor.

Für SPD-Landespolitiker Henning Homann ist trotz der Relativierung Festerlings die Grenze des Ertragbaren erreicht. „Der Aufruf von Frau Festerling, an der Grenze auf Flüchtlinge zu schießen, ist menschenfeindlich und mit deutschem Recht nicht vereinbar. Ihre verfassungsfeindlichen Entgleisungen müssen Konsequenzen nach sich ziehen“, erklärte der Sozialdemokrat am Mittwoch. Angesichts des Gewaltaufrufs der Pegida-Frontfrau sollte auch der Verfassungsschutz (VS) seine Strategie ändern. „Pegida gehört endlich unter Beobachtung“, so Homann. Zudem kritisierte der SPD-Politiker auch die erneute Solidarisierung der Rechtspopulisten mit der Hooligans-Szene. „Spätestens nach diesen Aussagen ist klar: Wer auch nur einen Funken Anstand hat, kann nicht an Pegida-Demonstrationen teilnehmen“, sagte Homann.

Linken-Politiker Rico Gebhardt hofft, dass die Dresdner Staatsanwaltschaft „ihre Ermittlungstätigkeit zu Tatjana Festerling und anderen Pegida-Hetzern intensiviert und es zügig zu Anklagen kommt.“ Seine Partei habe von Beginn an auf die rassistischen und fremdenfeindlichen Äußerungen der Pegida-Redner hingewiesen, „und es muss seit Monaten allen klar sein, wem sie da hinterherlaufen“, so das Landtagsmitglied am Mittwoch.

In den vergangenen Tagen hatten auch andere britische Medien über Pegida berichtet. Am Dienstag veröffentlichte beispielsweise der Londoner Guardian einen Videobeitrag über den Chef des britischen Pegida-Ablegers Tommy Robinson. Der 32-Jährige soll bis 2013 Führer der Englisch Defense League (EDL) gewesen sein – einer Vereinigung von rechtsradikalen Fußball-Hooligans in Großbritannien. Robinson war im Herbst 2015 auch Redner bei einer Pegida-Veranstaltung in Dresden.

Äußerungen zum Schusswaffengebrauch gegen Flüchtlinge hatten zuletzt Anfang Februar hohe Wellen geschlagen. AfD-Chefin Frauke Petry sagte in einem Zeitungsinterview, Polizisten müssten illegale Grenzübertritte von Flüchtlingen notfalls auch mit der Schusswaffe verhindern. Damit löste sie bereits große Empörung aus. Später relativierte Petry ihre Äußerung. Auch die stellvertretende AfD-Chefin Beatrix von Storch bezeichnete umstrittene Äußerungen zum Einsatz von Schusswaffen gegen Flüchtlinge an der Grenze später als Fehler.

Von mpu (mit dpa)

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