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Erste Fachliteratur-Engpässe an sächsischen Uni-Bibliotheken

Erste Fachliteratur-Engpässe an sächsischen Uni-Bibliotheken

Die Universitätsbibliotheken in Sachsen fürchten um die Pflege ihrer Lehrbuchsammlungen. Die Etats für den Erwerb von Fachliteratur sinken seit einigen Jahren, mancherorts beschweren sich Professoren und Studierenden über Lücken.

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Gestiftete Liegestühle vor der SLUB Dresden

Quelle: Ulrich van Stipriaan

Dresden. Die Zuschüsse für die Universitäten werden bei der geplanten Sparrunde zwar nicht gekürzt. „Aber sie bekommen auch nicht mehr Geld“, sagte ein Sprecher des Wissenschaftsministeriums der Nachrichtenagentur dpa. Während die großen Uni-Bibliotheken schon die Auswirkungen spüren, blicken die kleineren Einrichtungen besorgt in die Zukunft.   

Die Universitätsbibliothek Leipzig, mit mehr als 5,5 Millionen Bänden die größte, kämpft schon vereinzelt mit dem Mangel. „Es klemmt stark“, sagte Direktor Ulrich Johannes Schneider. Betroffen sei vor allem die Forschung, im Bereich der Lehre könne das noch kompensiert werden. Erste Beschwerden über die Ausstattung gebe es bereits, in einigen Fächern, Fakultäten und Instituten herrsche Erwerbungsstopp. „Der Etat für 2010 ist schon zur Halbzeit leer.“ Er sei von 4,9 Millionen Euro 2007 auf 3,8 Millionen Euro 2010 gesunken. „Wenn das so weitergeht, können wir demnächst zumachen.“   

Vor allem die regelmäßig bezogenen Zeitschriften verringerten Ankäufe von Monografien, wenn das Geld knapp werde. „Es ist traurig, wenn eine Stiftung Forschung und Lehre verbessern helfen will, man andererseits aber der Grundausstattung hinterherlaufen muss.“ So könne wichtige auswärtige Literatur zusätzlich erworben werden, bei den Grundlagen aber gerate man in Bedrängnis. „Bei Bibliotheken gibt es nicht mehr viel zu kürzen ohne Auswirkungen auf Lehre und Forschung, wir haben keinen Gestaltungsspielraum mehr.“   

So drastisch ist es in Dresden noch nicht. „Wir sind nicht völlig unterfinanziert“, sagte der stellvertretende Generaldirektor Michael Golsch. Wartezeiten für Nutzer seien die Ausnahme. Für Erwerbungen würden Mittel im Haushalt umgeschichtet, das Geld für Lehrbücher aber weniger - 300.000 Euro 2010 statt einer halben Million Euro noch 2008. Mit zehn Euro pro Student liege man bundesweit jedoch im oberen Mittelfeld. Bisher wurde gezielt in die Lehrbuchsammlung investiert, da sie ein Standortfaktor sei.  

„Wir können noch immer überholte Literatur, neue oder erweiterte Auflagen und zerlesene Bücher ersetzen“, sagte Golsch. Die Preise aber stiegen deutlich. „Ein Buch für die Geisteswissenschaften kostet im Schnitt 20 bis 25 Euro, bei Medizin und Naturwissenschaften 60 bis 65 Euro“, erklärte Golsch. Noch seien die Regale zu Semesterbeginn nicht leer. „Man kann man aber auch erwarten, dass sich Studenten manchmal Grundlagenwerke selbst besorgen.“   

Mit eher weniger Kapital wird auch an der Bibliothek der TU Chemnitz gerechnet. „Eigentlich ist Geld da, es gibt nur punktuell Engpässe, und wir sind bemüht, Lücken zu schließen“, sagte TU- Sprecher Mario Steinebach. Noch kein Mangel herrscht an der TU Bergakademie Freiberg. „Das, was wir dringend benötigen, können wir kaufen“, versicherte Bibliotheksdirektorin Katrin Stump. „Wir müssen abwarten, wie es aussieht mit dem Rückgang der Sondermittel.“ Innerhalb des Landes werde aber versucht, durch Abbau von Mehrfachexemplaren bei Zeitschriften Ressourcen zu schaffen. Es gebe auch eine Kooperation im Erwerbungssektor zwischen Universitäts- und Hochschulbibliotheken im elektronischen Bereich.   

Aus dem 1,6-Millionen-Euro-Jahresetat für Fachliteratur werde in den Bereichen neueste Literatur gekauft, die für Wissenschaft und Lehre an der spezialisierten Uni wichtig seien. Literatur in aller Breite zur Verfügung zu stellen, hält Stump für unnötig. „Wir müssen uns klar am Bedarf ausrichten und mögliche Einschnitte abwarten“, sagte sie. „Eine Unibibliothek kann nicht die gesamte Literatur vorhalten“, sagte auch der Dresdner Vize-Direktor Golsch. Jedes Exemplar der Lehrbuchsammlung könne auch im Lesesaal gelesen werden. „Dass für jeden jedes Buch da ist, ist unmöglich.“

Simona Block, dpa

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