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Erste Grasmahd gefährlich für Wildtierjunge

Schutz für Kitz und Co Erste Grasmahd gefährlich für Wildtierjunge

Das Wetter stimmt, die erste Grasmahd ist im Gang. Dabei kommen oft Tiere zu Schaden, die sich im Grünen am Boden verstecken. Landwirte und Jäger suchen gemeinsame Wege, sie zu schützen.

Der Jagdaufseher verteilt auf einer Heuwiese in Klein Wanzleben (Sachsen-Anhalt) Menschenhaare. Durch die Haare kann eine Ricke misstrauisch werden und bringt ihr im hohen Gras verstecktes Kitz in der Nacht in Sicherheit.

Quelle: dpa

Meyendorf . Drei Männer mit Hunden durchkämmen in der Abenddämmerung die Wiesen neben dem Milchviehbetrieb in Meyendorf in der Börde. Hechelnd ziehen die Hunde an der Leine, verharren schnüffelnd an der einen oder anderen Stelle. Die beiden Männer sind Jäger Bastian Dänicke und Landwirt Martin Vurggink. Immer wieder greifen sie in die Eimer, die sie in der Hand haben, und werfen Haarbüschel ins Gras - eine Methode, Tiere zu warnen.

Dank der feuchten, warmen Witterung ist das Gras jetzt ordentlich gewachsen. Die erste Grünlandmahd kann beginnen. Der Bauernverband Börde mahnt die Landwirte aus diesem Anlass zur Vorsicht, denn viele Wildtiere haben in den vergangenen Tagen und Wochen Nachwuchs bekommen. Rehkitze, junge Feldhasen und auch die Jungvögel der Wiesenbrüter verstecken sich im hohen Gras.

Mahd 24 Stunden vorher absprechen

«Die Wildtiere gehen davon aus, dass ihr Nachwuchs im dichten Bewuchs sicher ist», sagt der Geschäftsführer des Bauernverbandes Börde, Wolfgang Köhler. «Allerdings schützt das Ducken und Tarnen zwar vor dem Fuchs, nicht aber vor dem Kreiselmäher.» Deshalb rät Köhler, mindestens 24 Stunden vor der Mahd mit dem Jagdpächter zu sprechen oder selbst aktiv zu werden, damit keine Jungtiere zu Schaden kommen.

So sollten Felder grundsätzlich von innen nach außen gemäht werden, damit Hasen oder Fasane die Chance haben zu fliehen, eine der Maßnahmen, die auch der Naturschutzbund (Nabu) Sachsen-Anhalt empfiehlt. Die Begrenzung der Schnitthöhe auf etwa 20 Zentimeter soll Rehkitze verschonen, die sich instinktiv flach an den Boden ducken und nicht weglaufen. Köhler rät außerdem zu Vergrämung - das Verscheuchen - mit Knistertüten, Flatterbändern oder Radios. Der Beginn der Mahd sei ein besonders sensibler Zeitpunkt, betont Nabu-Geschäftsführerin Annette Leipelt.

An mehreren Standorten in Deutschland werden auch Versuche mit Drohnen und Infrarotkameras unternommen, die Jungtiere in ihrem Grasversteck aufspüren sollen. Diese Maßnahme ist allerdings relativ teuer. «Schon eine der genannten Maßnahmen pro Hektar hilft, dass wenige Jungtiere verletzt oder getötet werden», versichert Köhler. Das hätten Experten herausgefunden.

Landwirte und Jägerschaft arbeiten zusammen

Vielerorts arbeiten die Landwirte mit Jägern zusammen. So auch in Burgstall in der Colbitz-Letzlinger Heide. «Wir haben ein sehr gutes Verhältnis zur Jägerschaft», sagt die Geschäftsführerin der Agricola GmbH, Barbara Lücke. Wenn der Grünschnitt ansteht, wird Kontakt zu den Jägern aufgenommen. Bevor der Kreiselmäher sein Werk beginnt, suchen Jäger die Wiesen mit Jagdhunden nach Wildtieren ab.

Dazu gehört auch Jagdaufseher Dänicke aus dem Bördekreis, der seit zehn Jahren Kitze rettet. «Wir durchkämmen mit mehreren Leuten die Wiesen vor der Mahd und verteilen Haare vom Friseur und Hundehaare. Dann merkt die Ricke, dass etwas nicht stimmt, und bringt ihr Kitz in der Nacht in Sicherheit.» Das eine oder andere Kitz habe er beim Durchkämmen des Grünlands auch gefunden und mit Handschuhen und in einem Grasbett in Sicherheit gebracht. Eine hundertprozentige Garantie gebe es zwar nicht, aber in den zurückliegenden Jahren seien keine Kitze vom Kreiselmäher zerstückelt worden, so Dänicke.

Rehmutter bringt Junges in Sicherheit

Auch Landwirt Vurggink liegt die Kitzsuche am Herzen. «Natürlich will ich verhindern, dass wir Kitze anmähen, weil es uns für die Tiere leid tut», sagte er. «Aber ein totes Kitz im Heu kann auch für meine Milchkühe gefährlich werden und meine ganze Herde umbringen.» Das Botulin, das während der Verwesung des Kadavers entsteht, ist hochgiftig. Geraten tote Tiere unbemerkt in die Heuballen, sind sie für die Rinder lebensgefährlich.

Gemeinsam mit Jagdaufseher Dänicke durchkämmt er darum vor dem ersten Grünschnitt die Wiese und verteilt die Haare - Dänicke hatte die Idee mit den Haaren vor ein paar Jahren und besorgte sie sich vom Friseur. «Spätestens in der Nacht bringt die Rehmutter ihr Junges in Sicherheit.»

Aus etwa 200 Meter Entfernung beobachtet ein Reh misstrauisch das Geschehen auf der Weide. Es könnte eine Ricke sein, die ihr Kitz hier im Gras versteckt hat. Dänicke und Vurggink finden es nicht. Aber sie sind sich ziemlich sicher, dass es am nächsten Morgen, wenn die Wiese gemäht wird, nicht mehr da sein wird.

LVZ

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