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Erster Test auf der neuen ICE-Trasse Leipzig-Erfurt

Brücke, Tunnel, Brücke Erster Test auf der neuen ICE-Trasse Leipzig-Erfurt

Ab dem 13. Dezember zum Fahrplanwechsel rollt der ICE-Verkehr über die ICE-Neubaustrecke Erfurt-Leipzig/Halle. Die LVZ war bei einer Probefahrt mit dabei.

Die Bahn schult im Probebetrieb derzeit ihre Lokführer auf der ICE-Neubaustrecke Erfurt-Leipzig/Halle.
 

Quelle: dpa

Leipzig.  „Hier geht’s künftig viel schneller nach Erfurt, Frankfurt und München.“ Die riesige graue Tafel auf dem Leipziger Hauptbahnhof soll Appetit machen auf die Neubaustrecke nach Erfurt. Auf einem Bildschirm lässt sich die simulierte Fahrt der Züge aus der Vogelperspektive verfolgen. Ab dem 13. Dezember zum Fahrplanwechsel rollt der ICE-Verkehr dann tatsächlich über die Neubaustrecke – in Fachkreisen nur Verkehrsprojekt 8.2 genannt. Für uns steht vorab an diesem Donnerstag ein ICE T auf Gleis 15 zur Abfahrt bereit.

Bitte einsteigen, signalisiert Lokführer Heiko Föhring. 8.08 Uhr setzt er den Zug in Bewegung. Auf der noch unfertigen Strecke bis zum Messe-Bahnhof gleicht das Ganze einer Schleichfahrt. Der Zug passiert ohne Halt den Flughafen-Bahnhof und kommt erst hinter Gröbers – hier beginnt die Neubaustrecke – mächtig in Fahrt. Nichts ruckelt, die Landschaft fliegt am Fenster vorbei. Doch nur kurz. Der ICE hält abrupt auf freier Strecke. Lokführer Föhring steuert einen der Messzüge, die seit Wochen auf der Strecke unterwegs sind. Das System müsse heruntergefahren und neu gestartet werden, erklärt er. Klar, dass die im künftigen Fahrplan versprochene Reisezeit zwischen Leipzig und Erfurt von 45 Minuten (30 Minuten schneller als bislang) so nicht zu schaffen ist.

Neues Zugbeeinflussungssystem

Schon das sechste Mal ist Föhring auf der neuen Strecke unterwegs. „Alles super, vieles anders“, fasst er kurz zusammen. Mit anders meint er vor allem das neue europäische Zugbeeinflussungssystem ETCS, das hier erstmals zum Einsatz kommt. Keine roten und grünen Signale mehr entlang der Strecke. Den Job übernehmen kleine unscheinbare Kästen im Gleisbett. Sie kommunizieren mit dem Zug und der Leitzentrale in Leipzig. Fährt der Zug zu schnell, kommt per Funk ein Signal; reagiert der Lokführer nicht, bremst der Zug automatisch ab. Seit Wochen machen sich Lokführer mit dem neuen System vertraut, insgesamt sollen 300 geschult werden.

Die Fahrt geht weiter. Über die Elster-Saale-Talbrücke. Mit insgesamt 8,6 Kilometern ist sie die längste Bahn-Brücke Deutschlands. Das gewaltige Bauwerk führt durch eine fantastische Auelandschaft, ein Paradies für Vögel. Der Reisende sieht davon wenig. Zumeist säumen Lärmschutzwände die Brücke. Bei Bad Lauchstädt verläuft die Trasse in einem bis zu zwölf Meter tiefen Geländeeinschnitt. Extra gegraben, um die künftige Kurklinik der Stadt vor dem Lärm zu schützen. Reelle Pläne für den Bau einer solchen Klinik gibt es nicht, wie ein Bahnsprecher sagt. Kann aber noch werden. Ruhe ist dann gegeben.

Die Lichter im Zug gehen an. Wir passieren den Osterbergtunnel. Gleich danach die 2,7 Kilometer lange Brücke über das Unstruttal mit freier Sicht bis weit nach Nebra. Der Blick in die andere Richtung ist durch eine Wand versperrt. Gleich hinter der Brücke schließen sich der Bibratunnel (6,5 Kilometer lang) und der Finnetaltunnel (sieben Kilometer) an. Auf der restlichem Fahrt bis Erfurt wird der Reisende mit einem herrlichen Ausblick belohnt.

Olaf Drescher genießt diesen Blick. Der gebürtige Dresdner plante und realisierte schon die Hochgeschwindigkeitsstrecke Berlin–Hamburg, blieb im Zeitfenster von viereinhalb Jahren und gewann so eine persönlichen Wette gegen den Senat der Elbestadt. Auch jetzt mache er einen guten Job, sagt Bahnsprecher Frank Kniestedt. Dass die Trasse nicht wie ursprünglich geplant schon 2006 fertig wurde, lag unter anderem an den von der Politik verhängten Baustopps. Die Gesamtkosten sind dennoch nicht explodiert. „4,5 Milliarden D-Mark wurden für den Bauabschnitt zwischen Leipzig/Halle und Erfurt veranschlagt. Tatsächlich haben wir 2,8 Milliarden Euro verbaut“, sagt Drescher mehr als zufrieden. Keine Schwierigkeiten beim Bau der Tunnel und Brücken, kaum juristische Klagen der Bauunternehmen, was bei solchen Großprojekten sonst üblich ist, sind einige der Gründe dafür.

Nachbesserungen auf Brücken

Probleme habe es dennoch gegeben. Das schwere Unglück etwa in der Saale-Elsteraue, als ein Baugerüst umstürzte. Oder als Quecksilber beim Setzen von Brückenpfeilen sprichwörtlich aus einem der Teiche nahe der ehemaligen Buna-Werke auftauchte und von Spezialkräften mitten im Sommer unter Vollschutz entsorgt werden musste.

Und dann natürlich die Nachbesserungen an der festen Fahrbahn auf den Brücken. Weil das Eisenbahnbundesamt (EBA) die Genehmigung verweigerte, erbringt jetzt die Bahn selbst den Nachweis, dass alles sicher ist. Die Auflagen seien alle erfüllt, die Nachweise erbracht, meint Drescher. Spätestens am 8. Dezember erwarte er die Inbetriebnahmegenehmigung durch das EBA.

9.30 Uhr. Der ICE passiert den Erfurter Hauptbahnhof. Ab dem 13. Dezember sollte der Zug nur noch die Hälfte der Zeit unterwegs sein. „Das wird er“, sagt Drescher. „Ganz sicher.“

Von Andreas Dunte

Leipzig 51.339695 12.373075
Leipzig
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