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Evonik hofft auf Milliardengeschäft mit Großbatterien

Evonik hofft auf Milliardengeschäft mit Großbatterien

Der Industriekonzern Evonik will mit Lithium- Ionen-Großbatterien erstmals marktfähige Stromspeicher für Wind- und Sonnenenergie anbieten. Dabei setzen die Essener auch auf sächsisches Know How.

Essen/Kamenz. Die Zellen für die Großbatterien sollen bei Li-Tec in Kamenz produziert werden, wo hunderte neue Arbeitsplätze entstehen könnten. Eine erste Versuchsanlage werde in diesem Jahr mit Förderung des Bundes in der Nähe des saarländischen Evonik-Kohlekraftwerkes Völklingen aufgebaut, erfuhr die deutsche Presse-Agentur (dpa) am Sonntag aus Konzernkreisen. Das Unternehmen hofft auf einen Milliardenmarkt.

Der Ein-Megawatt-Block soll nur etwa so groß sein wie ein Überseecontainer. Er eignet sich damit für die dezentrale Montage direkt neben Wind- und Sonnenenergieanlagen. Bisher fehlen für die oft an abgelegenen Stellen installierten Wind- und Sonnenkraftwerke genügend leistungsfähige Leitungen zur Einspeisung ins Stromnetz. Dezentrale Großspeicher für die erneuerbaren Energien gibt es bisher nicht. Dies gilt als eines der Haupthindernisse für den von der Bundesregierung geplanten Ausbau erneuerbarer Energien auf 50 Prozent des Gesamtbedarfs bis zu Jahr 2050. Hauptmotiv dafür ist der Klimaschutz.

Nach Tests soll die Kapazität der Anlagen in wenigen Jahren auf je etwa 10 Megawatt wachsen. Jede Anlage könnte so mehrere tausend Haushalte mit Strom versorgen. „Damit machen wir erstmals Strom aus Wind und Sonne im großen Stil speicherbar“, hieß es aus Konzernkreisen. Speicher für Wind- und Sonnenkraftwerke würden das Stromnetz auch insgesamt stabilisieren. Derzeit schwanken die Stromeinspeisungen der Wind- und Sonnen-Kraftwerke noch stark, je nachdem wie stark der Wind weht und ob es Tag oder Nacht ist. Das führt manchmal zu Überkapazitäten und technischen Schwierigkeiten.

An dem Gemeinschaftsunternehmen Li-Tec ist Evonik mit 50,1 und Daimler mit 49,9 Prozent beteiligt. Li-Tec produziert in Kamenz bereits Lithium-Ionen-Batterien für Autos, die vom Jahr 2012 an serienmäßig in einen Elektro-Smart verbaut werden sollen. Das dabei gewonnene Know How will Evonik jetzt systematisch auch für Großbatterien nutzen. Langfristig schätzen Experten das Marktvolumen für Stromspeicher auf 10 Milliarden Euro. In Kamenz könnte sich die Beschäftigtenzahl nach den Planungen bis zur Mitte des Jahrzehnts von derzeit gut 200 auf bis zu 1000 erhöhen.

Herzstück der Evonik-Batterie ist eine Nano-Keramik-Membran zum Schutz gegen Brand und Überhitzung, die 2007 für den Deutschen Zukunftspreis nominiert worden war und auch für die Autobatterien verbaut wird. Beim Haltbarkeitsproblem sei Evonik auf einem sehr guten Weg. Die Lebenszeit der Batterieblöcke werde voraussichtlich deutlich mehr als zehn Jahre betragen, hieß es. Genaueres müsse der Testbetrieb zeigen. Ziel sei eine Lebensdauer von mindestens 15 bis 20 Jahren. Evonik wird bei der Entwicklung von der Universität Münster und dem Aachener Spezialunternehmen für Batteriesteuerungen Digatron Industrie-Elektronik GmbH unterstützt.

Mit der Entwicklung von Großbatterien steht Evonik nicht allein. Wichtigster Konkurrent ist der französische Batterie- und Rüstungshersteller SAFT, der ebenfalls einen Großspeicher mit Lithium-Ionen-Technik testet. „Aber wir wollen bei diesem Milliardenmarkt vorne mitspielen“, hieß es aus dem Evonik-Konzern. Evonik ist 2007 aus den Industrietöchtern des ehemaligen RAG-Konzerns entstanden und erwirtschaftete 2008 mit rund 41 000 Mitarbeitern in den Sparten Chemie, Energie und Immobilien rund 15,9 Milliarden Euro Umsatz.

Rolf Schraa, dpa

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