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Exil-Russen wählen in Leipzig und Dresden ihren Präsidenten - Zuspruch ist gewaltig

Exil-Russen wählen in Leipzig und Dresden ihren Präsidenten - Zuspruch ist gewaltig

Leipzig/Dresden. In Russland sind an diesem Sonntag rund 110 Millionen Menschen in neun Zeitzonen zur Wahl eines neuen Staatsoberhaupts aufgerufen.

Fünf Kandidaten bewerben sich um den Chefsessel im Kreml. Aussichtsreichster Kandidat ist Wladimir Putin, der bereits zweimal Prsäisdent im größten Land der Erde ist. Eine Verfassungsänderung ermöglicht ihm eine erneute Kandidatur.

Nicht nur die Menschen in Russland stimmen ab. Auch ihre Landsleute im Ausland sind zur Wahl aufgerufen. In Leipzig ist dies am Sonntag im Russischen Konsulat in der Gohliser Turmgutstraße von 8 bis 20 Uhr möglich.

Larissa Brukvina ist eine von rund 2300 russischen Staatsbürgern in Leipzig. „Es ist mir nicht gleichgültig was in Russland passiert, deshalb gehe ich wählen“, sagt die Lehrerin aus Sibirien.

Erzpriester Alexey Tomjuk fährt am Sonntag ganz als Privatmann nach Gohlis zur Stimmabgabe. Auf die Trennung von Politik und Kirche legt der in Leipzig tätige Geistliche großen Wert. Einen Favoriten hat Tomjuk wie auch die meisten anderen Russen in der Messestadt ausgemacht. „Ich glaube von seiner Natur her kann es Putin besser als die anderen Kandidaten“, glaubt der in der Russischen Kirche an der Philipp-Rosenthal-Strasse tätige Erzpriester.

Während in Leipzig nur am Sonntag über den neuen Präsidenten abgestimmt wird, hat Dresden in den vergangenen Tagen schon einen regelrechten Ansturm verzeichnet.

Bereits vor Öffnung des Wahllokals im Deutsch-Russischen Kulturinstitut (DRKI) in der Zittauer Straße um 8 Uhr hatten in der Landeshauptstadt am Donnerstag sich lange Schlangen gebildet. Der Zuspruch für die zusätzlichen Wahlstandorte ist enorm. Bis zum Mittag gaben bereits rund 400 Menschen in Dresden ihre Stimme ab.

Wählen sei sie früher nie gegangen, sagt Elena Schabanowa. Die 25-Jährige stammt aus dem sibirischen Kemerowo und studiert seit eineinhalb Jahren an der TU Dresden. „Früher habe ich mich nie für Politik interessiert, heute ist das anders", so die junge Russin. Für wen sie stimmen wird, verrät die Erstwählerin nicht, den Grund für ihren Entschluss, wählen zu gehen, hingegen schon: „Ich möchte mehr Demokratie für mein Land, mehr Freiheit."

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Leipzig/Dresden. In Russland sind an diesem Sonntag rund 110 Millionen Menschen in neun Zeitzonen zur Wahl eines neuen Staatsoberhaupts aufgerufen. Fünf Kandidaten bewerben sich um den Chefsessel im Kreml. In Dresden ist die Stimmabgabe schon seit Donnerstag möglich, in Leipzig öffnet das Konsulat am Sonntag. Der Zuspruch ist gewaltig, die Hoffnungen der hier lebenden Russen auch.

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„Ohne die zusätzliche Möglichkeit, hier in Dresden zu wählen, wäre sie wahrscheinlich nicht zur Wahl erschienen", vermutet Wolfgang Schälike, Vorsitzender des DRKI und am Donnerstag im Dauereinsatz auf den Fluren seines aus allen Nähten platzenden Institutes.

Seit zwei Tagen herrscht hier der Ausnahmezustand: Das Generalkonsulat der Russischen Föderation in Leipzig hat hier erstmals ein zusätzliches Wahllokal außerhalb der diplomatischen Vertretungen geschaffen, weil die Wahlbeteiligung der hier lebenden Russen auch aufgrund der weiten Wege bisher mit sieben bis zehn Prozent erschreckend niedrig ausgefallen war. „Bereits seit Mittwochmittag waren hier sämtliche Räume verplombt, nachdem die Wahlmaschinen angeliefert worden waren", berichtet Schälike.

Er und sein Team nehmen es mit typisch russischem Galgenhumor. „Wir hatten hier teilweise chaotische Zustände, weil so viele Leute auf einmal gekommen sind", erzählt Schälike lachend. „Zwischenzeitlich mussten wir sogar den Eingang über die Terrasse öffnen, damit die vor allem älteren Leute überhaupt ins Haus konnten."

Als Sergej Lodochnikow das Wahllokal betritt, ist der erste Ansturm gerade abgeflaut. Der 35-Jährige lebt seit zweieinhalb Jahren in Dresden und stammt ursprünglich aus Jekaterinburg im Ural. Auch er hat früher selten gewählt: „Weil es nie fair zuging", erklärt er. Hier sei das anders: „Hier geht es auf jeden Fall fairer zu als in Russland", ist er sich sicher. Sein Wunsch gleicht dem vieler seiner Landsleute: Weniger Korruption, mehr Gerechtigkeit und Freiheit. Wirklich daran glauben möchte er aber nicht so recht.

Dass wenigstens hier in Dresden alles mit rechten Dingen zugeht, überwacht der russische Senior-Konsul Michail Wetrow persönlich. Als Leiter des Dresdner Wahlbüros ist er extra aus Leipzig gekommen und nimmt selbst die Registrierung der Wähler vor. Ihre Personalien werden in Listen erfasst, damit niemand zweimal an die elektronische Wahlurne kommt.

Anschließend bekommt jeder eine Code, die er in den Wahlautomaten schiebt, bevor es ans eigentliche Abstimmen geht. Mitarbeiter des Konsulats erklären den Wählern die Funktionsweise des kleinen, transportablen Apparates mit Bildschirm und Kartenlesegerät.

Für Wetrow ist das zusätzliche Wahlbüro die richtige Entscheidung. „Sie sehen ja, was hier los ist", sagt er sichtlich zufrieden. „Wir sind sehr zuversichtlich, dass wir dies bei kommenden Wahlen wiederholen können - die Zustimmung des Auswärtigen Amtes vorausgesetzt."

Julia Leupold/Jane Jannke

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