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Experten untersuchen Unglücksursache im Thüringer Kalibergwerk - drei Kumpel starben

Experten untersuchen Unglücksursache im Thüringer Kalibergwerk - drei Kumpel starben

Unterbreizbach/Kassel. Nach einem der schwersten Grubenunglücke in Deutschland mit drei toten Bergleuten suchen Experten nach der Ursache für die Tragödie.

Bergamt und Staatsanwaltschaft ermitteln, wie es zu dem gewaltigen Gasausbruch nach einer Routinesprengung in der thüringischen Kali-Grube Unterbreizbach kommen konnte. Dazu wurden am Mittwoch Werksunterlagen sichergestellt, sagte ein Sprecher der Meininger Staatsanwaltschaft. Außerdem sollten die vier überlebenden Bergleute vernommen werden.

Die Arbeit der Ermittler wird erschwert, weil sie wegen der hohen Kohlendioxid-Konzentrationen noch nicht an den Unglücksort vordringen können. Die Staatsanwaltschaft untersuche, ob es möglicherweise ein Verschulden Dritter gegeben habe. Die Ermittlungen stünden noch am Anfang. Nach Angaben der Werksleitung wird die Grube wahrscheinlich für Tage gesperrt bleiben.

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Unterbreizbach/Kassel. Nach dem schweren Grubenunglück mit drei Toten im thüringischen Unterbreizbach sucht die Staatsanwaltschaft nach der Ursache. Auch Experten vom Bergamt sind an der Unglücksstelle. Die drei toten Bergleute wurden nach Angaben der Polizei am frühen Mittwochmorgen geborgen und über Tage gebracht. Die Männer starben, als am Dienstag bei einer Routinesprengung in großer Menge Kohlendioxid explosionsartig freigesetzt wurde. 

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An der Unglücksstelle in der Kali-Grube Unterbreizbach erinnerten am Mittwoch Blumen und Kerzen an die Opfer der Tragödie in 700 Metern Tiefe. Thüringens Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU) sagte bei ihrem Besuch dort, das Unglück habe ganz Thüringen geschockt. Das Land wolle für die toten Bergleute eine Gedenkfeier ausrichten. „Jetzt ist die Stunde, in der die Trauer überwiegt.“

Nach der Sprengung, mit der Kalisalze aus dem Gestein gebrochen, werden, waren am Dienstag zunächst sieben Bergleute eines Erkundungstrupps eingeschlossen worden. Vier von ihnen konnten gerettet werden. Sie seien inzwischen nicht mehr in ärztlicher Behandlung, teilte der Grubenbetreiber K+S Kali GmbH mit. Die drei toten Bergleute im Alter von 24, 50 und 56 Jahren wurden am Mittwochmorgen geborgen. Die Gerichtsmedizin muss nun die genaue Todesursache klären.

Die drei Männer starben nach ersten Ermittlungen, weil Kohlendioxid in großer Menge explosionsartig freigesetzt wurde. Das tödliche Gas habe sich in Sekundenschnelle über viele Kilometer in der Tiefe ausgebreitet, sagte der Vorstandschef der K+S AG (Kassel), Norbert Steiner. Die Bergleute hätten es wahrscheinlich nicht mehr geschafft, ihre Schutzmasken aufzusetzen. Nach menschlichem Ermessen habe sich der Voraustrupp, der routinemäßig die Gefährdung in der Grube nach Sprengungen untersucht, in einem sonst sicheren Gebiet in dem weit verzweigten Grubensystem aufgehalten.

Das Unglück mache die 14.000 Beschäftigten des Kali- und Düngemittelkonzerns K+S, der mehrere Werke in Thüringen und Hessen betreibt, betroffen, sagte Steiner. Es sei Zeit, innezuhalten. Der Vorstandsvorsitzende des DAX-Konzerns sicherte den Angehörigen der toten Bergleute Unterstützung zu. Ihnen wurde auch psychologische Betreuung angeboten.

Der Gasaustritt in der Tiefe hatte für eine immense Druckwelle gesorgt, die eine riesige graue Wolke über dem Werksgelände aufsteigen ließ. Werksleiter Rainer Gerling sieht aber keine Versäumnisse beim Arbeitsschutz. Nach bisherigen Erkenntnissen seien alle Regeln eingehalten worden. Nach Abschluss der Untersuchungen solle auch das Sicherheitskonzept der Grube überprüft werden.

Der Professor am Institut für Bergbau und Spezialtiefbau der sächsischen TU Freiberg, Helmut Mischo, bescheinigte dem K+S-Konzern höchste Sicherheitsvorkehrungen. Der deutsche Bergbau sei sowohl im internationalen Vergleich als auch im Vergleich mit anderen Branchen eine der sichersten Industrien. „Doch auch wenn wir alle technischen Möglichkeiten ausschöpfen, kann ein grundsätzliches Restrisiko nicht ausgeschlossen werden.“

Dass in den Lagerstätten im Werra-Revier Kohlendioxid gebunden ist, ist den Fachleuten seit Jahrzehnten bekannt. K+S trifft dafür unter anderem mit Erkundungsbohrungen entsprechende Vorkehrungen. Der Bezirksleiter der IG Bergbau-Chemie-Energie, Friedrich Nothhelfer, sagte der Nachrichtenagentur dpa, vermutlich sei die größte Kohlendioxid-Blase in der Geschichte des deutschen Bergbaus durch die Sprengung freigesetzt worden. „Derartige Grubenunglücke wie in Unterbreizbach gehören zu den großen Ausnahmen.“

Eine Gefährdung für die Menschen in der Region, die seit Jahrzehnten mit dem Kali-Bergbau lebt, besteht nach Unternehmensangaben nicht.

dpa

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