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Extreme Premiere des "With Full Force" in Ferropolis

Festival Extreme Premiere des "With Full Force" in Ferropolis

Rund 18.000 Besucher feiern beim "With Full Force"-Festival in Ferropolis - und trotzen gleich mehreren Unwettern.

Knapp 20.000 Besucher feiern beim With Full Force-Festival in Ferropolis - und trotzen gleich mehreren Unwettern.

Quelle: Susanne Richter

Gräfenhainichen. Es gibt Dinge, die kann man nicht erklären. Eine dieser wundersamen Koinzidenzen scheint das With Full Force zu betreffen, dessen jüngere Geschichte mit Wetterunbilden verknüpft ist, die selbst eingefleischte Meteorologen sinnieren lassen. Mag es an dem Pulk schwarz gekleideter Menschen liegen? Sollen harte Saitenklänge Petrus tatsächlich derart zürnen lassen? Fest steht jedenfalls: Auch in diesem Jahr hatte Ostdeutschlands größtes Metal-, Hardcore- und Punkfestival mit Blitzen, Hagel und Regengüssen zu kämpfen wie zuletzt anno 2012 und 2015 - und das selbst nach dem Umzug von der in Fankreisen gehuldigten Stätte in Roitzschjora (Nordsachsen) nach Ferropolis (Sachsen-Anhalt).

Knapp 20.000 Besucher feiern beim With Full Force-Festival in Ferropolis - und trotzen gleich mehreren Unwettern.

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Die 24. Auflage des Festivals war am Donnerstag mit den 18.000 Besuchern noch gar nicht richtig warm gelaufen, da musste die Premierenveranstaltung in der Stadt aus Eisen wegen heftigster Unwetter schon wieder eine fünfstündige Pause bis zum Abend einlegen, die nach einem zweistündigen Zwischenspiel späterhin sogar in eine Absage mündete, inklusive der Headliner Apocalyptica und Airbourne. Ein Auftakt nach Maß war das zweifelsohne nicht. „Wir lassen uns nicht unterkriegen - jetzt geht die Party erstmal los“, gab Geschäftsführer Roland „Bogo“ Ritter die Devise für die verbleibenden Tage - und vor allem Nächte - bis Sonntagmorgen aus.

Potpourri lieblicher Melodien – 82 Bands auf vier Bühnen

Und tatsächlich: Es wurde eine Party, eingerahmt von ausgedienten Baggern der ehemaligen Tagebaue um Gräfenhainichen, die sich, um im Bilde zu bleiben, gewaschen hatte. „Das ist das Besondere an unserem Festival: Wir möchten jedem Fan härterer Musik etwas bieten“, erklärt „Bogo“ Ritter die ungewöhnlich weit gefächerte Bandauswahl, die einem Potpourri lieblicher Melodien gleicht, das von Punk und Hardcore über traditionellen Metal und bitterbösen Deathcore bis zu extremen Varianten wie brutalem Grindcore oder Black Metal reicht.

Das With Full Force ist nach Ferropolis (Sachsen-Anhalt) umgezogen. Die Premiere wurde in der Stadt aus Eisen zunächst verhagelt: Am Donnerstagnachmittag musste das Festival für fünf Stunden wegen zwei Unwettern unterbrochen werden. Fotos: Susanne Richter

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Neu ist diesmal, dass die WFF-Macher von drei auf vier Bühnen aufgestockt haben, von denen jeweils zwei parallel bespielt werden - und das mit einer Rekordbeteiligung von 82 Bands, auch wenn einige aufgrund des Wetters nicht spielen konnten. Da krawallen sich beispielsweise Spasm schon kurz nach dem verspäteten Frühstück durch das knorrige Unterholz aus Thrash und Grindcore und genießen die Stammgäste von Elsterglanz aus dem Mansfeld ihr Heimspiel; fahren Knorkator im  formschönen String auch etwas fürs Auge auf; wühlen sich die Seelensauger von  Tryptikon durch nachtkalte Metal-Massive; liefern die Punk-Veteranen Die Kassierer und Dropkick Murphys den passenden Partystoff. Wer nach all dem Wippen und Schütteln noch keine schwere Birne hat, schleppt sich in der Geisterstunde noch zur Knüppelnacht, die in den Sonnenaufgang geleitet: Hier eitert die extreme Essenz des Genres von der Theke, die unter anderem von Napalm Death und Carach Angren bestückt wird.

Kritik an der Kommunikation in den sozialen Netzwerken

Dass derlei stromgestählte Spielfreude offene Ohren einrennt, bestätigt eine kleine Umhörung unter dem zunächst durchnässten und später gut getränkten Force-Volk. Kevin aus Magdeburg ist zum ersten Mal beim With Full Force, also ein Greenhorn: „Meine Freunde sind immer nach Roitzschjora gefahren - jetzt bin ich mit und finde es in Ferropolis richtig geil.“ Eine Sicht, die die erfahrene Force-Gängerin Maria aus Cottbus bestätigt, auch wenn sie genau wie Phillip aus Leipzig die längeren Wege kritisiert. „Für das Wetter können die Veranstalter ja nichts. Wir haben trotzdem Party gemacht“, meint  Maria nachsichtig. In sozialen Netzwerken wie Facebook tobt dagegen ein ähnlicher Pit wie vor den Bühnen: Hier sind die Meinungen durchaus geteilt, wünschen sich viele eine bessere Information, gerade nach den Ausfällen des Donnerstags. „Wir können nur um Verständnis bitten“, erklärt Roland „Bogo“ Ritter, „für uns ist hier auch alles neu, selbst wenn wir uns auf eine gute Infrastruktur stützen können.“

Fazit: Auch wenn der Start am Donnerstag ziemlich in die Hose ging und sich die Laufmaschen an deutlich weitere Wege als auf dem ehemals härtesten Acker Deutschlands in Roitzschjora gewöhnen mussten, weist die 24. Auflage des With Full Force doch deutlich mehr Licht- als Schattenseiten auf, nebst ausreichend Sonnenschein. Der Freitag und der Sonnabend demonstrieren die neue Dimension des Festivals und auch die neue verwinkelte Gemütlichkeit unter den Stahlriesen. Im nächsten Jahr soll das Vierteljahrhundert in Ferropolis gebührend gefeiert werden. Vielleicht kann bis dahin ja auch noch Petrus als Fan gewonnen werden. Zu wünschen wäre es dem Festival. 

Von Andreas Debski

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