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Faszinosum Orient: Türckische Cammer öffnet in Dresden

Faszinosum Orient: Türckische Cammer öffnet in Dresden

Prunkreitzeuge auf geschnitzten Edelrössern, mit Edelsteinen besetzte Säbel, kunstvoll bestickte Zelte und kostbare Seidengewänder: Mit der „Türckischen Cammer“ in Dresden wird eine der prächtigsten und bedeutendsten Sammlungen orientalischer Kunst erstmals seit 70 Jahren wieder in ihrer Fülle gezeigt - Eröffnung ist an diesem Sonntag.

Dresden. „Es ist unsere osmanische Schatzkammer“, sagt Direktor Dirk Syndram. In drei Räumen, auf 750 Quadratmetern im Residenzschlosses wurden etwa 600 Stücke der einzigartigen Kollektion inszeniert, die Sachsens Kurfürsten und Könige über fast fünf Jahrhunderte zusammentrugen. „Es ist kein eigenständiges Museum, sondern die Neuinszenierung eines bisher nicht angemessen präsentierten Teils einer historischen Sammlung.“  

Zu sehen sind Kunstwerke aus Istanbuler Hofwerkstätten, die einst Großwesiren und Aghas gehörten, von der osmanischen Kunst inspirierte sowie von siebenbürgischen Meistern hergestellte Stücke. „Sie sind von höchster Qualität und haben dank der erhaltenen historischen Inventare auch eine Identität“, so Syndram. Das älteste Verzeichnis stamme von 1606. „Wir wissen genau, welcher Kaiser was geschenkt hat, wo es gekauft oder erbeutet wurde“, sagt Syndram. Die Geschichte der einstigen Türkenkammer und der Kunstwerke hat der Oberkonservator der Rüstkammer, Holger Schuckelt, in den vergangenen 15 Jahren erforscht.

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Dresden. Prunkreitzeuge auf geschnitzten Edelrössern, mit Edelsteinen besetzte Säbel, kunstvoll bestickte Zelte und kostbare Seidengewänder: Mit der „Türckischen Cammer“ in Dresden wird eine der prächtigsten und bedeutendsten Sammlungen orientalischer Kunst erstmals seit 70 Jahren wieder in ihrer Fülle gezeigt - Eröffnung ist an diesem Sonntag.

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Dunkelblauer Putz, schwarzer Schiefer am Boden und verhängte Fenster tauchen die empfindlichen Textilien wie Fahnen, Zelte, Kostüme, Schabracken und Sättel in eine gewollte Dunkelheit. „Eine Atmosphäre wie in einer orientalischen Nacht“, sagt Syndram. Licht gibt es nur in den doppeltentspiegelten Vitrinen, die jedes Exponat zum Greifen nah erscheinen lassen. Für die Waffen, Harnische und einzelnen Pferde-Kopfschmuck entwickelten Techniker ein spezielles Haltesystem, die Beleuchtung wurde per Computersystem eingerichtet, um auch kleinste Gold- und Silberfäden an Reitzeugen sichtbar zu machen.   

Fünf große, mit Prunkreitzeugen geschmückte Araberhengsten prägen das Entree. „Diese Porträts lebender Pferde waren seit dem 16. Jahrhundert als Geschenke üblich“, sagt Schuckelt. Die rund 150 Kilogramm schweren Edelrösser wurden nach Inventar-Beschreibungen von dem Bildhauer Walter Hilpert geschaffen. Die in Wandvitrinen versammelten, 1714 in der Türkei angekauften und geschenkten Stücke gehören zu den bedeutendsten Zeugnissen osmanischer Kunst weltweit. Von dort führt der Weg in einen Raum mit umlaufenden Vitrinen, gefüllt mit osmanischen Schätzen aus dem 15. bis 17. Jahrhundert. Auf mit roter Naturseide bespannten Wänden sind eine Reihe weiterer Raritäten zu sehen: drei in ihrer Qualität seltene Elfenbein- Dolchgriffe, die vier weltweit einzigen erhaltenen Nomaden-Faltbecher aus Leder und der einmalige Bogen mit Originalbespannung von 1586.

Das funkelndste Exponat trägt ein mit roten und schwarzen Federn am Kopf geschmücktes weißes Holzpferd: das mit Edelsteinen besetzte Prunkreitzeug der Johann Michaels Garnitur. Das Ensemble in orientalisierendem Stil, zu dem auch in Vitrinen arrangierte Waffen gehören, wurde zwischen 1610 und 1612 in Prag angefertigt. „Es ist das prunkvollste Werk der Türkenmode“, sagt Schuckelt. Kurfürst Christian II. hatte Schwert und Säbel 1610 als Geschenk des Kaisers bekommen und dann die Garnitur dazu bestellt. Textilrestauratorin Ramona Münzer-Scadock hat die etwa 340 Teile auf der mit vergoldetem Silbergespinst bestickten Seidenschabracke original verschraubt und verdrahtet - vom winzigen vergoldeten Silbermond über Beschläge bis zu Buchstaben aus böhmischem Granat.   

Im Raum nebenan können Besucher direkt der Exotik des Orients nachspüren und durch das größte Objekt schreiten: das 20 Meter lange, acht Meter breite und sechs Meter hohe Staatszelt aus dem 17. Jahrhundert. Es war für 3,6 Millionen Euro von Spezialisten restauriert worden. Unter der Außenhaut aus grüner Baumwolle schimmern auf rotem Grund mit roten, blauen, grünen, gelben, weißen und schwarzen Applikationen aus Atlas, Baumwolle und vergoldetem Leder. „Die reiche Verzierung ist typisch für hohe osmanische Würdenträger und Sinnbild für das Paradies“, erklärt Schuckelt. Es habe als Tafelzelt für hochrangige Gäste gedient.  

„Solche Zelte wurden oft erbeutet, im Inventar von 1730 sind 200 osmanischen Ursprungs aufgelistet“, so Schuckelt. Davor stehen zwei Vitrinen mit Originalkaftanen von Kurfürst August dem Starken (1670- 1733). „Er hatte eine besondere Affinität zum Osmanischen Reich“, sagt Schuckelt. Zwar stellten sich schon seine Vorgänger gern mit Sultanen auf eine Stufe, aber erst unter dem Barockfürsten war die Türkenmode besonders ausgeprägt: Er verkleidete sich als Sultan, hielt sich osmanische Krieger, schenkte der Schwiegertochter ein =türkisches Palais und ließ sich im Zwinger ein Wachsfigurenkabinett in Form eines Harems einrichten. „Er hatte sogar Kammertürken als Diener, einer hieß Süleyman“, sagt Schuckelt.

Simona Block, dpa

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