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Flüchtlings-Zeltstadt in Dresden: Sachsens Regierung verurteilt Übergriffe

Reaktionen Flüchtlings-Zeltstadt in Dresden: Sachsens Regierung verurteilt Übergriffe

Nach den gewalttätigen Ausschreitungen bei einer NPD-Demonstration gegen Asylbewerber in Dresden hat es am Samstag keine weiteren Zwischenfälle gegeben. Sachsens Regierung veruteilte die Übergriffe. Nach Ansicht der Grünen hat die Polizei die Lage unterschätzt.

Rund 470 Flüchtlinge sind am Freitag in Dresden angereist. Samstagabend werden weitere erwartet.

Quelle: dpa

Dresden. Nach gewalttätigen Ausschreitungen bei einer NPD-Demonstration gegen Asylbewerber in Dresden ist rund um die aufgebaute Zeltstadt Ruhe eingekehrt. In der Nacht zum Sonntag sollen dort weitere Flüchtlinge ankommen. 300 Menschen würden erwartet, sagte Staatssekretär Michael Wilhelm am Samstag. Aktuell hielten sich dort bereits 470 Flüchtlinge auf. Ob die angekündigte Zahl von 1100 erreicht werde, könne er nicht sagen. „Wir müssen sehen, wie viele Bewerber am Abend noch kommen und was in der nächsten Woche passiert.“ Dem Deutschen Roten Kreuz zufolge sollte das Camp am Abend die volle Kapazität erreichen.

Am Freitag ist in Dresden eine Zeltstadt für bis zu 1100 Flüchtlinge errichtet worden. Nazis fanden sich vor der Asylnotunterkunft zu einer Demonstration ein. Auch Gegendemonstranten waren vor Ort.

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Am Freitagabend hatten Neonazis und andere Asylgegner bei einer von der rechtsextremen NPD organisierten Kundgebung gegenüber der Zeltstadt Sympathisanten der Flüchtlinge attackiert. Etwa 200 Rechtsextreme und meist ältere Dresdner Bürger waren von rund 350 Gegendemonstranten nur durch eine stark befahrene Straße getrennt. Die Polizei hatte nach Eindruck von Augenzeugen zu wenig Beamte im Einsatz und begründete das am Samstag mit dem äußerst kurzfristig anberaumten Aufbau der Zeltstadt. Inzwischen traf Verstärkung ein. 

Kurz vor Ende der NPD-Veranstaltung eskalierte die Lage, als Neonazis die Demonstranten auf der anderen Seite mit Pyrotechnik und Wurfgeschossen angriffen. Neben einer Warnbake flogen auch eine Flasche und andere Gegenstände. Zwei Frauen wurden dadurch verletzt, Sanitäter behandelten die stark blutenden Wunden vor Ort. Ein weiterer Demonstrant soll ein Knalltrauma erlitten haben. Ein Mann wurde nach Angaben der Polizei festgenommen. Nach Berichten von Fotografen soll auch ein Kamerateam bedrängt worden sein.

Grüne im Landtag: Polizei hat Lage unterschätzt

Die Grünen im sächsischen Landtag sehen in den Anti-Asylprotesten eine großes Gefahr. „Die gestrigen Angriffe haben erneut gezeigt, welches Gewaltpotenzial in der Hetze gegen Asylbewerber in Sachsen steckt“, erklärte der Abgeordnete Valentin Lippmann. Die Polizei habe die Lage offenbar vollkommen unterschätzt: „Die rechten Ausschreitungen waren im Bereich des Wahrscheinlichen. Unter den Teilnehmern der rechten Demo befanden sich unter anderen ein erheblicher Teil gewaltaffiner Hooligans. Das Versammlungsgeschehen nur mit einer minimalen Polizeipräsenz abzusichern war mehr als fahrlässig und unverantwortlich.“

Sachsen Regierung verurteilt Übergriffe

Sachsens Regierung hat die Gewalt und Übergriffe im Zusammenhang mit dem Dresdner Zeltlager für Flüchtlinge scharf verurteilt. „Angegriffene DRK-Mitarbeiter und Körperverletzungen gegenüber Menschen, die Flüchtlinge willkommen heißen, sind nicht hinzunehmen. Hier werden Grenzen überschritten“, sagte Staatskanzlei- Chef Fritz Jaeckel (CDU) am Samstag: „Diejenigen, die das tun, werden wir unerbittlich verfolgen und zur Rechenschaft ziehen.“

Dresden für alle

Das Netzwerk „Dresden für alle“ hilft  Flüchtlingen in der neu errichteten Zeltstadt in Dresden. „Wir möchten so gut es geht die Einsatzkräfte vor Ort unterstützen“, erklärte Sprecher Eric Hattke am Samstag. Momentan werde eine Kinderbetreuung in der Zeltstadt organisiert. Außerdem soll der Bedarf an Spenden ermittelt werden. „Wir bitten vorerst von Sachspenden abzusehen, bis wir wissen, worin der genaue Bedarf besteht“.  Vor allem suche man Dolmetscher in den Sprachen Urdu, Hindi, Tigrinisch und Arabisch. Dolmetscher könnten eine Nachricht an die Facebook-Seite des Netzwerkes schreiben. Gleiches gelte für alle, die sich engagieren wollen.

Zeltstadt als Provisorium

Die Dresdner Zeltstadt, die erst am Freitag in Windeseile aus dem Boden gestampft wurde, kann bis zu 1100 Menschen aufnehmen. Die zuständige Landesdirektion rechnete am Freitag mit bis zu 800 Flüchtlingen, die am Wochenende insgesamt kommen. Nach den ersten knapp 500 Asylsuchenden werden am Samstag noch einmal 300 erwartet. Das Innenministerium sieht die Zeltstadt als vorübergehendes Provisorium und will die Betroffenen so schnell wie möglich in Containern oder festen Unterkünften unterbringen. 

Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) führt in der Zeltstadt Regie. DRK-Chef Rüdiger Unger appellierte an die Dresdner Bevölkerung, die Flüchtlinge zu unterstützen. „Die Unterbringung in Zelten ist alles andere als komfortabel. Die Menschen wollen ihre Ruhe haben und sind froh, endlich kein Gewehrfeuer mehr hören zu müssen“, sagte der DRK-Chef. Unger ging am Freitag davon aus, dass die meisten Betroffenen aus Syrien stammen. Mehrere Züge der Polizei und Bereitschaftspolizei sichern das Gelände ab.

LVZ

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Dresden-Friedrichstadt
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