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Flüchtlingsunterkunft in Dresden: erste Krankheitsfälle im Zeltlager

Infektionskrankheit Flüchtlingsunterkunft in Dresden: erste Krankheitsfälle im Zeltlager

Mehrere Bewohner des Dresdner Zeltlagers für Asylbewerber leiden unter Krätze. Die Landesdirektion Dresden relativierte am Freitag aber Darstellungen, wonach die Hauterkrankung im dem Flüchtlingscamp ausgebrochen sei. „Viele haben auf ihrer Reise nach Deutschland lange Zeit unter schlechten hygienischen Bedingungen gelebt.

Ein Arzt untersucht in einem Notquartier in Bayern einen Flüchtling.(Archivfoto)

Quelle: dpa

Dresden. Dresden rüstet sich für die Aufnahme weiterer Flüchtlinge am Wochenende. Am Freitag wurden zwei Sporthallen an der Technischen Universität Dresden zu vorübergehenden Notunterkünften umfunktioniert - sie sollen Platz für weitere 600 Asylbewerber bieten, teilte die Landesdirektion Sachsen mit. Voraussichtlich am Sonntag sollen die ersten von ihnen eintreffen. „Derzeit werden Betten aufgestellt, ein zusätzlicher Boden eingezogen“, erklärte Behördensprecher Holm Felber. 

Im Zeltlager mit rund 1000 Bewohnern gab es unterdessen erste Krankheitsfälle. Nach Angaben der Landesdirektion haben acht Bewohner die Krätze. Zudem gibt es drei TBC-Verdachtsfälle, die Betroffenen befinden sich in Krankenhäusern. Für Innenminister Markus Ulbig (CDU) ist die Unterbringung von Asylbewerbern in Zelten keine Dauerlösung. „Mit Blick auf die absolut außergewöhnlichen Zugangszahlen in ganz Deutschland geht es akut um die Vermeidung von Obdachlosigkeit“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur und räumte auch Schwierigkeiten beim Betrieb ein.

Zugleich verurteilte Ulbig die Hetze gegen Ausländer im Netz. „Das Internet ist kein straffreier Raum“, mahnte er, Anstand und Tonfall zu wahren und kündigte konsequente Verfolgung bei Grenzüberschreitung an. „Hetze macht das Miteinander in unserer Gesellschaft kaputt, das muss jedem klar sein.“ Unterdessen kündigte das Innenministerium an, dass ab Ende August auch das Wohnheim der Verwaltungsfachhochschule als kurzfristiges Interimsquartier der Erstaufnahmeeinrichtung Meißen genutzt werden soll.

Rund 1000 Flüchtlinge campieren in Zelten, davor marschieren immer wieder Rechtsextreme auf. Die Lage um das Flüchtlingscamp in Dresden bleibt angespannt. Eindrücke aus dem Zeltlager. Fotos: dpa

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Hygiene im Zeltlager Dresden soll sich verbessern

Felber relativierte Darstellungen, wonach die Krätze im Dresdner Zeltlager ausbrach. „Viele haben auf ihrer Reise nach Deutschland lange Zeit unter schlechten hygienischen Bedingungen gelebt. Sie haben die Krankheit praktisch mitgebracht.“ Die Inkubationszeit für Krätze betrage mindestens zwei Wochen. Laut Felber soll sich die Hygiene im Zeltlager verbessern. Noch für Freitag waren weitere Dusch- und Toilettencontainer geordert worden: „Die Sanitäreinrichtungen werden in kürzeren Zeiträumen gereinigt, außerdem wurden mehrere Desinfektionsspender über das gesamte Camp verteilt aufgestellt.“

Eine Quarantäne für die von Krätze Betroffenen lasse sich nicht durchsetzen, weil damit eine Trennung von Familien verbunden wäre: „Das wird nicht durchgängig akzeptiert.“ Ein Hygieneschutzplan sei in Arbeit. Angesichts der schwierigen Situation wird der Innenausschuss des Landtages am kommenden Donnerstag zu einer Sondersitzung zusammentreten. Dabei sollen alle Aspekte des Themas Asyl behandelt werden, auch Angriffe auf Flüchtlingsunterkünfte, sagte Vorsitzender Mario Pecher (SPD). Er erwartet auch einen Gedankenaustausch darüber, wie Sachsen sich auf künftige Entwicklungen vorbereiten kann. 

Sicherheitslage seit Tagen angespannt

„Wir müssen eine Lösung finden, selbst bei weiter steigenden Flüchtlingszahlen diese Menschen jederzeit menschenwürdig unterzubringen. Zeltlager können das nicht sein“, sagte er. Pecher forderte zudem ein konsequentes Vorgehen gegen jene, die im Internet gegen Asylsuchende hetzen: „Das ist eine tickende Zeitbombe.“

Die Sicherheit von Asylsuchenden gilt als eines der drängendsten Probleme. Seit Tagen ist die Situation angespannt, weil immer wieder Rechtsextreme Stimmung gegen Flüchtlinge machen. In der Nacht zum Freitag warfen Unbekannte drei Brandflaschen auf ein künftiges Asylbewerberheim in Lunzenau (Mittelsachsen). Die Hitze ließ Fensterscheiben bersten, beschädigte Jalousien und verrußte das noch unbewohnte Mehrfamilienhaus. In Dresden blieb es dagegen ruhig.

Um Ausschreitungen zu vermeiden, erließ das Landratsamt Sächsische Schweiz-Osterzgebirge für Freitagabend ein Demonstrationsverbot für den Umkreis des Flüchtlingsheims Freital. Wegen bisheriger Vorfälle wurde Gewalt zwischen Rechten und Linken nicht ausgeschlossen. Die Deutsche Polizeigewerkschaft begrüßte das Versammlungsverbot. Unlängst hatte sie vorgeschlagen, Flüchtlingsheime mit Bannmeilen vor gewaltbereiten Demonstranten zu beschützen. Sachsens Regierung sieht dafür bislang aber keine Notwendigkeit.

CDU-Politiker: Helfer in Unterkünften an Belastungsgrenze

Der CDU-Innenpolitiker Christian Hartmann sieht die Helfer in den Flüchtlingsunterkünften an ihre Belastungsgrenze kommen. Er schlug vor, auf Personal und Infrastruktur des Polizeiverwaltungsamtes und der Bereitschaftspolizei zurückzugreifen. Außerdem regte Hartmann an, dass das Innenministerium beim Landeskommando Sachsen nach Fachberatern der Bundeswehr fragt. Sie könnten das Deutsche Rote Kreuz beim Aufbau und Bewirtschaften von behelfsmäßigen Unterkünften unterstützen.

Die Grünen forderten am Freitag eine unabhängige Asylverfahrensberatung schon in der Erstaufnahme. „Wer will, dass Asylantragsteller ohne Chance auf eine Anerkennung freiwillig wieder ausreisen, kommt an einer unabhängigen Asylverfahrensberatung nicht vorbei“, erklärte die Abgeordnete Petra Zais.

Um Migranten künftig besser zu integrieren, will Sachsens Integrationsministerin Petra Köpping (SPD) Kommunen, Vereine und Verbände bei ihrer Arbeit unterstützen. In diesem Jahr sind 3,5 Millionen Euro eingeplant, 2016 rund 4,5 Millionen Euro. Das Geld soll unter anderem in die Beratung und Unterstützung von Asylsuchenden und Flüchtlingen fließen.

LVZ

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Dresdner Zeltstadt
Die Studentin Anne Siebert arbeitet in ihren Semesterferien als Logistikerin im Zeltlager für Asylbewerber in Dresden.

Das Dresdner Zeltlager für Flüchtlinge hat für negative Schlagzeilen gesorgt. In einem Punkt sind sich aber selbst die Kritiker einig: Ohne die vielen Helfer wäre die Lage noch viel bedrückender.

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