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Forscher untersuchen Dresdner Canaletto-Himmel

Forscher untersuchen Dresdner Canaletto-Himmel

Eingefleischte Sachsen werden zusammenzucken: Ausgerechnet mit „Preußisch Blau“ (Berliner Blau) hat Maler Bernardo Bellotto, genannt Canaletto (1721-1780), den Himmel seines berühmten Gemäldes „Dresden vom rechten Elbufer unterhalb der Augustusbrücke“ gemalt.

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Eine Restauratorin arbeitet in der Werkstatt der Dresdner Gemäldegalerie Alte Meister an Canalettos „Dresden vom rechten Elbufer unterhalb der Augustusbrücke“ von 1748.

Quelle: dpa

Dresden. Zwar war die historische Feindschaft zwischen Sachsen und Preußen zur Entstehungszeit des Bildes 1748 noch nicht auf dem Gipfel angelangt. Erst ein paar Jahre später ließ Preußenkönig Friedrich II. die Frauenkirche mit Kanonen beschießen. Die Kugeln prallten übrigens von der Steinernen Glocke ab, die auch Canalettos Bild dominiert.

Doch abseits aller historischen Diskurse ist die Entdeckung des Berliner Blaus am Himmel von Dresden für Kunstwissenschaftler ein wichtiger Fakt. Denn er erklärt, warum der oberere Teil des Bildes so verblasste. Preußisch Blau gilt als besonders lichtempfindlich, sagt der Chemiker Christoph Herm. Er leitet das Labor für Archäometrie der Dresdner Kunsthochschule. Momentan hilft es vor allem bei der Analyse des Canaletto-Gemäldes. Restauratorin Sabine Bendfeldt arbeitet jeden Tag acht Stunden an dem Bild und trägt dabei Firnis ab. Täglich wird so eine Fläche von der Größe einer Postkarte freigelegt.

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Dresden. Eingefleischte Sachsen werden zusammenzucken: Ausgerechnet mit „Preußisch Blau“ (Berliner Blau) hat Maler Bernardo Bellotto, genannt Canaletto (1721-1780), den Himmel seines berühmten Gemäldes „Dresden vom rechten Elbufer unterhalb der Augustusbrücke“ gemalt.

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Einzelne Partikel des Gemäldes kommen ins Labor. Hier konnte das Berliner Blau wissenschaftlich nachgewiesen werden, auch wenn es schon lange nicht mehr sichtbar ist. 1704 hatte ein Mann namens Diesbach die Farbe erfunden - aus purem Zufall. „Eigentlich wollte er ein Rotpigment herstellen“, erzählt Herm. Der Professor spricht von einem „wüsten alchemistischen Gemisch“. Getrocknetes Tierblut gehörte dazu, Weinsteinsalz und Salpeter, auch grüner Vitriol und Alaun. Bis dahin waren vor allem Indigo, Azurit oder Smalte für blaue Farbgebung verwendet worden.

Nach Aussagen der Restauratorin Marlies Giebe führten auch maltechnische Probleme zur Suche nach einer Alternative. Das Berliner Blau besaß eine 10-fach höhere Färbekraft als herkömmliche Blaupigmente. Herm geht davon aus, dass Canaletto deshalb nicht allzu viel von dem neuen Stoff für den Dresdner Himmel benötigte. Die Suche nach dem verlorenen Blau ist aber nur ein Detail der Restaurierung. Die Analyse der Farbschichten bringt Retuschen vergangener Jahrzehnte ans Licht. Gleich nach seiner Vollendung hatte das Bild ungerahmt 80 Jahre im Depot zugebracht. Erste Schäden stammen aus dieser Zeit.

Später wurde das Bild häufig anderswo gezeigt - als Botschafter für das „überlebte Dresden“ in aller Welt, wie es Giebe formuliert. Von der Zerstörung der Stadt im Zweiten Weltkrieg war der Canaletto wie andere Kunstschätze nicht betroffen. Man hatte sie rechtzeitig ausgelagert. Chefrestauratorin Giebe hält die bis Ende 2010 anberaumte Restaurierung für ein „großes Abenteuer“. Wie blau der Himmel am Ende wird, weiß sie heute nicht. „Es bleibt das Bild, was man kennt“, sagt sie und dämpft zu große Erwartungen. Auf keinen Fall werde es so aussehen, wie es 1748 die Werkstatt Canalettos verließ.

„Wir müssen uns in den Alterungsprozess einpassen“, sagt die Expertin. Ein Gemälde altert auf natürliche Weise. Das will man nicht kaschieren. Nach Angaben der Professorin kann heutzutage Kunst ohne Wissenschaft nicht erhalten werden. Deshalb sind bei den Analysen Chemiker wie Annegret Fuhrmann dabei. Sie vergleicht ihren Job mit kriminalistischer Arbeit. Man müsse „dem Künstler auf die Spur kommen“. Restauratorin Sabine Bendfeldt wird die viele Arbeit an dem einen Bild nicht langweilig. „Jeden Tag gibt es neue Perspektiven. Das Bild verändert sich täglich.“

Jörg Schurig, dpa

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