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Frauen in Sachsen strömen in Selbstverteidigungs-Kurse

Kampfsport Frauen in Sachsen strömen in Selbstverteidigungs-Kurse

Schlagen, schreien, treten: Selbstverteidigungskurse werden in Mitteldeutschland immer mehr nachgefragt – vor allem von Frauen. Zunehmend mehr Sächsinnen melden sich in Kampfsportschulen und Vereinen und fragen nach Angeboten zum Schutz vor Angreifern.

Selbstverteidigungskurs vom Polizeisportverein Oschatz.

Quelle: Dirk Hunger

Leipzig. Schlagen, schreien, treten: Selbstverteidigungskurse werden in Mitteldeutschland immer mehr nachgefragt – vor allem von Frauen. Zunehmend mehr Sächsinnen melden sich in Kampfsportschulen und Vereinen und fragen nach Angeboten zum Schutz vor Angreifern. Die massiven Übergriffe in der Silvesternacht in Köln und weitere sexuell motivierte Straftaten haben seit Januar „zu einem Wandel der gefühlten Sicherheitslage im Land geführt“, sagt Jörg Eckstein nach Gesprächen mit Lehrgangsteilnehmerinnen. Der Leiter der Kampfsportschule Nug Mui registriert „eine vierfach gestiege- ne Nachfrage“ gegenüber dem Vorjahresschnitt.

„Jeden Tag fragen mindestens fünf Mädchen oder Frauen an, wann der nächste Selbst­verteidigungskurs frei wird“, so der 38-Jährige, der in Dresden, Leipzig, Dippoldiswalde und Radeberg Kurse an­bietet. Um den rasant steigenden Bedarf abdecken zu können, seien zusätzliche Angebote ins Programm genommen worden. „Anstelle von Wellness und körperlicher Entspannung dominiert jetzt klar das Bedürfnis, einen Angreifer schnell kampfunfähig zu machen, egal wie groß er ist“, betont Eckstein. Mit seinen Tritt-, Schlag-, Wurf- und Bodentechniken gehe Nug Mui über alle Kampfdistanzen, sagt er.

Auch an den Volkshochschulen (VHS) ist der Trend unübersehbar. Die nächsten Selbstverteidigungskurse für Mädchen und Frauen im März sind längst ausgebucht. „Die Wartelisten werden derzeit immer länger“, sagt Ilona Hensel von der VHS Leipzig. „Das gab es so noch nie!“ Deshalb werde bereits über zusätz- liche Angebote nachgedacht.

Kathrin Grobelnik aus Leipzig leitet solche gefragten Kurse zum „Verhalten in Gefahrensituationen“. Als 17-Jährige wurde sie im Wohnheim selbst angegriffen und schwer verletzt, danach litt sie seelische Qualen. Einen Ausweg bot ihr vor 25 Jahren die chinesische Kampfkunst Wing Tzun; für ihr Kampfkunststudio Chisao in Plagwitz gab sie vor zehn Jahren sogar ihren Ingenieurberuf auf. „Durch das Training habe ich mich sehr verändert“, sagt sie, „ich bin viel selbstbewusster geworden, und die Ängste und Beklemmungen sind weg.“ Zugleich betont die 46-jährige Kampfkunstmeisterin: „Übergriffe auf Mädchen und Frauen gab es schon immer, das ist kein Phänomen der letzten Monate.“ Selbstverteidigung habe daher jederzeit ihre Berechtigung. „Gefährliche Situationen lassen sich so besser erkennen und entschärfen“, lautet ihre Erfahrung.

Deutlich angestiegen ist in den zurückliegenden Wochen auch die Nachfrage nach Kleinen Waffenscheinen und frei verkäuflichen Waffen. Elektroschocker, Gaspistolen und Pfefferspray waren stark nachgefragt und bei einschlägigen Händlern zeitweise ausverkauft. Die Polizei warnt allerdings vor dem Einsatz solcher Abwehrgegenstände. „Wir raten generell von solcher Bewaffnung ab“, sagt Kathlen Zink vom Landeskriminalamt. „Eine Waffe kann schnell gegen einen gerichtet werden oder zur Eskalation der Situation beitragen.“ Zudem könnten sich übereifrige Nutzer selbst strafbar machen. „Für Außenstehende ist auch schwer ersichtlich, wer Täter und wer Hilfesuchender ist.“

Gegen Selbstverteidigungskurse hat die Polizei nichts einzuwenden. „Jede Frau kann im Alltag in unangenehme Situationen geraten, in der geschulte Abwehrtechnik helfen kann“, räumt die Behördensprecherin ein. Im Übrigen würden etliche solcher Freizeitkurse von Polizisten geleitet. Aber: „Egal wie die Sache ausgeht: Zeigen Sie jeden Vorfall immer an!“, rät die Kriminalpolizei.

Winfried Mahr

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