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Friedhof für naturverbundene Menschen soll in Marbach entstehen - Amt und Kirche dagegen

Friedhof für naturverbundene Menschen soll in Marbach entstehen - Amt und Kirche dagegen

Die Toten und die Hinterbliebenen hätten hier wirklich ihre Ruhe, sagt Dieter Nitsche. Wenn es nach ihm ginge, würde die Asche von Verstorbenen künftig in seinem Wald im mittelsächsischen Marbach begraben.

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Dieter Nitsche will einen alternativen Friedhof für naturverbundene Menschen, den ersten in Sachsen. Das Landratsamt Freiberg und die Evangelische Landeskirche wollen das nicht.

Quelle: dpa

Marbach/Coswig. Möglichst unberührt soll alles bleiben: ohne Stein, ohne gepflanzte Blumen und Grabpflege. Er will einen alternativen Friedhof für naturverbundene Menschen, den ersten in Sachsen. Das Landratsamt Freiberg und die Evangelische Landeskirche wollen das nicht.

Baumbestattungen sind seit Juli 2009 in Sachsen erlaubt. Dabei wird die Asche in Urnen an den Wurzeln eines Baumes begraben. Nitsches Antrag auf Genehmigung eines Ruheberges ist dennoch abgelehnt worden. Er legte mehrfach Widerspruch ein. Nun muss die Landesdirektion Chemnitz entscheiden, ob in Marbach doch Sachsens erster Ruheberg entstehen darf.

Was im Freistaat ein Novum wäre, ist in allen anderen Bundesländern mit Ausnahme Thüringens schon seit Jahren Bestattungsalltag. Auf den insgesamt 69 Ruheforsten und Friedwäldern wurden seit 2000 bereits rund 27 000 Menschen bestattet.

Auf seinem idyllischem Vier-Hektar-Waldstück will Nitsche einen Ruheforst einrichten. Wer von den alten Rotbuchen in Richtung Feld geht, schaut auf die rund vier Kilometer entfernte Augustusburg. „Es ist traumhaft. Ich glaube, dass ich nach meiner Beerdigung in den ewigen Kreislauf der Natur eingehe“, sagt der 69-jährige Rentner. Er wolle weg von der „sklavischen Bestattungskultur“ in Sachsen, wo in vielen Fällen jeder dazu verpflichtet werde, irgendwann einmal in Reih und Glied auf einem gewöhnlichen Friedhof zu liegen.

Nitsche ist nicht der einzige Waldbesitzer in Sachsen mit alternativen Bestattungsideen. So will der Wettiner-Nachfahre Daniel von Sachsen in Coswig (Kreis Meißen) einen Friedwald anlegen. „Der Begrabene geht ja gewissermaßen in den Baum über“, schwärmt er. Schon zu Lebzeiten könnten sich die Menschen „ihren“ Baum aussuchen und einen Erbpachtvertrag über 99 Jahre abschließen. Die Kosten für die Bestattung beliefen sich auf rund 1000 Euro. Für die Einrichtung eines solches Friedwaldes bräuchte Daniel von Sachsen freilich die Zustimmung der Stadt als Träger. Die machte ihm jedoch einen Strich durch die Rechnung: Das finanzielle Risiko und die Verantwortung seien zu groß, hieß es.

Auch die Kirche und das für Bestattungswesen zuständige Sozialministerium sind gegen die Errichtung von Friedwäldern oder Ruhebergen. Das Argument des Ministeriums: Auf den vorhandenen Friedhöfen sei ausreichend Platz für naturnahe Baumbestattungen. Dafür würden keine neuen Areale gebraucht.

„Wir sind schon daran interessiert, dass die Fläche belegt wird“, sagt der Sprecher der Evangelischen Landeskirche in Sachsen, Matthias Oelke. Seine Gegenargumente sind freilich andere als die Friedhofseinnahmen für die Kirche. „Wenn ich schon wieder von einem Ruheberg höre, dann frage ich mich, wie ein Rollstuhlfahrer da hinkommen soll“, so Oelke. Auch glaube er nicht, dass die Totenruhe in einem Wald wirklich garantiert werden könne.

Nitsche hält diesen Punkt zumindest in seinem Fall für zu simpel. „In meinem Wald ist es still, man hört nur die Tiere, keine Autos, kaum Menschen. Auf einem kirchlichen Friedhof jedoch fahren Multicars und Minibagger, da ist immer Lärm“, sagt Nitsche. Daniel von Sachsen vermutet, dass die Kirche um ihr Begräbnis-Monopol fürchtet. Immerhin sei eine Naturbestattung deutlich günstiger als ein übliches Begräbnis. „Ich möchte den Friedwald aber nicht als Konkurrenz, sondern lediglich als Ergänzung zum Friedhof sehen“, sagt von Sachsen und kündigt an: „Ich gebe die Hoffnung nicht auf und kämpfe weiter.“

Anne Hähnig, dpa

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