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Früherer DDR-Vize-Minister Streletz wird 90 - Vorträge und Reisen

Früherer DDR-Vize-Minister Streletz wird 90 - Vorträge und Reisen

Der einstige DDR-Militär Fritz Streletz findet, dass der Sozialismus humanistisch war und den Frieden gesichert hat. Nach dem Mauerfall hat der Funktionär an seinen Überzeugungen festgehalten. Bis heute hält er Vorträge. Nun wird der Polit-Rentner 90.

Heinz Keßler (links) und Fritz Streletz.

Quelle: dpa

Berlin/Strausberg. Der frühere Vize-Verteidigungsminister der DDR, Fritz Streletz, hält Kontakt zu den alten Genossen. Ende Oktober werde er bei einem Treffen mit früheren Grenzsoldaten ein Referat halten, sagt Verleger Frank Schumann. „Streletz ist sehr vital und unverändert politisch aktiv.“ An diesem Mittwoch (28. September) wird der einstige Generaloberst 90 Jahre alt. Interviews will er nicht geben, er lässt Schumann das Wort, der auch sein Buch „Ohne die Mauer hätte es Krieg gegeben“ herausgegeben hat.

Erst kürzlich sei der damalige Stellvertreter von DDR-Verteidigungsminister Heinz Keßler in China bei der dortigen Kommunistischen Partei zu Gast gewesen, berichtet Schumann. Der 64-Jährige verantwortet in der Berliner Eulenspiegel-Verlagsgruppe die edition ost. Und jedes Jahr fliege Streletz auch nach Kuba, meist im Frühjahr. Bis zu ihrem Tod habe er von dort aus auch die frühere DDR-Ministerin für Volksbildung Margot Honecker besucht. Die Witwe von SED-Parteichef und DDR-Staatschef Erich Honecker starb im Mai dieses Jahres im Alter von 89 Jahren im Asyl in Santiago de Chile.

Streletz, der im brandenburgischen Strausberg lebt, hatte 2011 zusammen mit seinem einstigen Chef Keßler das Buch präsentiert, in dem der Bau der Mauer als notwendig und richtig dargestellt wird. Keßler ist mittlerweile 96 Jahre alt und lebt in einer Pflegeeinrichtung in Berlin.

Nach Ansicht der beiden DDR-Spitzenfunktionäre hätten sich ohne die Mauer die Konflikte zwischen den damaligen Militärbündnissen in Ost und West weiter zugespitzt. „Die Arbeiter und alle Werktätigen der Deutschen Demokratischen Republik atmeten nach dem 13. August 1961 erleichtert auf, weil dem Treiben der Bonner Menschenhändler und Revanchepolitiker ein schnelles Ende bereitet wurde. Jetzt ist die Atmosphäre gereinigt und die Perspektive klar“, schrieben sie. Von 1961 bis 1964 war er Chef des Stabes im Militärbezirk III mit Sitz in Leipzig.

Bei der Buchvorstellung zum 50. Jahrestag des Mauerbaus hatte es Proteste von SED-Opfern gegeben. Streletz sagte damals, DDR-Soldaten hätten auf „Grenzverletzer“ nur als „absolute Ausnahme“ geschossen. Die Zahl der Mauertoten werde aufgebauscht. Zum Erhalt des Friedens in Europa seien „viele Härten, viel Leid und viele Unannehmlichkeiten“ unumgänglich gewesen. Streletz sprach von unverminderter Hetze, Verleumdung und Kriminalisierung der Grenztruppen.

Streletz war in der DDR nach eigenen Worten 25 Jahre im Ministerium für Nationale Verteidigung für „besondere Vorkommnisse an der Grenze“ verantwortlich. Nach der Wiedervereinigung wurde er zu fünfeinhalb Jahren Haft wegen Totschlags von DDR-Flüchtlingen verurteilt, musste aber nur einen Teil im Gefängnis verbüßen. Streletz sah sich als unschuldig, einen Schießbefehl an der Mauer leugnete er.

Streletz, geboren im heutigen Polen (damals Oberschlesien) hatte nach dem Zweiten Weltkrieg und sowjetischer Kriegsgefangenschaft zunächst in der DDR-Volkspolizei Karriere gemacht. 1971 wurde der Militär zum Sekretär des Nationalen Verteidigungsrates der DDR ernannt, später stieg er zum Stellvertreter von Keßler auf.
Jutta Schütz

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