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Frust in Neonazi-Szene wird zum Problem für NPD-Chef

Frust in Neonazi-Szene wird zum Problem für NPD-Chef

Die Verhinderung des sogenannten Trauermarschs der rechtsextremen Jungen Landsmannschaft Ostdeutschland (JLO) durch Zehntausende Bürger und das Bündnis "Nazifrei! Dresden stellt sich quer" hat zu heftigen Verwerfungen in der Neonazi-Szene geführt.

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Die Anhänger des linken Bündnisses „Nazifrei! Dresden stellt sich quer“ blockieren die Strecke des geplanten Demonstrationszuges der Rechtsextremisten.

Quelle: dpa

Dresden. Ganz offen werden in rechtsextremen Internetforen nicht nur Polizei, Stadt und Gegendemonstranten attackiert, sondern auch die eigene Führung. Diese habe bewusst "die eigenen Kameraden in die Falle" laufen lassen, heißt es zum Beispiel in einem Eintrag vom Montag. Die Spitze bestehe aus "Verrätern" und gehöre "ausgetauscht". Damit wird das vergangene Wochenende auch ein Problem für NPD-Fraktionschef Holger Apfel. Seit Jahren versuchen er und seine Spitzenkader die sogenannten nationalen Sozialisten einzubinden, auch weil sie sie als billige Wahlhelfer brauchen. Gleichzeitig darf die NPD nicht vollends den Schulterschluss mit gewaltbereiten Neonazis suchen, weil sie sonst das verprellt, was sie "Mitte der Gesellschaft" nennt. Entsprechend lautet die heimliche Strategie: Die tiefbraune Szene muss bedient werden, Gewalt-Exzesse aber sind zu unterbinden.

Die Folgen dieser Zwickmühle lassen sich jetzt im Neonazi-Netz nachlesen. "Was ihr Disziplin nennt", notiert ein aufgebrachter Rechtsextremist an die Adresse der eigenen Führung, "ist nichts als Gehorsam dem Feind gegenüber." Er habe keine Lust mehr "auf angebliche Kameraden, die gegen kampfeswillige wirkliche Kameraden vorgehen". Wie groß der Frust in der Szene nach dem Wochenende in Dresden ist, zeigen auch die Aktionen in Gera und Pirna, wo Rechtsextremisten noch am Sonnabend aufzogen oder randalierten. Und auch gestern wieder versammelten sich Neonazis in Meißen, bis die Polizei einschritt.

Letztlich ist das Ausdruck des NPD-Dilemmas rund um den 13. Februar in Dresden. Der geplante Aufmarsch ist der letzte große Tummelplatz für Ewiggestrige bundesweit. Heraus kam diesmal aber erstmals keine Demonstration des sogenannten nationalen Widerstands, sondern ein Symbol der Schwäche. Entsprechend fürchten NPD-Kader, dass die frustrierten freien Kameraden im nächsten Jahr um Dresden einen großen Bogen machen - und das im Vorfeld der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern. So ist es kein Wunder, dass Apfel bereits dafür plädiert hat, "über neue Formen der Durchführung des Trauermarschs" nachzudenken.

Gleichzeitig ist nicht auszuschließen, dass die Neonazi-Szene sich nach neuen Identifikationsorten umschaut. So befürchten Insider, dass es schon am 5. März zu Ausschreitungen in Chemnitz kommen könnte. Auch für diesen Tag blasen Rechtsextreme zum "nationalen Gedenken" an das, was sie "alliierten Bombenterror" nennen.

Jürgen Kochinke

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