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Gartenreich an der Neiße: Pückler-Parks in der Lausitz feiern Jubiläum

Gartenreich an der Neiße: Pückler-Parks in der Lausitz feiern Jubiläum

Hermann von Pückler-Muskau (1785-1871) hatte einen ehrgeizigen Plan, als er sich am 1. Mai 1815 an die Bevölkerung wandte: Das karge Muskau an der Neiße solle sich in ein Gartenreich verwandeln.

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Prächtige Kulisse für Kunst: Das Schloss im Fürst-Pückler-Park in Sachsen ist nach 20 Jahren Umbau jetzt vollständig renoviert.

Quelle: Stiftung Fürst-Pückler-Park Bad Muskau/Astrid Roscher

Bad Muskau/Cottbus. Der Standesherr bat darum, ihm die dafür nötigen Grundstücke zu „vernünftigen Bedingungen“ zu überlassen. Der Aufruf gilt als Geburtsurkunde für den berühmten Landschaftspark, der seit 2004 zum Unesco-Weltkulturerbe gehört. 

Den 200. Jahrestag im kommenden Jahr begeht die Stiftung Fürst-Pückler-Park im sächsischen Bad Muskau mit mehreren Events. Auch im brandenburgischen Cottbus feiert der etwas kleinere Pückler-Park, der Branitzer Park, im nächsten Jahr ein Jubiläum.

Dann wird es 170 Jahre her sein, dass mit den Arbeiten an dem Landschaftsgarten begonnen wurde. Dort fand der exzentrische Adlige und Lebemann Pückler seine letzte Ruhe - in einer eigens dafür gebauten Erdpyramide in einem See.  Beide Parks ließ Pückler so anlegen, dass sie naturbelassen aussehen. Riesige Bäume, weitläufige Wiesen und verschlungene Wege prägen das Landschaftsbild. Inspiration holte er sich von seinen Reisen, die ihn unter anderem nach England und Ägypten führten. Der Geschäftsführer der Stiftung Fürst-Pückler-Park Bad Muskau, Cord Panning, sagt über die historische Überlieferung für den Muskauer Park: „Ein historisch so genau verbürgtes Datum ist für Parkanlagen selten.“ Um den 1. Mai soll es eine Feier geben. Zum Jubiläum will die Stiftung auch ein neues Format ausprobieren: „Parkplausch am Gartentisch“. 

Dazu ist geplant, jeweils drei Tische auf deutscher und polnischer Seite des grenzüberschreitenden Landschaftsgartens aufzustellen, etwa im Herrengarten, an der Jeanetteninsel oder am Pückler-Stein. An fünf Wochenenden sollen sich dort Leute treffen, die einen Bezug zu Pücklers Meisterwerk haben. Der Park liegt heute zu zwei Dritteln in Polen. „Mich reizt eine andere Perspektive, um das Menschliche in den Park zu holen“, sagt Panning. Zum deutsch-polnischen Parkfest am 30. Mai ist Premiere. Dass sich Passanten hinzugesellen ist ausdrücklich erwünscht. 

Im Juni des Jubiläumsjahres soll der sanierte Kuppelpavillon im Badepark eröffnet werden. Für Anfang Juli ist eine Aufführung von Webers „Freischütz“ unter freiem Himmel geplant. Es war die Lieblingsoper des Grünen Fürsten. „Das ist ein schöner direkter Bezug, Pückler mit seinen Vorlieben im Park zu begegnen“, sagt Panning. Ende August 2015 wird im Cottbuser Pückler-Park die restaurierte Grabpyramide im See offiziell wieder der Öffentlichkeit übergeben. Wind und Wetter hatten den Hügel - auch Tumulus genannt - schrumpfen lassen. Mit der Restaurierung erreicht die Erdpyramide wieder ihre einstige Höhe von rund 13,50 Metern.

Uferabschnitte und kleine Inseln wurden zudem zurückgeschnitten und so weit wie möglich in ihren Originalzustand versetzt. Über den Beginn der Arbeiten am Branitzer Park vor bald 170 Jahren sagt der Direktor der Stiftung Fürst-Pückler-Museum Park und Schloss Branitz, Gert Streidt: „Pückler bezeichnete die Gegend so: platt wie ein Pfannkuchen.“ Er habe an seinem Alterssitz eine wilde, ungestaltete Landschaft vorgefunden. Jeder Fußbreit des Parks sei mit einem Spaten berührt worden. Mitte Mai ist ein Gartenfestival geplant, bei dem auch drei Salons im Branitzer Schloss wiederöffnet werden. „Dort erlebt man wieder Pücklersche Wohnkultur“, kündigt Streidt an. Die Räume seien drei Jahre lang restauriert worden. Unter anderem wurden die kostbaren Wandbespannungen aus Seidendamast erneuert.

Anett Böttger und Anna Ringle-Brändli

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