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Geburtenschwache Jahrgänge sorgen bei Fahrschulen für Umsatzeinbrüche

Geburtenschwache Jahrgänge sorgen bei Fahrschulen für Umsatzeinbrüche

Sachsens Fahrschulen gehen die Schüler aus. Durch die geburtenschwachen Jahrgänge nach der Wende kämpfen vor allem die Unternehmen auf dem Land um Kunden.Verkehrspsychologe Bernhard Schlag von der Technischen Universität Dresden sagt: "Es gibt einfach weniger Jugendliche, die eine Fahrerlaubnis brauchen.

Leipzig. n. Die klassische Klientel der Fahrschulen ist nur noch halb so umfangreich. Der entstehende Druck wird dadurch groß." Auch Andreas Grünewald, Sprecher des Landesverbandes sächsischer Fahrlehrer, konstatiert: "Die Fahrschüler bei den Zweiradklassen beispielsweise sind deutlich zurückgegangen." Von den rund 900 Fahrschulen im Freistaat haben sich etwa 500 im Verband zusammengeschlossen.

Bedingt durch den demografischen Wandel müsse aber deutlich zwischen Großstädten wie Leipzig und Dresden auf der einen Seite und den ländlichen Gebieten auf der anderen unterschieden werden. Gerade in Leipzig sei zu beobachten, dass durch attraktive Studienmöglichkeiten auch einige junge Leute aus den alten Bundesländern ihre Führerscheinausbildung absolvierten, so Grünewald. Im ländlichen Raum dagegen sei die Lage durchaus problematisch. "Dort sinkt die Zahl der Fahrschüler." Umso mehr müssten sich die Kollegen dort um neue Projekte kümmern,

Für Thomas Focking, Leiter des Kreisverbandes in Grimma, passiert jetzt "bei uns das, was vorher schon an Schulen und Kindergärten geschehen ist". Dazu fielen eben jene Fahrschüler weg, die ihren Führerschein am Studienort machten. "Gesprochen wird darüber bei uns kaum. Gefühlt aber wird schon, dass es weniger Schüler werden", so Focking. Wohl dem, der es bis zur Rente geschafft habe. Wie Focking hoffen viele in der Branche auf eine "natürliche Lösung" des Problems. Denn in den kommenden zehn Jahren werden viele Fahrlehrer in Sachsen altersbedingt aufhören. Bis dahin allerdings gilt es durchzuhalten - und sich der Konkurrenz zu stellen. Focking weiß: "Dumpingpreise sind jedenfalls keine Lösung, um zu überleben." Aber billig heißt ja nicht immer günstig. "Keine schwarzen Schafe, doch Fahrschulen, die deutlich billiger fahren. Das macht uns Kummer", so Focking. Dagegen tun könne man nichts, außer hoffen, dass Fahrschüler auch auf die Qualität der Ausbildung achten. "Mund-zu-Mund-Propaganda ist dabei noch immer der beste Helfer."

Verbandssprecher Grünewald hat dennoch Hoffnung. "Wir sagen zu unseren Mitgliedern: Leute, kümmert euch um neue Geschäftsfelder. Die Voraussetzungen sind gegeben." Er verweist beispielsweise auf die erweiterte Nutzfahrzeugausbildung. Für LKW- oder Busfahrer genüge seit September 2008/2009 europaweit nicht mehr nur eine Führerscheinausbildung, sondern es bedürfe unter Umständen einer weiteren, sehr umfangreichen Grundqualifikation. Dafür müssten Fahrschulen allerdings in entsprechende Technik und Ausbildung investieren. Weitere Pluspunkte seien das verpflichtende Schulungsprogramm für Zivildienstleistende sowie freiwillige Seminare für erfahrene Kraftfahrer oder für den Umgang mit neuen intelligenten Fahrerassistenzsystemen.

Grünewald fordert gleichzeitig von der Politik mehr Maßnahmen zur Erhöhung der Verkehrssicherheit für Fahranfänger. "Wir befürworten eine sogenannte mehrphasige Fahrausbildung mit Fahrschule, begleitetem Fahren und einer zweiten Fahrausbildungsphase nach einem halben Jahr." Denn wöchentlich stürben im Durchschnitt noch immer 18 junge Fahrer in Deutschland. "Wir wünschen uns mehr Unterstützung und nicht nur finanzielle Rechenbeispiele wie auf dem Verkehrsgerichtstag." Verkehrspsychologe Schlag hingegen hat seine Zweifel, dass das Problem der Fahrschulen von der Politik gelöst werden kann: "Es ist eben eine schwierige Situation."

Roland Herold

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