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Gedenken an in Dresden ermordete Ägypterin Marwa El-Sherbini

Gedenken an in Dresden ermordete Ägypterin Marwa El-Sherbini

Getrennte Erinnerung: Alljährlich am 1. Juli gedenken die Dresdner der Ermordung der Ägypterin Marwa El-Sherbini im Landgericht. Auch am Freitag sind entsprechende Feierlichkeiten geplant.

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Wenige Tage nach dem Mord an Ägypterin Marwa El-Sherbini kleben zwei Männer ein Foto von ihr an eine Wand vor dem Rathaus in Dresden.

Quelle: dpa

Dresden. Sachsens Justiz und Justizminister Jürgen Martens (FDP) versammeln sich zu einem stillen Akt im Landgericht, wo die Bluttat aus Fremdenhass geschah. Ausländerrat, muslimische Vereine sowie die Ausländerbeauftragten von Stadt und Land haben für den Abend zur Gedenkveranstaltung vor dem Gebäude aufgerufen.

Mit der Gedenkfeier im Gericht will die Justiz des Freistaates ihre Anteilnahme ausdrücken, teilte das Justizministerium am Mittwoch mit. Seit einem Jahr erinnert eine Gedenktafel im Foyer an das Verbrechen vom 1. Juli 2009. Die schwangere El-Sherbini hatte damals bei einer Berufungsverhandlung als Zeugin ausgesagt. Danach war die 31-Jährige vor den Augen ihres dreijährigen Sohnes im Gerichtssaal von dem Angeklagten niedergestochen worden. Ihr Mann wurde lebensgefährlich verletzt und in einer Notoperation gerettet. Der Täter, ein Russlanddeutscher, wurde im November 2009 zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt.

Das Verbrechen hatte bundesweit Aufsehen erregt und Proteste in der islamischen Welt ausgelöst. Bei Trauerfeiern in Dresden wurden Kritik an der Ausländerfeindlichkeit selbst in der Stadtverwaltung laut und Diskriminierungen von Menschen anderer Nationalität beklagt. Daran hat sich aus Sicht des Ausländerrates nichts geändert. „Dresden kann noch heute mit dem Mord an Marwa El-Sherbini nicht umgehen“, sagte Vorsitzender Sebastian Vogel der Nachrichtenagentur dpa. Bisher gebe es keine Initiative, diesen Tag als gemeinsamen Gedenktag zu begehen. Die Beteiligung der Stadt an der jährlichen Erinnerung sei eher pflichtgemäß.

Laut Vogel trauten sich nach der Tat muslimische Frauen nicht mehr auf die Straße, weil sie noch mehr als zuvor in der Öffentlichkeit diskriminiert und beschimpft wurden. Inzwischen seien sie kaum noch sichtbar im Stadtbild. Entgegen der Versprechungen seitens der Stadt sei nicht viel passiert. „Die Worte sind Phrasen geblieben.“ So war der von der Oberbürgermeisterin eingerichtete Runde Tisch ebenso eine Eintagsfliege wie Unterstützungszusagen an die Gemeinschaft der Muslime für ein islamisches Kulturzentrum.

Kommunale Gelder flossen bisher nur in einen vom Ausländerrat begründeten Treffpunkt für stark verängstigte muslimische Frauen, der sich zum Interkulturellen Frauentreff entwickelte. „Die Bevölkerung ist einer Auseinandersetzung mit dem Thema Ausländerfeindlichkeit ziemlich unaufgeschlossen“, sagte Vogel. Die meisten Bürger stünden auch dem Tod der jungen Mutter aus Ägypten in beschwichtigendem Desinteresse gegenüber. Daher brauche es dringend einen Diskurs über die wahre Weltoffenheit Dresdens, seiner Bürger und Verwaltung.

Mit dem Satz „Muslime gehören zu Dresden“ auf dem Gedenkplakat weist der Ausländerrat die Richtung. „Wir laden alle Dresdner ein, gemeinsam mit uns zu erinnern, zu mahnen und mit Dresdner Muslimen ins Gespräch zu kommen“, heißt es im Text. Ziel sei ein würdevolles Zusammenleben in der Stadt. Ein Forum zur Dimension rassistischer Morde am Vorabend und die offene Moschee im „Marwa Elsherbini- Kulturzentrum“ am Jahrestag sollen auf das Gedenken einstimmen. „Die Migranten und vor allem die Muslime nehmen den 1. Juli zum Anlass, ihre Türen weit zu öffnen.“

dpa

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