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Gefährlicher EHEC-Darmkeim: Erreger-Spur führt nach Lübeck - weiterer Fall in Sachsen

Gefährlicher EHEC-Darmkeim: Erreger-Spur führt nach Lübeck - weiterer Fall in Sachsen

Bei der Fahndung nach dem aggressiven Darmkeim EHEC weist eine mögliche Spur nach Lübeck: Bei drei Gruppen, die in demselben Restaurant gegessen haben, sind später EHEC-Fälle aufgetreten, wie das ZDF berichtete.

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EHEC-Bakterien unter dem Elektronenmikroskop.

Quelle: dpa

Hamburg/Berlin. Das Lokal wurde von den Gesundheitsbehörden bereits untersucht - nach Angaben von Gastronom Joachim Berger jedoch ohne Befund. Bundesweit gibt es inzwischen rund 2500 Menschen, bei denen der Durchfallerreger EHEC vermutet wird oder bereits nachgewiesen wurde. Die EU will den Kampf gegen die Infektionswelle unterstützen.

Die „Lübecker Nachrichten“ berichteten, es könnten sich bis zu 17 Patienten in Bergers Lokal angesteckt haben. Nach Informationen des ZDFs handelt es sich um eine dänische Reisegruppe, eine Gewerkschaftsgruppe und eine Familie. Aus der Gewerkschaftsgruppe sei eine Frau gestorben, zwei seien schwer erkrankt.

„Die waren aber drei, vier Tage in Lübeck und haben somit nicht nur bei uns gegessen“, betonte Berger am Samstagabend im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. „Bei uns waren sie am letzten Abend. Sie waren im Hotel und haben Frühstücksbüffet gemacht, sie haben eben überall etwas zu sich genommen.“ Bei ihm sei unter anderem Fleisch und Salat serviert worden. „Ob sie nun alle Salat gegessen haben, das weiß ich nicht“, sagte Berger.

Anfang der Woche seien bereits Hygiene- und Reinigungspläne sowie Lieferwege kontrolliert worden, berichtete Bergers Küchenchef Frank Michel. Das Kieler Landwirtschaftsministerium sieht bislang „keine heiße Spur“, wie Ministeriumssprecher Christian Seyfert der dpa sagte. Untersuchungsergebnisse des zuständigen Robert Koch-Instituts (RKI) lägen bislang nicht vor. Eine RKI-Sprecherin bestätigte, dass ein Team zu Kontrollen in Lübeck war.

Berger schloss im Gespräch mit dem ZDF nicht aus, dass er eine verseuchte Lieferung erhalten haben könnte. Seine Ware komme über Zwischenhändler vom Großhandel in Hamburg, berichtete der Gastronom. Seinem Lieferanten vertraue er. „Er hat uns auch eine Unbedenklichkeitsbescheinigung gegeben.“

Um ganz sicher zu gehen, habe er von sich aus alle Mitarbeiter, die in der Küche arbeiten, zum Labor geschickt, um eine Stuhlprobe untersuchen zu lassen. Die Ergebnisse sollen am Montag vorliegen, sagte Berger. Küchenchef Michel betonte, die Belegschaft werde mit demselben Essen wie die Gäste versorgt, und niemand sei erkrankt.

Vermutungen, nach denen Großveranstaltungen wie der Hamburger Hafengeburtstag als Ausbreitungsort für die EHEC-Welle infrage kommen, wiesen die Behörden am Samstag zurück. Die Hamburger Gesundheitsbehörde berichtete auf Nachfrage, RKI-Experten hätten bereits vor zehn Tagen das Hafenfest als Auslöser der EHEC-Welle ausgeschlossen. Auch das RKI betonte, „Pressemeldungen, wonach EHEC-Infektionen mit Großveranstaltungen in Verbindung gebracht werden, decken sich nicht mit den Erkenntnissen des RKI und stehen im Widerspruch zu dem epidemiologischen Profil des Ausbruchs“.

Die EU-Kommission will Deutschland bei der Suche nach dem EHEC-Ausbruchsort helfen. EU-Gesundheitskommissar John Dalli bot an, EU-Experten zu schicken. Außerdem soll eine EHEC-Internetplattform bis Montag auf die Beine gestellt werden, über die Behörden gezielt Informationen austauschen können. Unter anderem sollen zudem Hinweise auf Behandlungsformen vom RKI ins Englische übersetzt und den EU-Staaten bereitgestellt werden. Der Ausbruch soll am Montag auch eines der Themen beim Treffen der EU-Gesundheitsminister in Luxemburg werden.

Bundesweit stieg die Zahl der EHEC-Infektionen am Wochenende weiter. Allein in Niedersachsen wurden am Samstag 458 Fälle und Verdachtsfälle gezählt - 40 mehr als am Vortag. Mindestens 520 Patienten leiden im ganzen Land an dem lebensgefährlichen HU-Syndrom (HUS). Daran sind in Deutschland mindestens 18 Menschen gestorben.

Unter führenden Wissenschaftlern ist inzwischen Streit über das Krisenmanagement ausgebrochen. Der Ärztliche Direktor der Berliner Charité kritisierte die Arbeit des RKI. Das Universitätsklinikum habe erst in dieser Woche Fragebögen für die Patienten bekommen, sagte Ulrich Frei dem „Tagesspiegel“ (Samstag). „Das reicht nicht. Man hätte die Patienten interviewen sollen.“ Laut „Tagesspiegel“ wies eine RKI-Sprecherin die Vorwürfe zurück. Das Institut habe nach Ausbruch des Darmkeims zügig reagiert.

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach fordert die Einrichtung eines zentralen EHEC-Krisenstabs im Bundesgesundheitsministerium. Bislang seien die Zuständigkeit zwischen Gesundheitsämtern, Kliniken und dem Robert Koch-Institut nicht klar genug geregelt, sagte Lauterbach der in Berlin erscheinenden „BZ am Sonntag“.

Bei der Einfuhr in die USA werden aus Sicherheitsgründen Tomaten, Gurken und Salat aus Deutschland und Spanien streng kontrolliert. Russland hatte den Import von Gemüse aus der EU komplett gestoppt.

In Italien gibt es mittlerweile einen ersten EHEC-Verdachtsfall. Ein deutscher Tourist leide an einer schweren Durchfallerkrankung. Nach Erkenntnissen der Weltgesundheitsorganisation gibt es EHEC-Infektionen zudem in Österreich, Tschechien, Dänemark, Frankreich, den Niederlanden, Norwegen, Spanien, Schweden, Schweiz, Großbritannien und den USA. Von den meisten Patienten ist bekannt, dass sie zuvor in Deutschland waren.

dpa

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