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Gefahr für Trinkwasser: Alte Medikamente landen im Abwasser und verunreinigen Flüsse

Gefahr für Trinkwasser: Alte Medikamente landen im Abwasser und verunreinigen Flüsse

Schmerzmittel, Antibiotika und Psychopharmaka: Immer häufiger lassen sich Rückstände von Medikamenten in der Umwelt nachweisen, sagt Karin Bernhardt, Sprecherin des sächsischen Landesumweltamtes.

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Immer häufiger werden Rückstände von Medikamenten in der Umwelt nachgewiesen.

Quelle: Matthias Hiekel

Leipzig. Bis zu 150 verschiedene Wirkstoffe haben die Wissenschaftler in Deutschlands Flüssen und Seen, selbst im Grund- und Trinkwasser, entdeckt.

In Sachsens Flüssen wurden laut Landesumweltamt neben dem schmerzstillenden Mittel Diclofenac - unter anderem in Voltaren enthalten - vor allem das Schmerzpräparat Ibuprofen und das Antiepileptikum Carbamazepin in erhöhter Konzentration gemessen. "In der Regel entfalten nur 10 bis 30 Prozent der in Medikamenten enthaltenen Substanzen im Körper ihre Wirkung", erklärt Wolf von Tümpling vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ ) in Magdeburg. Der Großteil werde ausgeschieden, lande im häuslichen Abwasser und gelangt über Kläranlagen zurück in den Wasserkreislauf.

Entsorgung läuft oft falsch

Ein weiteres Problem: Viele Verbraucher entsorgen abgelaufene Arzneimittel falsch. 47 Prozent kippen flüssige Medikamentenreste in die Spüle oder Toilette, ergab eine Studie des Instituts für sozial-ökologische Forschung (ISOE). "Nur 15 Prozent der Verbraucher entsorgen ihre Medikamente richtig, wie empfohlen über den Restmüll", sagt ISOE-Forscher Konrad Götz. Noch besser ist die Ablieferung in der Apotheke.

Untersuchungen, die Arznei-Spurenstoffe im Trink- und Abwasser nachweisen, sind aufwendig und teuer - zudem besteht in Deutschland dazu bisher keine Pflicht. Aktuell gebe es keine gesetzlichen Grenzwerte, berichtet Katja Gläß, Pressesprecherin der Kommunalen Wasserwerke Leipzig. Allerdings lassen sich die chemischen Verbindungen mit den üblichen Aufbereitungstechniken nicht restlos aus dem Abwasser filtern. "Es gibt Technologien, die Spurenstoffe zum Teil eliminieren können", so Gläß. Die Leipziger Kläranlagen mit der sogenannten "vierten Reinigungsstufe" aufzurüsten sei zwar kostspielig, könnte zukünftig aber auf der Agenda stehen.

Auch der Wasserverband Döbeln-Oschatz "nimmt das Thema der Arzneimittelrückstände im Trinkwasser nicht auf die leichte Schulter", sagt Geschäftsführer Hans-Jürgen Gemkow. Das Wasser komme aber aus tiefen, geschützten Grundwasserleitern und nicht aus Oberflächengewässern. "Daher kann ein Eindringen von Medikamentenrückständen weitestgehend ausgeschlossen werden."

Schmerzstiller schadet Fischen

Insbesondere für viele Fischbestände kann der Medikamenten-Cocktail gravierende Folgen haben, ergänzt von Tümpling vom UFZ Magdeburg. Selbst geringe Dosen des schmerzstillenden Mittels Diclofenac können bei Forellen Nierenschäden verursachen, so der Gewässeranalytiker. Studien haben gezeigt, dass unter Lichteinfluss Diclofenac zersetzt wird und im Wasser toxische Stoffe freigesetzt werden. Hormonreste der Pille lassen männliche Fische verweiblichen, und Beruhigungsmittel verändern das Verhalten der Tiere.

Für den Menschen besteht nach jetzigem Wissensstand keine akute Gefahr durch Arznei-Reste im Wasser. "Bislang gibt es keinen Nachweis auf eine schädigende Wirkung", sagt Helmholtz-Forscher von Tümpling. "Allerdings fehlen Langzeitstudien."

Benjamin Winkler

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