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Gegen das Vergessen: Schicksal von DDR-Grenzopfern soll erforscht werden

Gegen das Vergessen: Schicksal von DDR-Grenzopfern soll erforscht werden

Sie wollten in die Freiheit und schafften es nicht: Mehr als zwei Jahrzehnte nach dem Mauerfall werden die Schicksale von Opfern des DDR-Regimes an der innerdeutschen Grenze untersucht.

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Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU). (Archivfoto)

Quelle: dpa

Berlin. Mit dem Forschungsprojekt, das am Freitag in Berlin startete, soll auch die Zahl der getöteten DDR-Flüchtlinge zwischen 1949 und 1989 erfasst werden. Bislang ist nicht bekannt, wie viele Menschen entlang der innerdeutschen Grenze ums Leben kamen.

Den Toten solle ein Gesicht und Würde wiedergegeben werden, sagte Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) am Freitag kurz vor dem 51. Jahrestag des Mauerbaus vom 13. August 1961.

Gegenwärtig ist nur die Zahl der Opfer des SED-Regimes an der Berliner Mauer wissenschaftlich erfasst. Demnach starben mindestens 136 Menschen zwischen 1961 und 1989. Jahrelang hatte es Forderungen gegeben, auch die Gesamtzahl der Opfer zu erforschen. Verschiedene Institutionen gehen von differierenden Opferzahlen aus.

Mit einem Totenbuch sollen nun ab 2016 die Opfer an der innerdeutschen Grenze gewürdigt werden. Die Biografien der Getöteten „werden uns daran erinnern, wie brutal sich die SED-Diktatur und das unmenschliche Grenzregime auf die Menschen in Deutschland ausgewirkt haben“, betonte Neumann in der Gedenkstätte Berliner Mauer.

Der Bund sowie die Länder Sachsen-Anhalt, Niedersachsen und Hessen fördern das Vorhaben zusammen mit einer halben Million Euro. Neumann bedauerte, dass sich die Mehrheit der Bundesländer nicht beteiligt. „Es ist eine nationale Aufgabe, die eigene Vergangenheit aufzuarbeiten.“ Die Forschungen sollen Ende 2015 abgeschlossen sein.

Der Chef des Forschungsverbunds SED-Staat der Freien Universität Berlin, Klaus Schroeder, der die Untersuchung leitet, sprach von 500 bis 700 Todes-Verdachtsfällen an der knapp 1400 Kilometer langen innerdeutschen Grenze. Ab 1955 sicherte die DDR ihre Außengrenzen militärisch ab, dennoch blieb das Sperrgebiet bis zum Mauerbau noch durchlässig. Doch: „Republikflucht war in der DDR ein Verbrechen.“ Die Zahl der Menschen, die über die Ostsee flüchteten, wird laut Schroeder ausgeklammert - wegen zu hohen Rechercheaufwands.

Neumann bekräftigte für die Bundesregierung, Vergessen und Verharmlosung der SED-Diktatur weiter entgegenzuwirken. Der Bund unterstütze die Geschichtsaufarbeitung jährlich mit 100 Millionen Euro. Gedenkstätten könnten aber nur Ergänzung für einen vertieften Unterricht zur Geschichte sein. Dass junge Menschen oft Demokratie und Diktatur nicht unterscheiden könnten, „muss alle Verantwortlichen in Deutschland wachrütteln“.

Die Stiftung Gedenkstätten Sachsen-Anhalt übernimmt ein Teilprojekt, mit dem die Repression gegen Flüchtlinge und Menschen mit Ausreiseantrag im früheren DDR-Bezirk Magdeburg untersucht wird, teilte der Kultusminister des Landes, Stephan Dorgerloh (SPD), mit. Niedersachsens Kulturministerin Johanna Wanka (CDU) erwartet, dass die Erkenntnisse und Biografien im Unterricht verwendet werden. „Junge Leute kann man am ehesten über Einzelschicksale erreichen.“

„Die Aufarbeitung ist keine ostdeutsche Aufgabe, sondern eine gesamtdeutsche Verpflichtung“, betonte der Chef der Staatskanzlei Hessen, Axel Wintermeyer (CDU). In Hessen gebe es ein umfangreiches Programm mit Zeitzeugen, die über die Vergangenheit berichteten.

Jutta Schütz, dpa

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