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Geschlossene Gesellschaft: Beifall für Egon Krenz und sein Buch

Geschlossene Gesellschaft: Beifall für Egon Krenz und sein Buch

Im dezenten Anzug mit gestreifter Krawatte nimmt der einstige DDR-Spitzenfunktionär Egon Krenz ein Bad in der kleinen Menge. „Egon, wir wären heute noch DDR, wenn Deine Vorschläge damals unterstützt worden wären“, ruft eine Rentnerin dem Ex-SED-Generalsekretär Krenz zu.

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Egon Krenz stellt sein aktualisiertes Buch vor.

Quelle: dpa

Berlin. „Egon, ich stimme Dir zu“, erklärt ein anderer. Immer wieder brandet Beifall auf. 

Am Dienstagabend präsentierte der 77-Jährige in Berlin die aktualisierte Auflage seiner Erinnerungen an den Herbst 1989 vor mehreren Dutzend „lieben Freunden“ und „verehrten Anwesenden“ in einer Ladengalerie der Zeitung „Junge Welt“. Geduldig warteten die Zuhörer auf ein Autogramm des Politrentners mit den staatsmännischen Posen. Seine öffentlichen Auftritte sind seltener geworden.   

Eine Handvoll Demonstranten muss draußen bleiben. Sie halten Schilder hoch - „Gegen Geschichtsfälschung“, „Stasi go home“ steht darauf. Die „Kommen Sie raus“-Rufe an Krenz dringen durch und werden mit Gelächter quittiert. Auch die einstige DDR-Bürgerrechtlerin Vera Lengsfeld protestiert. „Ich hätte viele Fragen - aber davor hat er wohl Angst“, sagt sie empört. Polizisten stehen vor dem Saal. 

Drinnen wird eine Doppelstunde Geschichte der besonderen Art gegeben, die doch nicht so überraschend ist. Krenz ist sich ohne Zweifel treu geblieben: „Es ist nicht wahr, dass die DDR 40 Jahre lang gegen das Volk regiert wurde“, donnert Krenz vom Podium herab. Die DDR werde von den jetzigen Siegern als „einziger Kriminalfall der Geschichte“ dargestellt. „Dafür wurde der Schmähbegriff Unrechtsstaat erfunden“, befindet der einstige SED-Spitzenmann, der im Oktober 1989 nach dem Sturz von Erich Honecker für ein paar Wochen an die Macht kam. Die Verletzung von Menschenrechten werde der DDR unterstellt - das seien Kampagnen, wettert er. 

Krenz sieht sich im Rückblick als besonnener Politiker, der im Herbst 1989 maßgeblich dafür sorgte, dass Massendemonstrationen und Maueröffnung friedlich verliefen. „Niemand aus der DDR-Führung hat im Herbst 1989 sowjetische Truppen angefordert. Es gab keinen Schießbefehl - das kann ich auf meinen Eid nehmen.“   

Ein ergrauter Ex-Oberstleutnant der NVA (Nationale Volksarmee) kann es bis heute nicht fassen: „Wir haben gewartet, dass ein Aufruf kommt: Schützt die DDR“, wendet er sich an Krenz. „Wer hätte einen Bürgerkrieg auf deutschem Boden verantworten sollen? Ich nicht“, ruft Krenz. Der Sozialismus sei zwar verloren gegangen - aber dafür ohne einen Tropfen Blut. Der 77-Jährige, der in Dierhagen an der Ostsee lebt, berichtet, wie er Dokumente im eigenen sowie im Bundesarchiv gesichtet habe. Krenz vermutet aber auch, dass „bundesdeutsche Dienste“ Papiere, die er einst in einem Panzerschrank hinterließ, entsorgt haben könnten. 

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Demonstration gegen Krenz im Vorraum.

Quelle: dpa

Aufgetaucht sei jedoch ein fast vergessen geglaubtes Reformpapier aus seiner Feder vom 17. September 89. Er habe es damals an Erich Honecker geschickt, sagt Krenz. Er habe ein Ende der Sprachlosigkeit im Politbüro (höchstes SED-Gremium) gefordert - und dass die Gründe für die Fehlentwicklungen im Land und massenhaften Ausreisen offen gelegt werden müssten. 

„Die DDR ist zerrieben worden im Kampf der Systeme“ - sie sei nicht an den eigenen Fehlern untergegangen, legt Zeitzeuge Krenz dar. „Wir hätten das beste Politbüro haben können - die internationale Situation war so, dass wir es nicht mehr packen konnten.“ Und dann noch: Die Bundesrepublik habe pro Kopf mehr Schulden in die deutsche Einheit gebracht als die DDR-Bürger. 

Auch Michail Gorbatschow und Bundespräsident Joachim Gauck kommen nicht gut weg bei Krenz. Gorbatschow habe nur viel geredet. Und Gauck solle die Bürger lieber zusammenführen, anstatt zu spalten. Nur zur Linken, die in Thüringen regieren will, äußert sich der wortgewaltige Ex-Funktionär nicht. „Dazu möchte ich nichts sagen. Diese Partei hat mich aus ihren Reihen ausgeschlossen.“

Jutta Schütz, dpa

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