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Gift im Goldriesling aus Sachsen – 4000 Liter Wein werden vernichtet

Winzer kritisiert Traubenerzeuger Gift im Goldriesling aus Sachsen – 4000 Liter Wein werden vernichtet

Nach dem Skandal um giftigen Wein in Sachsen spricht jetzt einer der betroffenen Winzer. In seinem Keller lagern 4000 Liter Goldriesling. Er fordert nun schnellere Kontrolle.

In Sachsen werden 4000 Liter Goldreisling vernichtet.

Quelle: dpa

Meissen/Diesbar-Seusslitz. Es steht endgültig fest: Der mit Rückständen des Pflanzenschutzmittels Dimethoat belastete Goldriesling aus Sachsen wird unter behördlicher Aufsicht entsorgt. Ein Termin stehe noch nicht fest, so Winzer Jan Ulrich, in dessen Kellerei in Diesbar-Seußlitz (Landkreis Meißen) der gesperrte Wein lagert. Es handele sich um 4000 Liter, erklärte der erfahrene Winzer. Schuld trifft ihn keine: Die belasteten Beeren für den Wein wurden von einem Traubenproduzenten angeliefert, dessen Namen er aber nicht nennen möchte.

„Zu keinem Zeitpunkt bestand eine Gefahr für Verbraucher“, betont Ulrich. „Der Wein war stets gesondert gelagert und kam auch nie mit anderen Weinen in Kontakt.“ Aufgefallen war das im Weinbau nicht zugelassene Mittel bei einer Routineprobe am 10. September letzten Jahres. Damals hatte das Landesamt für Gesundheits- und Veterinärwesen zehn Trauben als Probe genommen und ab 15. September untersucht. Die Analyse dauerte laut Protokoll bis 21. Oktober. Das Ergebnis der Belastung war der Weinkellerei danach mitgeteilt und der inzwischen fertige Wein gesperrt worden. Es wurde dann nochmals der Wein geprüft, um herauszufinden, ob sich das Insektizid im Vergleich zur Traubenprobe abgebaut hat. Es war jedoch weiter nachweisbar. Private Labore schaffen dies in wenigen Tagen. Denn durch einenlangen Untersuchungszeitraum könne den Winzern größerer Schaden entstehen, wenn sie die zu beanstandenden Weine mit anderen Chargen verschneiden oder gar andere Rebsorten mit den erlaubten 15 Prozent eines „unsauberen“ Weines auffüllen, so Ulrich. Da das Mittel generell im Weinbau verboten ist, muss jeglicher Wein mit geringsten Rückständen dieses Stoffes komplett entsorgt werden.

Kritk an langer Untersuchungszeit

Auch in der Weinkellerei in Diesbar-Seußlitz stammte nicht die gesamte Menge von einem Lieferanten. Insgesamt 13 Traubenerzeuger lieferten die Trauben, die gemeinsam in einem Tank ausgebaut wurden. Eine zeitgleich kontrollierte Traubenprobe hatte beispielsweise gar keine Beanstandungen aufgewiesen. Jan Ulrich kritisiert die lange Untersuchungszeit. Rein theoretisch hätte der Wein bis zum Ergebnis auch in den Verkauf gelangen oder als Federweißer ausgeschenkt werden können. „Zum Glück ist das nicht passiert. Sonst wäre es wohl ein Lebensmittelskandal geworden“, sagt Ulrich. Durch die geringe Menge des Mittels hätte nach Einschätzung der Behörden aber nie eine Gefahr für die Gesundheit bestanden.

Der gesamte Goldriesling, den Ulrich vom Jahrgang 2015 nun noch vermarktet, ist einwandfrei. Das garantiert der Winzer. Hierfür wurden nur Trauben aus dem eigenen, streng überwachten Anbau verwendet. Insektizide würden im Weingut gar nicht eingesetzt. Das Familienweingut wurde 1992 gegründet und hat einen guten Ruf in der Region, auch als Ausflugsziel mit Restaurant. Noch nie gab es Beanstandungen bei den Weinen. Deshalb ärgert sich der Winzer mit derben Worten über den Traubenlieferanten, der die kontaminierten Beeren brachte und letztlich das Image des gesamten Anbaugebietes gefährdete. Den entstandenen Schaden wolle er ihm in Rechnung stellen, Gespräche darüber liefen bereits.

Winzer fordert genauere Kontrolle

Ulrich will seine Traubenlieferanten künftig noch genauer kontrollieren und detailliert deren Spritzpläne überwachen. Er rät allen unerfahrenen Winzern, sich mit Fragen rechtzeitig an erfahrene Weingüter zu wenden. Ulrich ermuntert die Kleinwinzer auch zum Anbau neuer pilzwiderstandsfähiger Rebsorten, die wenig oder – etwa bei Souvignier gris – in guten Jahren sogar gar keinen Pflanzenschutz benötigten.

Auch den Weinbauverband sieht Ulrich, der dort selbst kein Mitglied ist, in der Pflicht. Der Verband, der sich als Vertreter der Weinbauern versteht, müsse insbesondere die Hobbywinzer für den Umgang mit Pflanzenschutzmitteln sensibilisieren. „Viel hilft nicht viel beim Spritzen“, sagte der Winzer. Und nicht zugelassene Mittel müssen tabu sein. Das sollten die Hobbyweinbauern bei Ablegen des gesetzlich geforderten Sachkundenachweises eigentlich lernen.
Der Weinbauverband Sachsen versucht sich unterdessen recht glücklos im Krisenmanagement, das sich zumindest öffentlich bisher auf Medienschelte beschränkt. Verbandschef Christoph Reiner ließ ausrichten, dass er für Anfragen nicht zu sprechen sei und beauftragte stattdessen Anwälte, die Berichterstattung zu unterbinden. In einer Pressemitteilung zuvor räumte er ein, dass sich das verbotene Pflanzenschutzmittel durchaus zu einem größeren Problem ausweiten könnte. Wörtlich heiß es: „Der Imageschaden für den sächsischen Wein ist derzeit noch nicht absehbar.“ Während zumindest seit Dezember schon einige sächsische Winzer davon gehört hatten, dass irgendwo im Anbaugebiet ein Wein gesperrt wurde, war der Weinbauverband nach eigenen Angaben völlig ahnungslos.

Für das Weingut Jan Ulrich und dessen angegliederte Kellerei scheint der Fall mit den 4000 Litern abgeschlossen. Ob noch andere Kellereien in Sachsen belastete Weine in ihren Tanks oder schon in Flaschen haben, untersuchen die Behörden. Immerhin stehen zwei Traubenerzeuger im Fokus des für Pflanzenschutz zuständigen Amtes für Landwirtschaft, Umwelt und Geologie. Unklar scheint weiter, ob Rebflächen direkt gespritzt wurden oder das Mittel durch sogenannte Abtrift von benachbarten Obstbauplantagen auf die Trauben gelangte – so, wie es die Betroffen angegeben haben.

Lars Müller

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