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Gitarre gespielt: Dresdner Straßenmusiker muss in Handschellen zur Polizei

Gitarre gespielt: Dresdner Straßenmusiker muss in Handschellen zur Polizei

„Ich mache wunderschöne Musik – schon seit sechs Jahren in der Prager Straße in Dresden.“ Davon ist Joscha W. felsenfest überzeugt. Der junge Mann hat Schlagzeilen gemacht.

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(Symbolbild)

Quelle: Martin Förster

Dresden. Denn nicht alle finden seine Musik wunderschön, am Dienstag wurde seine Straßenmusiker-Karriere deshalb vorerst gestoppt. Mitarbeiter des Ordnungsamtes brachten W. zur Polizei, um seine Personalien zu ermitteln. Für die Prager Straße bekam er einen Platzverweis. Die Interessengemeinschaft Freiräume, laut Eigenauskunft ein „Netzwerk für selbstorganisierte nicht profitorientierte Projekte in Dresden“, prangert jetzt das Vorgehen der Ordnungskräfte an. Sie bezeichnet die Aktion auf der Prager Straße als „befremdlichen Polizeieinsatz“.

Und das ist laut Joscha W. passiert: Ein Standbetreiber rief die Polizei, als der junge Straßenmusiker mal wieder auf der Prager Straße, etwa in Höhe der Centrumgalerie, in die Saiten seiner „schmalen Gitarre“ griff. Die Beamten rückten an, redeten mit ihm, W. packt zusammen und will gehen, wird aber festgehalten. Der Musiker versucht zu flüchten, daraufhin halten ihn mehrere Personen fest und er wird zu Boden gedrückt. Handschellen werden angelegt, er wird zum Einsatzfahrzeug der Ordnungskräfte „geschleift“, seine Hilferufe werden nicht akzeptiert. Er sei „brutal und gewalttätig“ fertig gemacht worden, schreibt W. in einem Gedächtnisprotokoll, „unglaubliches Unrecht“ sei ihm geschehen.

Das Ordnungsamt sieht das erwartungsgemäß anders. Nach der Beschwerde über den Gitarrenspieler sollte die Auftrittserlaubnis des Straßenmusikers kontrolliert werden. Der junge Mann hatte aber keine Genehmigung. „Er zog die Kontrolle vielmehr ins Lächerliche, in dem er angab, dass ihm Gott die Erlaubnis erteilt hat und er Walther von der Vogelweide sei“, so die Verantwortlichen der Behörde. Nachdem ihm erklärt worden sei, dass er bei weiterer Verweigerung seiner Personalien zum Polizeirevier gebracht werde, habe der junge Mann versucht, davon zu laufen. „Der Mitarbeiter des Ordnungsamtes hielt ihn am Arm fest.“ Daraufhin fing der Straßenmusiker „laut an zu schreien und bespuckte den städtischen Mitarbeiter“.

An dieser Stelle war die Geduld der Rathausmitarbeiter zu Ende, W. wurden Handschellen angelegt und der junge Mann „gegen seinen Willen zum Dienstfahrzeug verbracht“. Später bei der Polizei stellte sich heraus, dass das Amtsgericht Nürnberg den aus Mittelfranken stammenden Mann sucht, weil er sich in seiner Heimat als Schwarzfahrer einen Namen gemacht hat.

W. gibt indes nicht auf. „Ich spreche aus der Sichtweise des Lebens, der Liebe und der Freiheit und in ihrem Namen werde ich weiter Musik machen“, schreibt der junge Gitarrist. Es sei sein Recht, Musik zu machen, „gerade in der Prager Straße“. Außerdem brauche er das Geld, das er damit verdient, für Unterkunft und Unterhalt. In guten Zeiten bis zu 20 Euro pro Stunde, wie der junge Mann freimütig wissen lässt. Von Behördenseite aber droht ihm Ungemach. Das Ordnungsamt denkt über eine Anzeige gegen ihn nach.

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