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Goldabbau bei Prag bedroht Sachsen – Tschechische Delegation trifft Umweltschützer

Goldabbau bei Prag bedroht Sachsen – Tschechische Delegation trifft Umweltschützer

Goldabbau lohnt sich schon bei weniger als zwei Gramm Goldgehalt in einer Tonne Gestein. Der Konzern Astur Gold will 50 Kilometer südlich von Prag, direkt neben der Moldau, Gold mittels Cyanidscheideverfahren abbauen.

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V.l.: Vladimir Havel (tschechischer Journalis), Jiri Stastka, Jiri Bendl, Stefan und Olga Semken, Karl-Hartmut Müller, Paul Stark und Gottfried Mann.

Quelle: Franziska Schmieder

Dresden/Mokrsko. Sollte es zu einem Unglücksfall kommen, wäre durch giftige Substanzen im Wasser auch Sachsen betroffen. Deshalb trafen sich am Freitag deutsche Umweltschützer und eine tschechische Delegation in Dresden zu einer ersten Kontaktaufnahme.  

Jiri Stastka ist seit 1990 Bürgermeister des 400 Einwohner zählenden Dörfchens Mokrsko, das mitten im geplanten Abbaugebiet liegt. Der zurückhaltend wirkende Lokalpolitiker erhofft sich in Dresden Unterstützung von BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz) und NABU (Naturschutzbund). Für ihn und Jiri Bendl, der der örtlichen Bürgerinitiative gegen den Abbau vorsteht, war klar: „Der Kontakt mit Deutschland als direktem Nachbar ist ein logischer Schritt.“ Schon die Ankündigung, dass sie nach Deutschland reisen, habe für Aufmerksamkeit in der Heimat gesorgt. „Es ist wichtig, dass die Verantwortlichen wissen: Deutschland beobachtet, was hier geschieht“, sagt Stastka.  

Das halbe Dorf soll dem Abbaugebiet zum Opfer fallen. Zwar hat die gerade ins Amt gekommene tschechische Regierung in ihrer Regierungserklärung versprochen, keine weiteren Prospektionen (geologische Erkundungen) zuzulassen. „Die politische Lage kann sich jedoch schnell ändern“, sagt Bendl. Außerdem sei die Gesetzlage zum Bergbau in Tschechien voller Schlupflöcher und „Astur Gold hat gute Anwälte“, so Bendl. Wenn die Abbauanlage tatsächlich kommt, erhalten viele Anwohner viel Geld für ihr Land. „Aber zu welchem Preis?“, fragt Stastka.  

Wie funktioniert Goldabbau mit Cyanid?

 

Das goldhaltige Gestein wird im Tagebau gesprengt und zu feinem Mehl verarbeitet. Dann wird Wasser und Natriumcyanid beigemischt. Das Cyanid löst das enthaltene Gold ab. Allerdings reagiert die Chemikalie auch mit anderen Stoffen im Gestein, zum Beispiel mit Mineralien und Kupfer und bildet Toxide. „Das Steinmehl wird zu giftigem Sondermüll, der irgendwo gelagert werden muss“, berichtet Stefan Semken, der das Treffen im Umweltzentrum an der Schützengasse organisierte.  

Der Konzern Astur Gold fungiert nach Meinung von Semken und Bendl als Einstiegshilfe. Die tschechische Tochterfirma Astur Bohemian besitzt Kapital von rund 200.000 Kronen – das sind etwa 8000 Euro, lächerlich für ein Goldminen-Unternehmen. „Lundin Mining, ein Unternehmen aus Schweden und Kanada, hält 20 Prozent an Astur Gold“, weiß Semken zu berichten. Sollte die Schürflizenz erteilt werden, wird Astur schnell Geschichte sein und sich ein richtig großes Abbauunternehmen ansiedeln, vermuten die Naturschützer.  

Der geplante Tagebau reicht etwa 200 Meter in die Tiefe, umfasst ein Gebiet von rund 600 mal 400 Meter. Im Gestein unter Mokrsko befinden sich 9000 Tonnen Arsen, dass zusätzlich chemisch abgeschieden werden muss. Das Gestein enthält 1,5 bis 2 Gramm Gold pro Tonne, 300 Millionen Tonnen müssten abgebaut werden. All das in einem Gebiet, das viele Einwohner Prags zur Naherholung nutzen. Die Lage am Ufer der Moldau lässt die Dimensionen der Verschmutzung, sollte es zu einem Unglück kommen, bis nach Sachsen, im schlimmsten Fall bis Hamburg und entlang der Donau bis ans Schwarze Meer anwachsen. Deshalb wollen sich Dresdner und sächsische Umweltschützer engagieren.  

Karl-Hartmut Müller vom NABU Sachsen sagte den Tschechen am Freitag Unterstützung zu. Gottfried Mann, BUND Regionalgruppe Dresden, versprach den Kontakt zur Bürgerinitiative Pro Elbe herzustellen. Außerdem vereinbarten die Teilnehmer, die tschechische Online-Petition gegen den Goldabbau zu verbreiten. Zudem wäre es möglich, dass Bendl und Stastka im Rahmen der Dresdner TU-Umweltinitiative (TUUWI) an der Uni über die Situation in Mokrosko sprechen. 

„Es ist für uns nicht vorstellbar, dass unsere Heimat einfach verschwindet“, meint Stastka gegen Ende der Sitzung. Die Zusammenarbeit mit Sachsen, damit genau das nicht passiert, steht nun in den Startlöchern.

Franziska Schmieder

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