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Grenzen der Annäherung: Die deutsche Teilung wirkt nach

25 Jahre Wiedervereinigung Grenzen der Annäherung: Die deutsche Teilung wirkt nach

Sind sich die Deutschen in Ost und West näher gekommen und einander ähnlicher geworden? Eine Studie zu 25 Jahre Einheit zeigt, dass sich 45 Jahre Teilung längst nicht erledigt haben.

Zum 25. Jahrestag des Mauerfalls überqueren Menschen an der früheren Grenze zwischen Vacha (Thüringen) und Philippsthal (Hessen) die "Brücke des Friedens". Auch ein Vierteljahrhundert nach der Wiedervereinigung gibt es noch Unterschiede zwischen Ost und West.

Quelle: dpa

Berlin . „Kohl war von Hause aus optimistisch.“ Helmut Schmidts Urteil über seinen Amtsnachfolger als Bundeskanzler fällt knapp aus, aber hart. Nein, die ökonomischen Folgen der Vereinigung habe Helmut Kohl nicht einschätzen können. „Blühende Landschaften hatte der „Kanzler der Einheit“ den Ostdeutschen versprochen, als die D-Mark zu ihnen kam. Ein Vierteljahrhundert später resümiert eine Studie: Ein paar blühende Landschaften habe der Osten inzwischen zwar. Doch überall wird es sie wohl nie geben.

„Die Wirtschaftskraft des Westens hat unter anderem dafür gesorgt, dass wir heute in Mecklenburg-Vorpommern bessere Straßen haben als zum Beispiel in Nordrhein-Westfalen“, zitiert das Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung in seiner Studie „So geht Einheit“ Altkanzler Schmidt. „Die Perspektive muss aber sein, dass die Marktwirtschaft auch die Uckermark erreicht.“

25 Themenfelder haben die Forscher untersucht, von Einkommen über Einstellungen und Gesundheit bis zur Bildung zahllose Daten zusammengefügt. Das Ergebnis: „Die Unterschiede zwischen beiden Teilen Deutschlands sind noch erstaunlich groß“, sagt der Direktor des Berlin-Instituts, Reiner Klingholz, am Mittwoch bei der Vorstellung der Analyse. 45 Jahre Teilung wirkten länger nach, als viele das bei der Wiedervereinigung vor 25 Jahren gedacht hätten.

Doch wo sind sich Ost und West ähnlicher geworden? Die Frauen bekommen ähnlich viele Kinder, und auch der Westen sieht nun berufstätige Mütter positiv. Ossis und Wessis gönnen sich zudem die gleichen Fernseher und Telefone. Die massenhafte Abwanderung nach Westdeutschland scheint beendet - ebenso die Unzufriedenheit der Ostdeutschen mit den Umweltbedingungen in ihrem Wohnumfeld.

Und wo gibt es noch große Unterschiede? Es leben im Osten mehr Singles, weniger Ehrenamtler, mehr Schulabbrecher und es existieren mehr Vorbehalte gegen Ausländer. Im Westen geht gut jedes vierte Kind unter drei Jahren in die Kita, im Osten mehr als jedes zweite. Nur noch jedes dritte Kind im Westen wird religiös erzogen, im Osten ist es unverändert etwa jedes achte.

Ostdeutsche sind noch immer weniger zufrieden als Westdeutsche, gehen seltener zur Wahl und verdienen weniger. Ihr Bruttomonatsgehalt stagniert seit Jahren bei drei Vierteln des Westniveaus: 2800 Euro. Auch die Produktivität der Betriebe kommt nach schnellem Aufholen jetzt nicht mehr näher ans Westniveau heran.

Dennoch hat der Osten auch bei der Wirtschaft aufgeholt, wie andere Studien belegen. Bei Lohnstückkosten liegt er mit dem Westen gleichauf, die Produktivität hat sich seit 1991 nahezu verdoppelt, die Selbstständigenquote wächst. Zum Mauerfall-Jubiläum würdigte nicht nur das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung die große ökonomische Leistung der Ostdeutschen. Dabei gelingt es manchen Gegenden in Thüringen und Sachsen, zum Westen aufzuschließen; nördlich davon drohen hingegen ganze Regionen den Anschluss zu verlieren - wie in Westdeutschland auch. Aus dem deutschen West-Ost-Gefälle wird zunehmend ein Süd-Nord-Gefälle.

Unabhängig von Ost oder West zeigt sich auch: Die Menschen ziehen verstärkt in die wirtschaftsstarken Städte und verabschieden sich vom abgelegenen Land. Beim Rückblick auf 1990 spart das Berlin-Institut nicht mit Klischees. Die Rede ist vom Westen, der „knallig farbenfroh“, ins „Einheitsgrau des Ostens“ vordrang, wo die Zweitakter klackerten und Braukohleheizungen stanken. Doch diese Überspitzungen sind nur da, um das Erreichte noch größer scheinen zu lassen. „Kein Zusammenschluss einst getrennter Staaten mit derartig unterschiedlichen politischen Systemen hat je so reibungslos geklappt“, meint Klingholz. Die Einheit sei ein schwieriger, langwieriger Prozess der Annäherung, und aus strukturellen Gründen vermutlich nie vollständig vollzogen werden könne, lautet das Resümee. Klingholz stellt fest: „Dass viele Wessis Zeit ihres Lebens noch nie im Osten waren, ist nur ein Zeichen dafür, dass die Einheit länger braucht als eine Generation.“

Stereotype über die jeweils anderen haben die Forscher in Ost und West festgestellt. Eine Meinung fand sich bei den Ostdeutschen mit Abstand am häufigsten: 34 Prozent von ihnen halten die Westdeutschen für arrogant und eingebildet.

Burkhard Fraune und Bernd Röder

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