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Handwerker an den Grenzen Sachsens und Brandeburgs klagen: Diebe klauen fast alles vom Kabel bis zu Baufahrzeugen

Handwerker an den Grenzen Sachsens und Brandeburgs klagen: Diebe klauen fast alles vom Kabel bis zu Baufahrzeugen

Auf die Polizei sind die Handwerker in Grenznähe nicht gut zu sprechen. Jede vierte Firma in Ostsachsen und Südbrandenburg bewertet ihre Sicherheitslage als "schlecht", und jede dritte gibt an, dass es seit dem vorigen Jahr noch schlimmer geworden ist, weil die Polizei zu wenig Präsenz zeigt.

Dresden. Das ist kein Wunder, denn die Betriebe entlang der 577 Kilometer Grenze, die Sachsen und Brandenburg von Tschechien und Polen trennen, haben jedes Jahr vor allem durch Diebstähle Millionenschäden zu beklagen. Allein der Kammerbezirk Dresden meldet für 2013 einen Schaden von 1,3 Millionen Euro (2012: 1,35 Millionen Euro). Das geht aus der gemeinsamen Umfrage der Handwerkskammern Dresden und Cottbus hervor, die am Montag in Dresden vorgestellt wurde - für die Umfrage haben von 2000 Handwerkern im Kammerbezirk Cottbus 244 geantwortet, bei der HWK Dresden waren es 513 von 4480. Was da im Grenzgebiet ablaufe, klinge nicht nur "bedrohlich" erklärte Dresdens Kammerchef Jörg Dittrich, "die Angst vor Kriminalität gefährdet den Standort."

Dittrich und der Hauptgeschäftsführer der Cottbusser Kammer, Knut Deutscher, sind sich einig, das bei "diesem Thema mehr Druck auf den Kessel" gehöre und erklären, nächstes Jahr damit in beiden Ländern Wahlkampf zu machen. "Wenn wir das Problem nicht thematisieren, werden es Populisten und Radikale tun, und die werden dann die Schließung der Grenzen fordern", warnte Dittrich.

Ein Tischler in Bautzen hatte jetzt die Nase voll davon, ständig beklaut zu werden. Er legte sich einen scharfen Wachhund zu, brachte ein Schild mit Foto am Zaun an und dazu in deutscher, tschechischer sowie polnischer Sprache die Sätze: "Sie sehen ihn nicht, sie hören ihn nicht, aber er ist da". Das habe etwas geholfen, hieß es.

Dabei legt die Polizeistatistik durchaus nicht nahe, dass die Kriminellen vor allem von jenseits der Grenze kommen. Im besonders von Kriminalität heimgesuchten Kreis Görlitz betrug die Quote ausländischer Beteiligungen an allen Straftaten gerade einmal 20 Prozent. Was nicht ausschließt, dass Deutsche vor Ort nach einem Plan zugreifen, den organisierte Kriminelle jenseits der Grenze erdachten.

Deutscher warb um Verständnis für aufgebrachte Firmeninhaber: "Wenn in einem kleinen Grenzort ein Auto gestohlen wird, ist das eben etwas anderes, als wenn in einer Großstadt am Tag zehn Autos verschwinden." Und bei Autos bleibt es ja längst nicht. Geklaut wird fast alles: neben den Firmenwagen auch Baufahrzeuge, Material, Kabel, Technik. Und das, obwohl sich immer mehr Betriebe - allein im Kammerbezirk Dresden 57 Prozent - schützen. Sie bauen Zusatzschlösser und Alarmanlagen ein, installieren Videoüberwachung, Sicherheitstüren, Wegfahrsperren, engagieren private Wachdienste. Mit künstlicher DNA haben bislang nur 0,3 Prozent der Unternehmen gearbeitet.

Inzwischen sei das Thema Sicherheit bei Politik und Polizei angekommen, erklärt Dittrich, selbst wenn die Abbaupläne der Polizei in Sachsen bis 2025 etwas anderes nahelegen. Er versuche sein Bestes bei Innenministerium und Landeskriminalamt. Im Kreis Görlitz hätten sich in den ersten Städten "Sicherheitsstammtische" zusammengefunden, bei denen sich Handwerker, Polizei und Rathausvertreter vor Ort dem Problem nähern.

Die Lösungen haben die Kammerchefs ganz klar vor Augen: In Grenznähe muss die Polizei wieder mehr Präsenz zeigen. Die Strafverfolgung muss schneller in die Gänge kommen, um wirksam abzuschrecken. Und die Autobranche soll weiter an intelligenten Systemen feilen, um Diebstähle zu erschweren. "Da hat man inzwischen den Eindruck, die haben vor den kriminellen längst die Waffen gestreckt", schimpft Dittrich.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 10.12.2013

Barbara Stock

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