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Hartz-IV-Empfänger in Sachsen sind gut qualifiziert – dennoch schlechte Job-Chancen

Hartz-IV-Empfänger in Sachsen sind gut qualifiziert – dennoch schlechte Job-Chancen

Sachsen hat nach Thüringen bundesweit die am besten qualifizierten Hartz-IV-Empfänger. Die meisten arbeitslosen Menschen ohne Berufsabschluss finden sich hingegen in Bremen und Hamburg.

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Sachsen hat nach Thüringen bundesweit die am besten qualifizierten Hartz-IV-Empfänger.

Quelle: dpa

Leipzig. Die Bundesagentur für Arbeit (BA) appelliert an Firmen, auch Hartz-IV-Empfänger stärker bei der Besetzung von Stellen ins Auge zu fassen. Aus Sicht der Linken und des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) ein überfälliger Schritt, denn derzeit hätten etwa Langzeitarbeitslose kaum eine Chance auf einen Job.

Bundesweit ist jeder zweite Hartz-IV-Empfänger geringqualifiziert. Das bedeutet, dass die Hälfte der in den Jobcentern betreuten Arbeitslosen keine abgeschlossene Berufsausbildung vorweisen kann. Dadurch haben sie schlechtere Arbeitsmarktchancen als Menschen mit einer Ausbildung oder einem Studium, so Gunter Friedel von der Regionaldirektion der BA in Sachsen.

In Mitteldeutschland ist das Qualifikationsniveau arbeitsloser Hartz-IV-Empfänger am größten. Der Anteil von Geringqualifizierten beträgt in Thüringen nur 24,3 Prozent, in Sachsen 25,3 und in Sachsen-Anhalt 26,5 Prozent. Deutschlandweit am schlechtesten sieht es in Bremen (67,7) und Hamburg (64,5) aus.

Für Friedel spiegelt sich in den Zahlen auch das System der Berufsausbildung in der DDR wider, in dem nur ein geringer Teil der Jugendlichen ohne Ausbildung blieb. "Bei vielen Arbeitslosen liegt die Berufsausbildung schon längere Jahre zurück und sicherlich sind nicht alle Inhalte heute am Arbeitsmarkt noch verwendbar", sagt Friedel. Dennoch sei einiges davon auch heute noch relevant - "und sei es nur die Fähigkeit, sich neues Wissen anzueignen". Der Arbeitsmarktexperte verweist in diesem Zusammenhang darauf, dass künftig weniger Einsteiger in das Berufsleben zu verzeichnen sein werden, als Ältere aus diesem aussteigen. So verringere sich in Sachsen die Zahl der erwerbsfähigen Bevölkerung bis zum Jahr 2025 um über 410 000. Arbeitgeber sollten deshalb auch Langzeitarbeitslosen und anderen schwer Vermittelbaren eine Chance geben. Durch Qualifizierung und andere Maßnahmen könnten sie auf ihre neue Aufgaben vorbereitet werden.

Langzeitarbeitslose unter den Hartz-IV-Empfängern hätten nur geringe Chancen auf einen neuen Job, kritisiert die sächsische Bundestagsabgeordnete Sabine Zimmermann. Bislang würden bevorzugt Kurzzeitarbeitslosen Stellen angeboten. Die Linken-Politikerin zitiert eine Statistik der BA, wonach nur bei jedem neunten Langzeitarbeitslosen die Aufnahme eines Jobs Grund für die Beendigung seiner Arbeitslosigkeit ist. In der Regel fielen sie aus der Statistik aufgrund von Arbeitsunfähigkeit oder vorruhestandsähnlichen Regelungen.

Ganz anders verhalte es sich bei Kurzzeit-Arbeitslosen. Bis August dieses Jahres fand über ein Drittel derer, die nicht mehr arbeitslos gemeldet sind, einen Job in Unternehmen. Zimmermann spricht von einer Konzentration auf leicht Vermittelbare. Die Politik dürfe nicht länger dulden, dass "der Rest seinem Schicksal überlassen wird".

Kritik kommt auch von Sachsens DGB-Vize Markus Schlimbach. Mehr als die Hälfte der rund 314 000 erwerbsfähigen Hartz-Bezieher sei schon länger als vier Jahre bei den Jobcentern in Sachsen gemeldet, sagt er. "Diese 170 000 Menschen kommen nicht aus dem Hartz-IV-Bezug raus." Er nannte die Zahlen "einen deutlichen Beleg dafür, dass Langzeitarbeitslose weiterhin nur geringe Chancen auf einen Arbeitsplatz haben."

Drei Viertel aller Langzeitarbeitslosen im Freistaat, so Schlimbach weiter, hätten in den vergangenen zwölf Monaten keine arbeitsmarktpolitische Förderung erhalten. Zurückzuführen sei dies auf einen "Kahlschlag bei den arbeitsmarktpolitischen Instrumenten". Dadurch verfestige sich die Langzeitarbeitslosigkeit immer mehr. "Einmal Hartz IV - immer Hartz IV", so der Gewerkschafter.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 18.09.2013

Andreas Dunte

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