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Heidenau feiert mit Flüchtlingen - Polizei kesselt rechte Demonstranten ein

Versammlungsverbot bleibt bestehen Heidenau feiert mit Flüchtlingen - Polizei kesselt rechte Demonstranten ein

In Heidenau feierten am Freitag Flüchtlinge und Helfer gemeinsam ein Willkommensfest. Das zuvor verhängte Versammlungsverbot bleibt teilweise bestehen. Am Abend kam es am Rande zu leichten Krawallen. Die Polizei kesselte etwa 100 rechte Demonstranten ein.

Grünen-Chef Cem Özdemir nimmt in Heidenau am Willkommensfest für Flüchtlinge teil.

Quelle: dpa

Heidenau/Bautzen. Das Versammlungsverbot im sächsischen Heidenau bleibt nach einer Eil-Entscheidung des Oberverwaltungsgerichtes in Bautzen teilweise bestehen. Alle vom Bündnis „Dresden Nazifrei“ für diesen Freitag geplanten Veranstaltungen dürfen aber stattfinden, entschieden die Richter am Freitagabend. Währendessen hatte das Fest schon am Nachmittag begonnen.

Der kleine Mohammed hat noch nie Seifenblasen gesehen. Er läuft über den Parkplatz eines früheren Baumarkts in Heidenau und pustet die bunten Bläschen in die Luft. „Deutschland ist so schön“, sagt sein Vater, der ebenfalls Mohammed heißt. Vor rund einem Monat flüchtete er mit seiner Familie vor dem syrischen Bürgerkrieg. Jetzt stehen sie neben einer gelben Hüpfburg im sächsischen Heidenau, im Hintergrund läuft fröhliche Musik.

Dass das Willkommensfest des Bündnisses Dresden Nazifrei von zahlreichen Polizisten gesichert wird, bekommt der kleine Junge gar nicht mit. Auch nicht, dass das Fest bis zum letzten Moment auf der Kippe stand. Genau eine Woche nach Ausbruch der rechten und rassistischen Krawalle, die die Kleinstadt in die Schlagzeilen brachte, herrscht Volksfeststimmung vor dem Baumarktgebäude, in dem knapp 600 Flüchtlinge untergebracht sind. Mit einem Zwölftonner haben Freiwillige Kleidung, Spielsachen und Bücher aus Berlin gebracht. Nun liegen sie bunt verteilt und zur Abholung bereit auf der Wiese neben dem Parkplatz.

Dort, wo am vergangenen Sonntag noch Glasscherben und Reste von Feuerwerkskörpern lagen, suchen jetzt Mütter mit ihren Kindern nach passenden Kleidungsstücken und Stofftieren. „Warum soll ich Angst haben?“, fragt der 22-jährige Ahsan aus Pakistan und lacht. Ihm gefalle es hier in Heidenau sehr gut. Er spielt Fußball mit den Heidenauern, die es auch gibt: Hilfsbereite Bürger, die sich für Flüchtlinge engagieren und hier die Chance zur Begegnung mit den neuen Nachbarn nutzen. „Es ist gut, dass das Fest stattfindet“, sagt die 19 Jahre alte Luise, die nur wenige Meter von dem Baumarkt entfernt wohnt.

Nicht mal zwei Stunden vorher hatte Sachsens Innenminister Markus Ulbig (CDU) grünes Licht für das Fest gegeben, nachdem am Vorabend noch die Versammlungsbehörde des Landkreises ein Versammlungsverbot ausgesprochen hatte. Von einem Kniefall vor dem braunen Mob war anschließend bundesweit die Rede. Am Mittag dann wurde das Verbot vom Verwaltungsgericht per Eilentscheid kassiert.

Als Ulbig am Nachmittag auf dem Parkplatz am Baumarkt erscheint, wird mit „Hau ab“-Rufen und Pfiffen empfangen. Sofort bildet sich ein Pulk von etwa 30 zumeist linken Demonstranten um den CDU-Politiker. Auch einige Flüchtlinge beschimpfen ihn wüst.

Er könne die Kritik nur teilweise verstehen, sagt Ulbig. „Weil ich mit dafür gesorgt habe, dass diese Veranstaltung hier stattfinden kann.“ Auf dem Weg zurück zu seinem Wagen wird Ulbig von den Demonstranten verfolgt. Seine Sicherheitsleute können sie nur mit Mühe zurückhalten.

Ganz ohne Personenschutz kommt wenig später der nächste Regierungsrepräsentant. Sachsens stellvertretender Ministerpräsident Martin Dulig wird freundlich empfangen. Er wolle Gesicht zeigen, sagt der SPD-Landesvorsitzende: „Es ist wichtig, dass wir starke Zeichen setzen. Starke Zeichen der Willkommenkultur.“ Heidenau dürfe kein positives Signal für Rassisten sein.

Schon am Morgen hatte er seinen Kabinettskollegen Ulbig zum Handeln aufgefordert. Er gehe davon aus, dass das Innenministerium sicherstellt, dass das Fest stattfinden könne. „Der Zustand der Koalition ist desolat bis zum geht nicht mehr“, sagt Sachsens Linken-Chef Rico Gebhardt.

Grünen-Chef Cem Özdemir, der das Fest für mehrere Stunden besucht, empfindet fast Mitleid für Duligs SPD. „Ich kann mir gut vorstellen, dass es für die Sozialdemokraten nicht einfach ist, mit einem Koalitionspartner zu regieren, der unentschieden ist in der Frage, was Rechtsradikalismus angeht.“ Skeptisch beäugt wird das Fest von der anderen Seite.

Immer wieder stehen Menschen vor einem Supermarkt gegenüber und beobachten das Treiben mit ernsten Blicken. Manchmal fahren hupende Autos an der Wiese vorbei. Sind die „besorgten Bürger“ als Rechte zu erkennen, werden sie von der Polizei angesprochen.

Am Abend kommt es vereinzelt zu Unruhen. Polizeikräfte haben 100 rechte Demonstranten eingekesselt. Diese hatten sich gegenüber dem Notquartier für Asylsuchende an einem Supermarkt versammelt. Die Personalien wurden aufgenommen. Jeder der Demonstranten sollte zudem einen Platzverweis erhalten, wie ein Sprecher der Polizeidirektion Dresden der Deutschen Presse-Agentur sagte.

Nils Bastek und Martin Fischer, dpa

Heidenau 50.975843 13.866122
Heidenau
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