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Heimtückischer Mord an Schülerin - Angeklagter schweigt

Heimtückischer Mord an Schülerin - Angeklagter schweigt

Geschlagen und brutal erdrosselt: Die Dresdner Gymnasiastin Susanna H. hatte keine Chance gegen den Mann, mit dem sie seit Ostern zusammen war. „Am Morgen des 15. Dezember 2009 fasste der Angeklagte den Entschluss, die 18-Jährige hinterrücks zu töten“, sagte der Staatsanwalt am Freitag zum Auftakt des Prozesses gegen den Freund des Mädchens im Dresdner Landgericht.

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Quelle: dpa

Dresden. Die Leiche der Schülerin war am Morgen nach der Tat im verschlossenen Zimmer gefunden worden, in dem der Mann seit Juli 2007 lebte. „Ursache Erdrosseln“, verlas die Vorsitzende Richterin Birgit Wiegand die Todesbescheinigung.

Staatsanwalt Alexander Keller hielt dem 33-Jährigen nach der Anklageverlesung vor: „Sie sind schuldig, heimtückisch einen Menschen getötet zu haben, strafbar als Mord.“ Dann schilderte er die grausamen Details. Der Angeklagte habe Susanna H. zuerst mit einem Nudelholz „mindestens dreimal mit großer Gewalt“ auf den Hinterkopf geschlagen und dabei die Ahnungslosigkeit seiner Freundin ausgenutzt. „Sie hatte ihm den Rücken zugekehrt.“

Die Jugendliche verlor das Bewusstsein, stürzte zu Boden und erlitt einen Schädelbasisbruch. „Als der Angeklagte sah, dass sie noch lebte, schnitt er das Telefonkabel ab und schnürte es so fest um ihren Hals zusammen, dass es riss.“ Danach habe er sie mit dem Tuch, das die Gymnasiastin um den Hals trug, weitere zwei Minuten lang gedrosselt, „bis der Tod eintrat“, schilderte der Staatsanwalt.

Mit ihren Gefühlen kämpfend, verfolgten Susannas Vater und Großeltern die Anklageverlesung im Gerichtssaal. Als Richterin Wiegand Dokumente der Asylverfahren des Angeklagten verlas, schüttelte der Bauingenieur mehrfach den Kopf über die verwirrenden Angaben des Mannes, dem seine Tochter vertraute. Susanna hatte vier Geschwister, darunter ihre Zwillingsschwester, die Eltern haben ein Ingenieurbüro mit 20 Mitarbeitern im Nordwesten der Stadt. Die Tochter lernte am katholischen St. Benno-Gymnasium, nur wenige hundert Meter vom Asylbewerberheim entfernt.

Der kleine und schmächtige Angeklagte wollte sich zu Beginn der Verhandlung nicht äußern: „Ich möchte nichts sagen.“ Er bestätigte nur die nötigsten Angaben zur Person. Aus den Akten geht hervor, dass der Arbeitslose unbedingt in Deutschland leben wollte. Ein erstes Asylverfahren scheiterte 2006, ein weiterer Antrag 2007 wurde abgelehnt. Im Dezember 2009 stand er vor der Ausweisung, wie Rechtsanwalt Peter Manthey, Beistand des Vaters, sagte.

Dass Susanna und er ein Paar waren, sei offensichtlich gewesen, sagte der Heimleiter, der am Freitag als erster Zeuge gehört wurde. „Sie war öfter da, er hat für sie Blumen gekauft, Spaziergänge mit ihr gemacht, sie hielten Händchen.“ Der Heimleiter hatte am 16. Dezember 2009 die Leiche entdeckt. Der Mitbewohner des Angeklagten hätte zuvor von einem Streit berichtet, sagte er aus.

Der Angeklagte wurde zwei Wochen später im französischen Calais festgenommen. Er schweigt bisher. In dem laut einem Gerichtssprecher „klassischen Indizienprozess“ vor der Schwurgerichtskammer sollen nun 22 Zeugen helfen, die Hintergründe des Mordes und seiner Beziehung zu Susanna H. zu erhellen. Dem Psychiater, der seine Schuldfähigkeit begutachtet, hat der 33-Jährige gesagt, dass er die Tat nicht begangen habe.

Der Prozess wird am 9. September fortgesetzt.

Simona Block, dpa

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