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Stefan Henzes Herz transplantiert – Brasilianerin kämpft sich ins Leben

Leipziger starb bei tragischem Unfall in Rio Stefan Henzes Herz transplantiert – Brasilianerin kämpft sich ins Leben

Vor genau einem Jahr, am 15. August 2016, starb in Rio nach einem Taxiunfall der Leipziger Kanutrainer Stefan Henze. Das Olympiateam war geschockt. Sein Herz wurde transplantiert - eine Brasilianerin kämpft sich damit ins Leben zurück. Und sieht sich nun auf einer Mission.

Ivonette Balthazar (3.v.r.) und ihre Familie.
 

Quelle: dpa

Rio de Janeiro.  Auf der breiten Avenida das Américas rauscht der Verkehr, die Olympischen Spiele sind längst vergessen. Im hohen Tempo rasen die Autos an der Stelle vorbei, wo ein Sportlerleben vor einem Jahr jäh endete. Stefan Henze saß hier, wenige Kilometer vom Olympiapark in Rio de Janeiro entfernt, im Morgengrauen in einem Taxi zurück in das Olympiadorf. Das Taxi kam von der Straße ab und verunglückte schwer.

Henze erleidet ein Schädel-Hirn-Trauma. Ärzte kämpfen im Hospital Miguel Couto um das Leben des deutschen Kanu-Slalom-Trainers. Am 15. August die unfassbare Nachricht: Henze ist tot. Trauer und Schock im deutschen Olympiateam. Mit 35 Jahren wird der Mann aus Halle an der Saale aus dem Leben gerissen. Die deutschen Fahnen in Rio de Janeiro werden auf Halbmast gesetzt.

Bei den Olympischen Spielen in Athen 2004 war Henze noch als Athlet dabei, er gewann Olympia-Silber im Zweier-Canadier, bevor er später Kanu-Slalom-Trainer wurde. Von einem „wahren Olympier“ spricht der IOC-Präsident Thomas Bach. Kanu-Teambetreuer Christian Käding, der mit im Taxi saß, hat großes Glück und wird nur leicht verletzt.

Vor genau einem Jahr, am 15. August 2016, starb in Rio nach einem Taxiunfall der Leipziger Kanutrainer Stefan Henze. Das Olympiateam war geschockt. Sein Herz wurde transplantiert - eine Brasilianerin kämpft sich damit ins Leben zurück. Und sieht sich nun auf einer Mission.

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„Der 15. August, das ist wie mein neuer Geburtstag“, sagt dagegen Ivonette Balthazar (67) bei einem Treffen in Copacabana, einem Stadtteil von Rio de Janeiro. Im Eingangsbereich der Wohnung ist auf einer Kommode ein etwas vergilbtes Metallschild zu sehen, darauf steht „Love“, das O bildet ein großes rotes Herz. Daneben steht noch eine rote Variante der berühmten Cristo-Figur, das Wahrzeichen der Stadt. Das Herz, es schlägt wieder gut und kräftig im Körper von Ivonette Balthazar. Es ist das Herz von Stefan Henze.

Er hatte einen Organspendeausweis. Trotz aller Tragik gibt es von der Familie grünes Licht für die Entnahme von Herz, Leber und Nieren, um damit vier Menschenleben zu retten. Um 17.30 Uhr klingelt an jenem Augusttag plötzlich bei Ivonette Balthazar das Telefon. 15 Minuten später ist sie bereits im Instituto Nacional de Cardiologia (INC), wo ihr Henzes Herz transplantiert wird. Sie weiß noch nicht, von wem das Herz stammt. Gespendet nach einer schrecklichen Tragödie in einer fremden Stadt. „Das wäre hier undenkbar“, sagt Balthazar. Was für eine Solidarität.

Vor Weihnachten bei einem ersten Besuch war sie wesentlich schwächer und trug Mundschutz, das Immunsystem war sehr geschwächt. Bis zu 40 Pillen musste sie schlucken, damit das Herz nicht abgestoßen wird. Im Januar ging es Balthazar sehr schlecht, 15 Tage Krankenhaus. Vieles darf sie bis heute nicht essen. „Ich träume von Shrimps“.

Oft hat sie Fieber, ist schwach. „Es sind vor allem die Medikamente.“ Neulich ist sie zwei Kilometer auf dem Laufband gegangen. Wenn es gute Tage sind, kann sie mit Tochter Renata und den Enkelkindern die Strandpromenade in Copacabana entlanglaufen. „Aber ich war so lange zu Hause und in Kliniken, da muss ich mich stark vor der Sonne schützen.“ Renata, ihr Mann, drei der fünf Enkelkinder und ihre 86 Jahre alte Mutter sitzen mit im Wohnzimmer. Die Familie ist wieder glücklich, Stück für Stück geht es voran. Ivonette Balthazar denkt aber auch viel an Familie Henze, an das große Unglück. Sie bricht immer wieder in Tränen aus: „Wie gerne würde ich sie umarmen.“

Balthazar war bis zum 15. August 2016 dem Tod geweiht. Nach einem schweren Herzinfarkt ging es steil bergab, nur noch 30 Prozent des Herzens funktionierte. Und in Brasilien spendet kaum jemand Organe. „Ich war bereit zu sterben“, sagt sie. „Dann habe ich ein goldenes Herz bekommen“, sagt sie ein Jahr später, es funktioniere einwandfrei.

Die Familie von Stefan Henze wollte nicht, dass die Organspende öffentlich wird, schon während Olympia berichteten Medien in Brasilien aber darüber. Der Slalom-Chefcoach des deutschen Kanuverbandes, Michael Trummer, sagt, alle möchten, „dass die Angehörigen Ruhe und Frieden finden, um soweit es irgend möglich ist, ins Leben zurückzufinden“. Mannschaft, Sportler und Trainer werden „das Andenken an Stefan als tollen Sportler, Trainer und Menschen in Ehren halten“, betont Trummer.

Balthazar hofft, dass bei aller Tragik der Fall in Brasilien die Zahl der Organspender erhöht. Sie wird nun zu Vorträgen eingeladen, um dafür zu werben. In Brasilien (207 Millionen Einwohner) wurden 2016 nach Behördenangaben 357 Herzen transplantiert. In Deutschland (82 Mio. Einwohner) wurden laut der Stiftung Organtransplantation 1448 Organe übertragen, davon 139 Herzen. Tochter Renata sagt: „Es ist ein unglaubliches Geschenk des Lebens.“ Ivonettes Mutter muss sich Tränen wegdrücken. Es ist zu spüren, wie die Todesängste an den Grundfesten der Familie gerüttelt haben. Ivonettes Traum ist es, im nächsten Jahr eine Marien-Wallfahrt nach Fatima in Portugal zu machen. Und sie würde gerne irgendwann mal in Deutschland persönlich Danke sagen.

Von LVZ

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