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Hilbert muss das Image der Elbestadt verbessern

Oberbürgermeisterwahl Dresden Hilbert muss das Image der Elbestadt verbessern

Dresden hat bürgerlich gewählt. Der neue Oberbürgermeister Dirk Hilbert hat ein FDP-Parteibuch, will aber unabhängig sein. Zunächst muss er den ramponierten Ruf der Pegida-Hochburg Dresden aufpolieren.

Dirk Hilbert wurde am Sonntag zum neuen Oberbürgermeister von Dresden gewählt.

Quelle: dpa

Dresden. Die FDP in Sachsen kann wieder lächeln. Auch wenn es offiziell gar nicht ihr Mann ist, der am Sonntagabend im zweiten Wahlgang mit 54,2 Prozent der Stimmen zum Oberbürgermeister von Dresden gewählt wurde. Denn der 43-Jährige trat als Kandidat des Vereins Unabhängige Bürger für Dresden an, nimmt schon seit längerem keine Parteifunktionen mehr wahr. Dennoch verbindet FDP-Landeschef Holger Zastrow die Wahl des überparteilichen Liberalen mit guten Zukunftsaussichten: „Es geht wieder aufwärts“, frohlockte er am Wahlabend. Gleiches erwartet Zastrow für Dresden. Die Stadt hat es nötig. Die Aufmärsche der islamkritischen Pegida-Bewegung haben ihrem Image nicht gut getan.

Im Wahlkampf hatte sich Hilbert als Mann von Welt und Familienmensch gezeigt. Großformatige Plakate in Schwarz-Weiß zeigten ihn mit seiner aus Südkorea stammenden Frau und dem gemeinsamen Sohn. Hilbert wollte so ein Signal für Weltoffenheit senden - ein Attribut, das Dresden gern für sich in Anspruch nimmt. Nur stimmt es mit der Realität überein? Schlagzeilen machte Dresden zuletzt vor allem durch Pegida. Lediglich die Touristenströme und Ereignisse wie die Musikfestspiele kündeten noch von internationalem Flair. Die Pegida-Kundgebungen lieferten dagegen eher das Bild einer engstirnigen Bürgerschaft, die Angst vor dem Fremden hat und lieber barocke Glanzzeiten beschwört.

Hilbert soll es nun richten. Schon in seiner ersten Rede vor seinen Anhängern sprach er am Sonntag von der notwendigen Imageverbesserung: „Das Bild von Dresden muss wieder zurechtgerückt werden.“ Dazu plant er nun eine Art Aufklärungstour durch Deutschland. Er wolle in anderen Städten auch über das Pegida-Phänomen sprechen, das in Dresden seinen Ausgangspunkt nahm und hier seine größte Bühne fand. Hilbert schwebt sogar eine Vorbildrolle vor: „Ich möchte Dresden zu einer Vorzeigestadt der Integration und Beschäftigung von Flüchtlingen und Zuwanderern machen“. Einzelheiten dazu wollte er sich am Wahlabend noch nicht entlocken lassen.

Hilbert, für den Pegida-Frontfrau Tatjana Festerling nach Runde 1 der OB-Wahl eine Wahlempfehlung abgab, kommt nun wohl auch mit den Stimmen der Pegida-Anhänger ins Amt. Festerling hatte in der ersten Runde immerhin 21.000 Stimmen erhalten – weit mehr, als die Teilnehmerzahl aktueller Pegida-Versammlungen. Hilbert weiß, dass sich nur ein Teil der Dresdner von Ängsten vor einer Überfremdung anstecken lässt. Dennoch haben sich in der sächsischen Landeshauptstadt die Geister an den Islamkritikern geschieden.

Hilbert ist nun gefragt, als erster Mann der Stadt Gräben wieder zuzuschütten – eine enorme Aufgabe angesichts verhärteter Fronten. Darauf verwies auch seine Widersacherin Eva-Maria Stange (SPD). Die mit 44 Prozent unterlegene Kandidatin von Linken, Grünen, SPD und Piraten ist besorgt über die tiefe Spaltung Dresdens. Es werde darauf ankommen, die Stadt wieder zu vereinen in den nächsten Jahren und mit allen zusammenzuarbeiten, die Zukunft gestalten wollten. Themen wie Weltoffenheit oder Toleranz bewegten die Menschen. Auch die Frage, wie man mit Asylbewerbern und Zuwanderung künftig umgehe. „Wir haben eine Antwort darauf gegeben. Auf die andere Antwort bin ich noch gespannt“, sagte Stange mit Blick auf Hilbert.

Jörg Schurig und Ralf Hübner

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