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Hochstapler schwindelt sich in Dresdner Ministerien - Bewährungsstrafe für 40-Jährigen

Hochstapler schwindelt sich in Dresdner Ministerien - Bewährungsstrafe für 40-Jährigen

Nein, ein Dr. Gert Postel ist der 40-jährige Christoph W. nicht. Auch wenn es Parallelen zum "Fall Postel" gibt. Doch während der falsche Doktor Postel nie eine Universität von innen gesehen hat, aber dennoch in Sachsen Karriere als Oberarzt machen konnte, hat Christoph W.

Dresden. immerhin Jura studiert. Und das sogar ziemlich lange: Zwölf Jahre lang war der gebürtige Hesse nach eigenen Angaben an den Juristischen Fakultäten der Universitäten in Gießen und Frankfurt/Main eingeschrieben.

Die Länge des Studiums stand in keinem Verhältnis zum Ertrag - Christoph W. legte nie das Juristische Staatsexamen ab. Weder das erste noch das zweite. Während seine Kommilitonen längst Rechtsprofessoren, Richter oder hochbezahlte Rechtsanwälte waren, musste sich Christoph W. mit Hilfsjobs durchs Leben schlagen. Obwohl er durchaus profunde Fachkenntnisse besaß, nur eben leider auch extreme Prüfungsangst, wie er sagte.

Als der Sächsische Landtag 2007 eine Stelle als Referent in der Personalverwaltung ausschrieb, bediente sich der ewige Student eines Kopierers und behob sein Handicap: Er fälschte sich die Examenszeugnisse und versah sie mit Stempeln des Hessischen Justizprüfungsamtes. Mit der Traumnote 13,6 will er das erste Examen bestanden haben, das zweite mit einer ebenso glänzenden 10,0. Die Spitzenzeugnisse bewirkten Wunder - Christoph W. bekam die befristete Stelle in Dresden und verhandelte unter anderem mit dem Personalrat der Landtagsverwaltung über die Einführung der Gleitzeit oder schrieb Kurzgutachten zur Gestaltung von Verträgen - jederzeit fachkompetent und überzeugend in der Gedankenführung, wie ihm seine Vorgesetzte bescheinigte.

Im November 2007 bewarb sich der Referent um eine unbefristete Stelle beim Sächsischen Finanzministerium - mit Erfolg, er schlug alle anderen Bewerber aus dem Rennen und wurde Regierungsrat. Auch im Ministerium leistete er gute Arbeit. Im September 2008 sollte Christoph W. an den Sächsischen Rechnungshof nach Leipzig versetzt werden. Im Zuge der Versetzung nahmen die Verantwortlichen seine Personalakte etwas genauer unter die Lupe und stutzten: Unter anderem fehlten Belege über die einzelnen Stationen im Referendariat. Kein Wunder, der Spitzenjurist war nie Referendar, sein Lügengebäude stürzte wie ein Kartenhaus zusammen.

"Es gab keinen in meinem Umfeld, der mich hätte stoppen können. Alle sind davon ausgegangen, dass ich Jurist bin", erklärte Christoph W. am Freitag Strafrichterin Annette Dönch. Der 40-Jährige musste sich wegen Urkundenfälschung und Betruges verantworten. Er legte ein glattes Geständnis ab und wies darauf hin, dass er nach dem Auffliegen des Schwindels seine wirtschaftliche Existenz verloren habe. Rund 22 000 Euro Bezüge fordert die Landtagsverwaltung zurück, rund 38 500 Euro die Oberfinanzdirektion Chemnitz für das Finanzministerium. "Mein Konto wird mir gepfändet", erklärte der Angeklagte, der seit Ende 2008 krankgeschrieben ist und von Krankengeld lebt.

Staatsanwältin Ute Schmerler-Kreuzer forderte eine Haftstrafe von zwei Jahren auf Bewährung für den 40-Jährigen, dem sie ein hohes Maß an krimineller Energie bescheinigte. "Der Landtag hat es ihm aber auch viel zu leicht gemacht und sich mit unvollständigen Unterlagen zufrieden gegeben", kritisierte sie. Verteidigerin Doreen Blasig-Vonderlin hielt acht Monate auf Bewährung für ausreichend. Dönch verurteilte den Angeklagten zu einem Jahr und zwei Monaten Haft auf Bewährung.

Thomas Hartwig

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