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Hochwasserlage in Ostsachsen entspannt sich - Kritik an Meldesystem

Hochwasserlage in Ostsachsen entspannt sich - Kritik an Meldesystem

Die Hochwassergefahr in Ostsachsen scheint vorerst gebannt. Der Görlitzer Landrat Bernd Lange (CDU) ging trotz des anhaltenden Regens am Freitagvormittag von einer Entspannung der Lage im Tagesverlauf aus.

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Die Sommer-Hochwassergefahr in Sachsen scheint vorerst gebannt.

Quelle: dpa

Niesky/Görlitz/Dresden. Der Grund: Bislang floss weniger Wasser als erwartet aus dem polnischen Witka-Stausee in die Neiße.

Trotz der Entspannung beklagte Lange aber die seiner Ansicht nach schlechte Kommunikation bei Hochwasser mit noch immer zu langen Meldewegen. Auch künftig werde es in der Region Hochwasser geben, warnte er.

In Görlitz lag der Pegelstand der Neiße am Vormittag gleichbleibend bei etwa 5,25 Metern und damit im Bereich der Alarmstufe 3. Bislang gab es nach Angaben der Stadtverwaltung in Görlitz keine größeren Schäden.

Das Hochwasserzentrum in Dresden rechnet damit, dass sich an der Neiße ein langgezogener Hochwasserscheitel bilden wird. Während der Wasserstand in Görlitz stagnierte, wurde in Zittau wieder ein leichter Anstieg registriert. Hier soll es erst in der Nacht zum Samstag einen Rückgang geben, wenn die Niederschläge in Tschechien nachlassen.

Wasseranstieg aber keine Probleme an der Elbe

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Leipzig/Dresden. Niederschläge von leichtem Nieselregen bis zum kräftigen Guss: Dauer- und Starkregen haben am Mittwoch Flüsse im Freistaat teilweise sehr schnell anschwellen lassen. „Es besteht vor allem in Ostsachsen und an den Mittelgebirgen Hochwassergefahr“, sagte die Sprecherin des Landesamtes für Umwelt und Geologie, Karin Bernhardt.

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Auch an der Elbe ist das Wasser weiter gestiegen, aber noch gebe es keine Probleme. Vor zwei Tagen waren in Dresden 1,35 Meter registriert worden, am Freitag waren es 2,57 Meter. Im Jahresmittel zeigt der Pegel in Dresden etwa 2 Meter.

Entgegen den Prognosen vom Vortag ist aus dem polnischen Witka-Stausee bislang weniger Wasser als erwartet in die Neiße geflossen. Vorhergesagt waren 200 bis 300 Kubikmeter pro Sekunde. Tatsächlich lagen die Werte nach Angaben des Landrates aber weit darunter. Anfangs seien es 80 Kubikmeter gewesen, nachts dann 135.

Landrat Lange kritisierte in Niesky das Hochwasserzentrum für die Prognose zum Witka-Stausee und die aus seiner Sicht viel zu langen Meldewege. Das Zentrum erhält seine offiziellen Informationen von der polnischen Seite via Warschau, Berlin und den Koordinierungsstab der Bundespolizei in Frankfurt an der Oder - für Lange ist das zu umständlich. Er wolle seine Zusammenarbeit mit den lokalen Behörden im benachbarten Polen weiter ausbauen, so der Landrat.

Keine Pegel nördlich von Görlitz - Landrat: "Fatal"

Der Witka-Stausee hatte beim Hochwasser im August 2010 eine fatale Rolle gespielt. Die Nachricht, dass dort ein Damm gebrochen war, hatte Sachsen offiziell viel zu spät erreicht. Das Unglück hatte die Hochwasserlage in der Neiße verschärft, in Görlitz war der Fluss praktisch ohne Vorwarnung rasend schnell auf reichlich sieben Meter angeschwollen und hatte riesige Schäden angerichtet.

Landrat Lange lobte das Land Sachsen zwar dafür, seit dieser Zeit die Dämme an der Neiße repariert zu haben. Dass aber nördlich von Görlitz keine Pegel mehr existieren, hält er für fatal. „Da werden vermutlich erst zwei bis drei Jahre Studien gemacht, wo die Pegel hin sollen.“

Uwe Höhne von der Hochwasserzentrale wies die Kritik von Lange zurück. „Es gibt ein Pegelbauprogramm“, sagte er auf Anfrage. Es müssten dafür aber geeignete Standorte gefunden und Eigentumsfragen geklärt werden. „Das dauert leider seine Zeit.“

Mit Blick auf die Informationswege sagte Höhne, dass sich die Zentrale auf offizielle Angaben aus Polen verlassen müsse. Die Einschätzung der Lage am Witka-Staudsee sei zudem schwierig. Dort gebe es zwar einen Pegel, dieser registriere aber nicht die Menge das abfließenden Wassers. Im Prinzip werde dort so viel Wasser abgelassen, wie oberhalb des Dammes zufließe. Der Stausee habe keine Speicherfunktion.

Angesichts einer Zunahme von Extremwetterlagen sieht Lange den Landkreis Görlitz auch künftig von Fluten bedroht. „Wir sind ein Einzugsgebiet mit schnellem Abfluss.“ Es komme hier zu kurzen, aber intensiven Hochwassern. Deshalb sei es auch wichtig, exakte Werte zu haben. Anders sei eine richtige Beurteilung der Lage nicht möglich. Beim aktuellen Hochwasser der Neiße geht Lange nicht davon aus, dass die Alarmstufe 4 im Landkreis erreicht wird.

dpa

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