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Höhere Beiträge: Allianz regelt DDR-Altverträge zum Hochwasserschutz neu

Höhere Beiträge: Allianz regelt DDR-Altverträge zum Hochwasserschutz neu

15 000 Kunden der Allianz müssen nach der Hochwasserkatastrophe neue Versicherungsbedingungen eingehen. Oder ihr Schutz erlischt. Das betrifft Hausbesitzer, die noch durch einen DDR-Altvertrag versichert sind.

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Bundesweit gab es beim Hochwasser 2013 Schäden in Milliardenhöhe.

Quelle: Andreas Gebert

Dresden. Die neuen Tarife beinhalten höhere Beiträge und die Einführung einer Selbstbeteiligung.

Wohl dem, dessen Altvertrag der DDR-Versicherung bei der Allianz noch Bestand hatte, hieß es bei jedem der drei schlimmen Hochwasser seit 2002 in Mitteldeutschland. Und auch bei der Oderflut 1997 in Brandenburg. Der Schutz vor Elementarschäden war preiswert und umfassend. Damit ist jetzt Schluss. Die Solidarität unter den Versicherten dürfe nicht überstrapaziert werden, erklärte Allianz-Vorstand Severin Moser gestern in Leipzig. Der Versicherungsschutz bleibt aber erhalten. Sagt die Allianz und verschickt neue Angebote, die als Änderungskündigung zu verstehen sind. Mit den aktuellen Hochwasserschäden habe das gar nichts zu tun, die Tarifumstellung laufe bereits seit Februar, beteuert die Allianz. Doch den Betroffenen sitzt nun die Zeit im Nacken: Bis 25. September erhalten 15 000 Kunden ein Schreiben mit einem neuen Angebot. Bis 31. Oktober müssen sie dieses annehmen. Oder der Versicherungsschutz erlischt zum Ende des Jahres.

Das Hochwasser des Frühsommers brachte die Allianz "an den Rand der Leistungsfähigkeit", sagte Allianz-Vorstand Moser und meinte damit zunächst den Arbeitseinsatz seiner Leute bei der Aufnahme der Schäden. Während die Allianz 2002 beim Elbehochwasser 22 578 Schäden regulierte, waren es bei der diesjährigen Katastrophe über 40 000 Schäden in Mitteldeutschland, die mit über 400 Millionen Euro beglichen wurden. Bundesweit gab es Schäden in Milliardenhöhe.

Um die Allianz-Strategie zu rechtfertigen, erklärte gestern Niederschlagsexperte Andreas Becker vom Deutschen Wetterdienst, warum bestimmte Regentiefs so verheerend wirken und dass dies in Zukunft noch öfter geschehen könne. Natürlich begründet die Allianz die Verteuerung der DDR-Altverträge auch mit der schnelleren Wiederkehr von Hochwasserereignissen und der Schwere der Schäden. Schließlich seien in den DDR-Verträgen Unterschiede in der Hochwassergefährdung nicht berücksichtigt worden. Somit bezahlen heute Kunden mit geringer Gefährdung die hohen Kosten der wenigen Kunden mit hohem Hochwasserrisiko mit. Weil die Altverträge noch geringe Jahresbeiträge und keinen Selbstbehalt im Schadenfall vorsehen, würden flutgeschädigte Kunden "vom Versichertenkollektiv hochgradig subventioniert", heißt es bei der Allianz. Durch die Anpassung von Beiträgen und Selbstbehalt könnten Tariferhöhungen für alle Kunden vermieden werden.

Wie teuer es genau wird, hängt für die Allianz-Kunden davon ab, wie hochwassergefährdet ihre Wohngebäude sind. Maßgeblich für diese Bewertung ist das Zonierungssystem für Überschwemmung, Rückstau und Starkregen (ZÜRS), das vier Gefährdungszonen vorsieht. Für Versicherte in den Zonen eins und zwei mit geringer Flutgefährdung gelte der DDR-Altvertrag weiter. 12 000 Hausbesitzer mit DDR-Verträgen könnten zu geänderten Bedingungen weiterversichert werden. Deren Jahresbeiträge würden sich um 100 bis 150 Euro erhöhen, ein Selbstbehalt von 1500 bis 3000 Euro werde eingeführt. 2800 Kunden würden individuell beraten. In Extremfällen könne der Eigenanteil auch höher als 3000 Euro ausfallen, so die Allianz. 0,5 Prozent der Betroffenen erhalte kein neues Angebot. Darunter dürften auch Bewohner in Grimma oder Döbeln sein, die eine Versicherung am nötigsten haben.

Die Verbraucherzentrale Sachsen rät allen Versicherungskunden, die neuen Angebote gründlich zu prüfen. "Wer das Angebot nicht annimmt, steht möglicherweise ohne Schutz da, weil auch andere Versicherer in den stark hochwassergefährdeten Lagen keine Angebote machen", sagt Andrea Heyer, Versicherungsexpertin der Verbraucherzentrale. Sie sieht die Vertragsanpassung der Alt-Konditionen skeptisch. "Wir wollen, dass die Leute bezahlbaren und bedarfsgerechten Versicherungsschutz erhalten." Weil dies offensichtlich nicht für alle Hausbesitzer möglich sei, müsse es eine Pflichtversicherung geben.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 21.09.2013

Andreas Friedrich

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