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"Horch und Guck" im Netz: NSA-Skandal lässt Interesse an Stasi-Aufarbeitung wachsen

"Horch und Guck" im Netz: NSA-Skandal lässt Interesse an Stasi-Aufarbeitung wachsen

Die massenhafte Ausspähung durch Geheimdienste hat nach Ansicht des Chefs der Stasi-Unterlagenbehörde, Roland Jahn, auch neues Interesse an den Methoden des DDR-Regimes geweckt.

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Die NSA-Affäre hat neues Interesse an den Methoden des DDR-Regimes geweckt.

Quelle: Oliver Berg/Archiv

Berlin. Vor allem viele Jüngere seien neugierig geworden, sagte Jahn am Dienstag in Berlin. „Was war denn die Stasi? Was heißt es, wenn ein Staat ungehindert Daten sammelt? Was ist der Unterschied zwischen Stasi und NSA?“, seien zentrale Fragen. Zwar seien solche Vergleiche nicht ohne Probleme. Es werde aber deutlich, dass die Erkenntnisse zum Wirken der Stasi - im Volksmund "Horch und Guck" genannt - auch Orientierungspunkte für heutige Diskussionen seien.

Jahn hatte zuvor seinen Tätigkeitsbericht für die vergangenen zwei Jahre offiziell an den Bundestag übergeben. Allein im vergangenen Jahr hatte die Behörde fast 67 800 Anträge von Bürgern auf Einsicht in die gesammelten Akten der DDR-Staatssicherheit verzeichnet. Seit ihrem Bestehen sind es rund drei Millionen. Dass sie ihre Akten erst jetzt sehen wollten, begründeten viele Betroffene damit, dass sie Abstand gebraucht hätten, erläuterte Jahn. „Viele kommen jetzt in ein Alter, in dem sie die Zeit haben, ihr Leben zu reflektieren. Etliche werden dabei auch von ihren Kindern und Enkeln befragt“, sagte er. So könnten die Unterlagen helfen, den Dialog zwischen den Generationen über die Vergangenheit zu fördern.

Aus dem Tätigkeitsbericht geht aber auch hervor, dass die Behörde ihre Aufklärungsarbeit inzwischen immer stärker auf die Nach-Wende-Generation ausrichtet. Die Zahl der Menschen, die die DDR selbst nicht mehr erlebt hätten, nehme stetig zu, und das verändere auch den Dialog, die Aufbereitung und die Erzählweise, heißt es. Mit Blick auf die Zukunft der Behörde sagte Jahn, man müsse offen sein für Veränderungen, damit die Aufarbeitung zeitgemäßer und effizienter werden könne. „Veränderung ist kein Schlussstrich.“

Er selbst mache seine Arbeit sehr gerne. „Aber ich habe hohen Respekt vor dem Deutschen Bundestag, dass er seine Entscheidung trifft, wie er es denkt“, sagte Jahn. Der Bestand der Stasi-Unterlagenbehörde ist derzeit nur bis 2019 gesetzlich gesichert. Eine Expertenkommission soll bis zum Frühjahr 2016 Vorschläge für ihre Zukunft erarbeiten. Dann endet auch Jahns Amtszeit.

LVZ

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