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Hubschraubereinsätze wegen der Hitze - Notarztmangel macht Hilfe aus der Luft nötig

Hubschraubereinsätze wegen der Hitze - Notarztmangel macht Hilfe aus der Luft nötig

Ohrenbetäubender Lärm mitten in Torgau: Ein Rettungshubschrauber landet am Montagvormittag im engen Rosengarten des Schlosses, um einen Patienten wegen Atemnot zu versorgen.

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Ein ADAC-Hubschrauber landet im Torgauer Schlossgarten. Wegen des Notarztmangels kommen die Luftretter im Kreis Nordsachsen immer häufiger zum Einsatz.

Quelle: Wolfgang Sens

Torgau/Leipzig. Weil der einzige verfügbare Notarzt bereits im Einsatz ist, hat die Rettungsleitstelle den Helikopter des ADAC aus Dölzig bei Leipzig bestellt – eine kostspielige, aber mittlerweile gängige Praxis im Landkreis Nordsachsen.

Statt eines Rettungswagens (RTW) wird hier zwischen 170 und 200 Mal im Jahr – etwa jeden zweiten Tag – ein Hubschrauber gerufen, teilweise auch für Bagatellfälle. „Es ist mittlerweile gang und gäbe, dass ein Helikopter alarmiert werden muss, um einen Notarzt vor Ort zu bekommen. Anders geht es nicht“, erklärt Cornelia Bruchner, stellvertretende Leiterin des Rettungsdienstes in Delitzsch. So sei es in den vergangenen Tagen vermehrt zu Notrufen aufgrund der Hitze gekommen. „Vor allem wegen Kreislaufproblemen gab es 20 Prozent mehr Einsätze als sonst“, berichtet Bruchner. Auch der Helikopter habe aufgrund der extremen Temperaturen Hochkonjunktur gehabt.

„Das ist ein Fass ohne Boden“, kritisiert der Leipziger Notfallmediziner Michael Burgkhardt. Bei einem Hubschraubereinsatz würden 1200 bis 1500 Euro anfallen – rund dreimal so viel wie für einen Rettungswagen. Die Kosten trage jeweils die Krankenkasse. „Das Problem ist, dass die Bürger den Notruf wegen banaler Fälle immer stärker in Anspruch nehmen. Wegen Schmerzen im Knie oder wenn die Oma morgens nicht trinken will, wird ganz selbstverständlich die 112 angerufen. Die Einsatzzahlen sind in den letzten Jahren explodiert“, berichtet Burgkhardt, der stellvertretender Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Sächsischer Notärzte (AGSN) ist.

Patienten sparen sich bei Notruf die Praxisgebühr

Was die Flexibilität angeht, sei für die Rettungsleitstellen der Hubschrauber dabei der Joker, meint Michael Burgkhardt. Stehe kein RTW zur Verfügung, würden die Notärzte eben eingeflogen. „Die Situation ist unbefriedigend. Aber weil manche RTW-Standorte nicht ständig besetzt sind, werden die Einsätze in Zukunft weiter zunehmen“, schätzt Cornelia Bruchner vom Rettungsdienst in Delitzsch.

Teilweise spiele bei den Notrufen auch die Praxisgebühr eine Rolle, ist Burgkhardt überzeugt. So müsste bei RTW- oder Hubschraubereinsätzen die Zehn-Euro-Pauschale nicht entrichtet werden. Bei einem Transport ins Krankenhaus falle jedoch ein anteiliger Kostenbetrag an, ergänzt Bruchner. „Bei einem Krankenwagen sind das aber maximal zehn Euro.“

„Wir haben eine nicht funktionierende Grundversorgung“, sagt Mediziner Burgkhardt und fordert die Einrichtung einer Dringlichkeitsversorgung für Fälle, die nicht lebensbedrohlich sind. „Solange wir das System nicht grundlegend ändern, wird es bei der aktuellen Situation bleiben.“ Zwar gebe es in Sachsen rund 4000 ausgebildete Notärzte. An den 75 Standorten würden jedoch nur etwa 1500 benötigt – für mehr fehle den Kliniken das Geld. „Auf dem Papier besteht ein Überangebot an Ärzten, aber die Bereitstellungsmöglichkeiten durch die Krankenhäuser sind begrenzt“, so Burgkhardt.

Die Besatzung des Dölziger Rettungshubschraubers kann sich über mangelnde Beschäftigung jedenfalls nicht beschweren. Fünf bis zehn Einsätze absolvieren die Luftretter täglich – im Umkreis von 70 Kilometern von Borna über Delitzsch bis nach Torgau. „Ein Sportplatz wäre mir auch lieber gewesen“, meinte der Pilot des Helikopters am Montag nach seinem spektakulären Einsatz in der Elbestadt. Dieser war aber nicht nahe genug am Ziel. Auch eine geplante Landung auf dem Marktplatz musste in letzter Minute ausfallen. Die vielen Sonnenschirme an den Straßencafés wären durch den starken Wind abgehoben - zu gefährlich für den Piloten. Ein Krankenwagen wäre hier wohl ohne Probleme durchgekommen.

Robert Nößler

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