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Hunde zerfleischten dreijähriges Mädchen - Tante steht vor Gericht

Hunde zerfleischten dreijähriges Mädchen - Tante steht vor Gericht

Die Mutter durchlebt im Gerichtssaal die qualvollen Stunden nach dem Tod ihrer Tochter nocheinmal: Mit Tränen in den Augen und einem Knuddeltier ihres Kindes im Schoß verfolgt die schwarz gekleidete Frau am Donnerstag den Prozessauftakt im Amtsgericht Nordhausen.

Nordhausen. Ihrer Schwester, die wegen fahrlässiger Tötung auf der Anklagebank sitzt, kann sie nicht in die Augen schauen. Als Details zum Tod ihres einzigen Kindes zur Sprache kommen, verlässt sie mit ihrem Mann vorübergehend den Gerichtssaal - zu groß ist der Schmerz.

Das Mädchen war vor dem Pfingstwochenende 2010 mit seiner Großmutter zu Besuch bei der Tante, als sich die vier American Staffordshire Terrier-Mischlinge urplötzlich auf die beiden stürzten und fürchterlich zubissen. Die Tiere waren durch eine Hundeklappe - unbemerkt von der Besitzerin - in das Wohnhaus gelangt. Die 71-Jährige, die das zappelnde und schreiende Kind auf dem Arm hielt, wurde bei dem Angriff umgestoßen. Die Hunde bissen massiv auf das Mädchen ein. Die Kleine verblutete nach Angaben der Gerichtsmedizinerin Gitta Mall an „Hunderten Bissen“. Die Tiere hätten ein „zielgerichtetes Beutefangverhalten“ gezeigt.

„Sie wollten an das Kind“, sagte auch die Wolfsforscherin Dorit Feddersen-Petersen aus Kiel. Die 45 Jahre alte Hundebesitzerin soll zur Tatzeit im Garten gewesen und erst durch Blut an einem der Hunde auf das tragische Unglück aufmerksam geworden sein. Nach Auffassung der Mühlhäuser Staatsanwaltschaft war sie mit der Haltung der Tiere überfordert. Die Hunde waren unmittelbar nach den tödlichen Bissen mit ihrem Einverständnis eingeschläfert worden. Die Großmutter, die vergeblich versuchte, ihr Enkelkind zu schützen, wurde schwer verletzt.

Die Angeklagte erklärte, ihr tue alles unendlich leid und sie entschuldigte sich bei den Eltern, die als Nebenkläger auftreten. Die Hunde hätten zuvor niemanden angegriffen oder verletzt. Wegen der Tiere war die Familie jedoch zerstritten. Weil ein Bruder der Angeklagten Angst vor den Hunden hatte, wurden bei Familienfeiern das Haus der Angeklagten gemieden. Auch ein Nachbar und der Vater der Angeklagten hatten vor den Tieren gewarnt. Die anderthalb Jahre alten Tiere waren weder angemeldet noch versichert.

Nach Angaben von Expertin Feddersen-Petersen hatte die 45-Jährige selbst das Gefühl, die Hunde gut erzogen zu haben. Früher oder später wäre sie jedoch selbst gefährdet gewesen, weil die Hunde nicht „sozialisiert“ gewesen seien und nicht gelernt hätten, mit anderen Hunden oder fremden Menschen zurechtzukommen. Ihnen seien zudem im Haus und auf dem Grundstück keinerlei Grenzen gesetzt worden. „So ein Hunderudel ist immer sehr gefährlich“, sagte die Gutachterin.

Die Thüringer Landesregierung reagierte nach der Tragödie mit einem Gesetzentwurf zum Schutz vor gefährlichen Hunden, der jedoch seit Monaten im Landtag diskutiert wird. Das Gesetz sieht vor, vier Terrierrassen und ihre Kreuzungen grundsätzlich als gefährlich einzustufen. Ihre Haltung soll an strenge Auflagen gebunden und der Handel verboten werden.

Claudia Götze, dpa

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